Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905323
gleich der männlichen die Wunderlichkeiten der voraufgegangeneil Epoche ab und wurde freier, 
natürlicher und einheitlicher. Um die Wende des 15. und 1G. Jahrhunderts war sie oben fest an- 
schliessend und fast bis auf die Taille ausgeschnitten, nach untenhin aber von übermässiger Weite und 
Länge (S. 93). Das Unterkleid wurde von der neuen Mode wenig berührt und nur untenher auf eine 
vernünftige Länge gekürzt. Der freiheitliche Zug der Zeit machte sich vor allem an dem Oberkleide 
bemerklich. Die neue Mode, welche vom Auslande damals geradezu vdeutsche Modeu benannt und 
als solche nachgeahmt wurde, nahm bereits um 1500 auch dem Oberkleide die hinderliche Länge, aber 
zunächst nur an der vorderen Seite; erst im Verlaufe des nächsten Jahrzehntes bemächtigte sie 
sich der Schleppe und kürzte auch diese immer mehr, bis um 1.530 das Oberkleid rundum gleichmässig 
lang war, so dass es mit dem unteren Saume nur eben den Boden berührte; die Schleppe blieb den 
festlichen Tagen vorbehalten. Im Anfange der neuen Epoche pflegte man Kleid und Leibchen so- 
wohl aus dem Ganzen wie auch getrennt und jedes Stück besonders zuzuschneiden. Das im Ganzen 
zugeschnittene Kleid war entweder vorn herab geöffnet oder geschlossen; im ersten Falle glich es 
einer Taillenschaube (48.15) mit engen langen Aermeln, die sich erweiternd über die halbe Hand 
reichten; auf der Brust war es in mannigfacher Schweifung tief ausgeschnitten; man vernestelte es im 
unteren Teile des Ausschnittes, wodurch es über den ganzen Körper herab zusammengehalten wurde, 
den Ausschnitt selbst füllte man mit einem besonderen Brustlatze aus. Das vornherab geschlossene 
Kleid hatte einen doppelten Zuschnitt. Einmal waren Vorder- und Rückenstück, vom oberen Aus- 
schnitte abgesehen, von gleichem Zuschnitte (48. 21), die Aermel lang und eng und einer davon bis- 
weilen von abstechender Farbe. Ein andermal (48. 22) war nur das Vorderstück an das Leibchen ge- 
schnitten, das Rückenstück aber in Rock und Leibchen getrennt, das Rockteil dicht gefaltet und mit 
überstochener Naht an das Leibchen geheftet; da man die dichten Falten rechts und links über das 
Vorderstück fortsetzte, so schnitt man dieses im Rockteile oben breiter als im Leibchen (Fig. 23. 21), 
trennte Rock und Leibchen von beiden Seiten her durch einen etwa fingerlangen Einschnitt und faltete 
das Rockteil auf die Breite des Leibchens zusammen. Nach unten erweiterte man den Rock durch 
eingesetzte Zwickel. Die Aermel dieser Oberkleider wurden aus zwei Stücken hergestellt und zwei- 
nähtig gemacht, weil man den Ellbogen mit einzuschneiden pflegte. 
Mit vorrückender Zeit wurden die im Ganzen zugeschnittenen Oberkleider immer seltener 
und Rock und Leibchen immer mehr als selbständige Gewandstücke behandelt. Man schnitt den 
Rock als völligen Ring, dessen Breite die Länge des Rockes abgab und dessen innerer Saum 
bedeutend weiter als der Umfang der Taille war; diesen Ring schob man in schmale Längsfalten 
zusammen, entweder gleichmässig um den ganzen Körper herum oder hinten dichter als vorn. Die 
Taille, welche man im abgelaufenen Jahrhundert sehr hoch und oft dicht unter der Brust getragen 
hatte, wurde jetzt auf ihre natürliche Stelle herabgerückt. Das Rückenstück des Leibchens bestand 
aus zwei Blättern, deren verbindende Naht in die Mitte des Rückens Fiel; Vorder- und Rückenteil 
wurden über die Achseln her und an den Seiten zusammengenäht; die Achselnähte kamen statt 
auf die Mitte der Achseln mehr nach vorn oder hinten zu liegen, je nachdem man den grösseren 
Teil der Achselstücke an dem Hinter- oder Vorderstücke beliess. Durch mehrfaches Einnähen des 
Stoffes machte man das Leibchen auf den Körper passend; an der Seite verschloss man es durch 
Haken und Oesen; liess man das Leibchen auf der Brust völlig offen, so vernestelte man es hier 
durch Schnürsenkel. Die _Aermel des Leibchens waren anfangs eng, lang, zweinähtig und fielen 
sich erweiternd über die halbe Hand (48. 1a); da man sie über die Hand zurückzuschlagen pflegte, so 
besetzte man sie hier mit einem Futter von gutem Stoffe. Die engen Aermel wurden mit der Zeit 
dadurch bequemer gemacht, dass man sie an Oberarm und Ellbogen trennte und die Schlitze mit 
puffig eingesetztem Weisszeuge oder farbigem Stoffe ausfüllte (48. 12. 14). Diese getrennten Aermel 
waren gerade zugeschnitten, ohne Ellbogen und einnähtig. Mit der Zeit erweiterte man die bauschigen 
EinSätlß (43-1ß.1e.2o) und überspannte sie beliebig mit bunten Schnüren, durch welche man die ge- 
trennten Aermelstücke zusammenhielt, und schmückte diese mit farbig unterlegten Schlitzen. Auch 
llotlenruth.  H, Band. 2. Aufl. 
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.