Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905345
Taschen besetzt, welche durch Strupfexi zugezogen werden konnten.  Die Bäuerinnen folgten 
nur insofern der Mode, als sie den Rock vom Leibchen trennten; ihr Rock reichte nur bis an die 
Knöchel oder halben Waden und war von bequemer Weite (48. 4.  das Leibchen wurde vorn 
herab verschnürt und hatte lange Aermel, aber keinen Ausschnitt; das Koller, stets als Schutzkleid 
getragen, war kragenlos oder nur mit einem niederen Stehkragen besetzt. Nach Bedarf legten die 
Bäuerinnen über das Leibchen eine mit Taille versehene und vorn herab geöffnete Schossjacke, die 
bis unter die Hüften reichte und auf der Brust geschlossen wurde (48. 7). 
Zur vollen Toilette einer wohlhabenden Bürgersfrau gehörte der Mantel; doch trugen 
die Frauen den Mantel nur beim Kirchgange oder bei kaltem Wetter. Die Grundform des Mantels 
ging über einen Halbkreis hinaus; der Mantel wurde aber nicht mehr glatt beliebt, sondern rundum 
gleichmässig in senkrechte Falten gelegt; das Kopfloch war sehr weit und wurde durch die Fäl- 
telung passend auf den Hals verengt (48. u). Für die winterliche Zeit fütterte man den Mantel 
namentlich im nördlichen Deutschland mit Pelz und liess das Pclzfutter über den Halsrand als 
breiten Kragen emporsteigen (50. 10. 1a). Ueberdics besetzte man den Mantel auch aussen mit Pelz, 
um die Schultern her, so dass der Besatz wie ein Ueberfallkragen über dem Mantel lag (50. 1a), ferner 
am unterengRande und auch sonst in beliebigen Mustern. In Haus und Feld trugen Bürger- wie 
Bauernfrauen eine Schürze. Es gab einfache und doppelte Schürzen. Die einfache Schürze war 
glatt oder gleich dem Rocke dicht in Längsfalten gereiht (48. u. 1. 1a). Die Dop p e lsch ü r z e (48. 4. s. io) 
glich einem taillenlosen Rocke, welcher bis unter die Achseln reichte, an beiden Seiten von oben 
herab bis tief unter die Hüften aufgeschlitzt und in seinen getrennten Vorder- und Rückcnteilen 
faltig zusammengeschoben war. Die Falten wurden an dem oberen Saume, nach Belieben auch 
zum zweitenmale eine Handbreit unter dem oberen Saume gefasst (48. 4), an den Saum ein schmales 
Band oder ein viereckiges glattes Zeugstück festgeheftet und an den oberen Ecken desselben zwei 
Tragbänder angebracht, mit welchen man die Schürze über die Schultern hing; man liess sie 
entweder frei herabfallen oder unterband sie mit dem Gürtelriemen, an welchem, der Sitte gemäss, 
Tasche und Messer befestigt waren. 
Eine grosse Veränderung bewirkte die Mode unter den Kop ftrachten. Die kürbisförmige 
Haube (48. 10. 15. 21) verkleinerte sich von Jahr zu Jahr und war um 1520 verschwunden. Etwas 
länger erhielt sich die Haube, welche aus gesteiften, über Drahtgestelle gelegten Tüchern hergestellt 
wurde (48. 9. Fig. 24. 18-20), ja in manchen deutschen Reichsstädten blieb es bis gegen die Mitte 
des 16. Jahrhunderts Sitte, dass nur die Mädchen ihr Haar sehen lassen durften, während die Frauen 
den Kopf verhüllten und selbst Kinn und Mund mit einem Tuche umgaben (48. 11). Um 1560 kam eine 
kleinere Haube auf, die in ihrem hinteren Teile hufeisenförmig oder einem querstehenden Kamme 
ähnlich ausgeweitet, wattiert und wulstig eingenäht war (48.1. 11). Um 1510 fing das Barett an, 
die alten Kopfpütze zu verdrängen und seit 1520 wurde das Barett von demweiblichen Geschlechte
        

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