Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905291
Ausnahme der bäuerlichen, und selbst die der Frauen. Aus einer Mischung oder Verschrumpfung 
verschiedener Hutformen bildeten sich zwei Hauptformen heraus, welche man als Gelehrten- und 
Landsknechtbarette bezeichnen könnte. Das Barett erster Form wurde vorzugsweise von den refor- 
mierten Geistlichen, daneben auch von den Gelehrten überhaupt und selbst von dem chrsamen Bürger 
getragen; das Barett zweiter Form, von den Landsknechten am weitesten ausgebildet, wurde unter allen 
übrigen Ständen bis zum Kaiser hinauf und von den Frauen durchweg beliebt. Bei dem Geistlichen- oder 
Gelehrtenbarette war der Kopf etwa 12 cm hoch und kreisförmig im Zuschnitte; man pflegte ihn 
nach unten hin durch mehrere Ausschnitte ein wenig zu verengen, so dass es bequem auf den Schädel 
passte; in der einfachsten Form hatte dieses Barett nur ein kurzes Nackenschild, Welches mit dem 
Kopfe aus dem Ganzen geschnitten wurde (Fig. 24. 15). Sonst aber pflegte man die Krämpe beson- 
ders anzusetzen; diese wurde völlig oder nahezu gerade geschnitten und zwar aus mehreren Stücken, 
die, am Barettkopfe festgenäht, um so steiler herabhingen oder aufgeklappt werden konnten, je 
gerader ihre Schnittränder waren. Je nachdem man den Nacken oder das Gesicht gegen Sonne und 
Regen beschirmen wollte, klappte man das Hinter- oder Vorderstück herab. Nicht selten wurde 
nur das Vorderstück besonders angesetzt. Fürstliche Personen bedienten sich derartiger Barette 
mit Nackenschild und besonders angesetzten Seitenlaschen von bedeutender Grösse, welche über den 
Barettkopf geklappt und dort verknöpft wurden (F ig. 24. 3). Der geringere Bürger trug sein Barett aus 
Filz oder kurzhaarigem Pelze, der wohlhabende aus dickem braunem oder schwarzem Tuche mit 
farbigem Schnurwerk, der Geistliche und Gelehrte aus schwarzem Tuch oder Sammet und schmucklos, 
der Edelmann aus rotem Sammet und häufig mit Pelz ausgeschlagen. Unterm Volke nahm dieses Barett 
die Form einer Mütze an (Fig. 24. 12). Bei der zweiten Form des Baretts waren Kopf und Krämpe 
kreisrund geschnitten und die Krämpe stand mehr oder weniger wagrecht vom Kopfe ab. Der 
Kopf war in den ersten Jahren dieser Periode ziemlich hoch und hatte einen wulstigen ungeschlitzten 
Rand; im zweiten Jahrzehnt machte man den Kopf immer niedriger, bis er fast tellerförmig wurde. 
Während man den Kopf auch dieser Barettform an seinem unteren Rande durch Ausschnitte oder 
Fältelung nach Bedarf verengte, unterwarf man die Krämpe einem schier grenzenlosen Wechsel. 
Die Krämpe bestand gewöhnlich aus doppeltem Zeug oder war mit dickem Futter ausgesteift, dabei von 
verschiedener Breite; man schlitzte sie vom äusseren Rande her in zwei Teile (Fig. 24. 1) oder auch 
in mehrere Teile (Fig. 24. 2), häufig dergestalt, dass die Seitenränder der einzelnen Teile übereinander 
fielen (49. s_1o), oder man schlug die Laschen in die Höhe und nähte sie am unteren Rande des 
Barettkopfes fest, so dass sie denselben mit einem Kranze von gesteiften Bügeln umgaben (47. 1a. 19. 
49. e. 16. 50. e. 1a). Aehnlich beschaffen war die Krämpe am Barette des kaiserlichen Heroldes (50. 1a), 
nur schmäler und rundum dicht geschlitzt, der Kopf aber flach wie ein Teller. Man pflegte in den 
aufgestülpten Laschen der Krämpe, falls sie breit waren, wiederum die Zierde der Schlitze anzu- 
bringen (48. 1a. Fig. 24. 10. 11), zwischen welchen man das farbige Unterfutter hervorblicken liess. 
Mitunter schnitt man schmale Zwickel aus der Krämpe heraus und stellte die Laschen um den hut- 
förmigen Kopf steif in die Höhe (47. 1. 48. 14), befestigte sie auch wohl untereinander durch schmale 
Bänder, welche man verknotete (49. 4) und durchzog selbst 'die am Barettkopfe festgenähten Laschen 
mit solchen Bändern, deren Enden man verschleifte (49. 11;. Fig. 24. 4). Zuweilen verzierte man die 
breiteren Laschen der aufgestülpten Krämpe dadurch, dass man Einschnitte in dieselben machte, 
je zwei in eine Lasche, und diese mit farbigem Stoffe durchzog, so dass der Zeugstreif auf jeder 
Lasche eine Puffe bildete (Fig. 24. 5); oder man überspannte die nur wenig geschlitzte aufgeschlagene 
Krämpe der Quere nach mit Streifen von verschiedener Breite (47. 1-1. Fig. 24- 1)- FEST immer bildete 
ein wallender Busch von Straussfedern den Schmuck dieser Barette. Man pflegte das Barett, dem 
freien, kriegerischen Zuge der Zeit entsprechend, schief auf das Ohr zu setzen, häufig S0, dass es den 
Kopf, von der Seite gesehen, wie ein Nimbus umgab (Fig. 24. 10) und. befestigte es mit doPpelten 
Schnüren, welche man durch die Krämpe steckte und über derselben verknotete oder über den 
Barettkopf hinweglaufen liess.  Je höher der Stand, desto niedriger war der Kopf des Barettes,
        

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