Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905314
bestand aus zwei gleichförmigen Seitenstücken, welche nach untenhin durch eingesetzte Zwickel 
passend für den Oberkörper erweitert wurden; seitlich am Halse befand sich ein Schlitz, den man ver- 
knöpfen konnte. Man beliess die Kapuze auch ohne Kragen und befestigte sie oben am Wamse (48. 1). 
Die Fussbekleidung machte augenfällige Veränderungen durch; die Mode der spitzen 
Schnabel, welche am Ausgange des 15. Jahrhunderts herrschend gewesen, schlug in ihr Gegenteil 
um. Auf die langgespitzten Schuhe folgten Schuhe mit stumpfen Spitzen, die nEntenschnäbelu, und 
auf diese noch stumpfere, welche an den Zehen mehr als handbreit waren, die vBärentatzen, Ochsen- 
oder Kuhmäuleru. Die breiten Schuhe wurden bereits im zweiten Jahrzehnt dieser Periode allgemein 
getragen; sie waren sehr niedrig; das Vorderblatt bedeckte nur die Zehen und die Kappe die Ferse, 
während der Fuss in der Mitte nahezu auf blosser Sohle stand. Das breite Vorderteil wurde durch 
Polsterung auf die Zehen passend gemacht; in der Mitte versah man den Schuh zuweilen mit einem 
Spannbügel oder mit zwei Laschen, welche man über dem Spanne verknöpfte (Fig. 17. 14. 15), oder 
auch mit Riemen, die man verknotete. Die Schuhe waren von Leder, bei vornehmen Leuten von 
Sammet oder Seide in lebhaften Farben, rot, gelb oder blau, eintönig oder in farbiger Halbteilung, 
im Oberblatte verziert mit farbig unterlegten Schlitzen. Das Schuhzeu-g der Bauern umgab geschlossen 
den ganzen Fuss (50. 22) ; geschlossene hohe Schuhe, oben mit einem Umschlage,gab es übrigens auch unter 
den reichen Ständen (50.14). Ueberdies war es Brauch, die Füsse der Beinkleider mit Sohlen und 
einem Besatze auszustatten, welcher den Schuhen ähnlich sah (49.10). Bei der Feldarbeit, auf der 
Jagd und auf Reisen bediente man sich der Stiefel; diese waren imQFusse ebenso geformt wie die 
Schuhe, gingen bis in die halben Oberschenkel und wurden auf der äusseren Seite unten vom 
Knöchel an bis über die Waden herauf zugenestelt oder verschnallt (Fig. 17. 5). Gebräuchlich waren 
ausserdem noch die ledernen Ueberhosen oder nlange Ledersena (S. 78 u. 79), welche das ganze Bein 
bedeckten und durch Bänder oben am Gürtel oder an den Beinkleidern befestigt wurden. Wie der 
Landsknecht beim Sturme seine ledernen Ueberstrümpfe losnestelte, so liess der Bauer nach Belieben 
auch seine Ledersen über die Schenkel herabfallen (48. 5). Mannigfaltig waren die Handschuhe; 
der Bauer trug sie aus Leder oder starkem Tuch, im Winter von Pelz und dann als Fausthandschuhe 
mit Däumling und häufig mit besonderen Futteralen für je zwei Finger. Die Luxushandschuhe, 
aus feinerem Leder hergestellt, gingen ein wenig über das Handgelenk herauf und waren gestickt 
sowie über den einzelnen Knöcheln der Länge nach geschlitzt und farbig unterlegt. Der Reit- oder 
Jagdhandschuh ging bis über die Mitte des Unterarmes; die Enden sämtlicher Handschuhe pflegte 
man mit kleinen Schlüpfen zu besetzen. 
 Auch Haar und Bart wurden von der veränderten Mode berührt. Um die Wende des 
15. und 16. Jahrhunderts trug man das Haar bis auf die Schultern fallend und gelockt, das Gesicht 
bartlos. Gegen 1520 aber kämmte man das Haar gleichmässig um den ganzen Kopf herab, schnitt 
es vor der Stirne von Schlafe zu Schlafe mit einem geraden Schnitte ab und ebenso hinterwärts 
von Ohr zu Ohr (Fig. 24. 4). Diese Frisur hiess man vdie KOlbCu; sie war völlig ohne Scheitel. 
Nach 1520 wurde das Haar "zuerst von den Landsknechten so kurz wie möglich geschoren (50. 2), 
später auch von den Bürgern, während die Stutzer fortführen ihr Haar zu kräuseln. Mit der Ver- 
kürzung des Haupthaares kam der B art zur Geltung. Von Anfang an konnte man nicht das rechte 
Mass für denselben finden; um das Jahr 1500 sah man den Bart in vielfachen Formen, lang und 
gestutzt, als Knebelbart, Schnurrbart und Vollbart; zuweilen liess man den Bart nur an einer 
Wange stehen, indess man die andere glatt rasierte. So wurde der Bart ein Ziel der Spötter und 
Sittenprediger. Etwa um 1520 aber hatte man sich zu einer Bartform geeinigt, die vortrefflich zu der 
geradlinig geschnittenen Kolbe passte; man stutzte den Vollbart dicht unter dem Kinn ebenfalls in 
gerader Linie, der Adel aber in etwas aufwärts gebogener (50. 4. 12). Der Kopf gewann durch diesen 
geraden Schnitt an Haar und Bart einen festen, etwas hausbackenen Charakter. Die Führer der 
Landsknechte liebten den Bart in ganzer Fülle (50. 14).  
Die weibliche Kleidung während der ersten Plälfte des 16, Jahrhunderts streifte
        

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