Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905261
oder mehrfarbigen Streifen ohne weitere Schlitzung her (47. A), und bauschte sie bis zum Uebermasse 
auf. Die Landsknechte, welchen der starken Bewegung halber grössere Ueberröcke unbequem waren, 
fütterten ihr Wams gegen Kälte und Nässe und legten ein zweites Wams darüber, welches durchweg 
von Leder oder Filz war, aber statt der Aermel nur Achseldecken hatte (47. 19. 49. 11. 1a. 50. 2. s). 
Das Ueberwams war im Rücken aus dem Ganzen oder auch aus zwei Teilen zugeschnitten (Fig. 23. u), 
auf der Brust aber stets aus zwei Teilen, welche man vorn, seltener an der Seite verschloss. Waren beide 
Vorderstücke gleichbreit, so schnitt man ihren Brustsaum derart in die Schräge (Fig. 23.15), dass 
Sie von der Magengrube an abwärts übereinander fielen; dieses Wams wurde nur durch den Schwert- 
gurt zusammengehalten. Auch bürgerliche Leute trugen das ärmellose Wams, gewöhnlich aber vorn 
herab vernestelt und das Halsloch mit einer Kapuze ausgefüllt (47.11). Nicht selten verlängerte 
man beide Vorderblätter bis auf die Kniee herab (Fig. 28. 16), so dass beim Uebereinanderschlagen 
die rechte Schenkeldecke über den linken und die linke über den rechten Schenkel zu liegen kam 
(47. 9). Die Armlöcher waren gross und die Achselstücke sowie der untere Saum am Knie und der 
Saum auf der Brust geschlitzt; an den Achseldecken war das Futter schmäler, an den Schenkeldecken 
aber kürzer, so dass, wenn man das Ober- und Unterzeug an den Säumen sowie oberhalb der 
Schlitze zusammennähte, sich die Schlitze öffnen und die Streifen bügelartig in die Höhe stellen 
mussten. Der geschlitzte Brustsaum wurde oben und um den Hals herum nach aussen, unten aber 
nach innen umgeschlagen und festgenäht. Sonst pflegte man auch noch auf den Schenkeldecken 
einzelne Schlitze nach bestimmten Mustern anzubringen. 
Indem man dem Wams einen Schoss ansetzte, veränderte man es zu einem Rocke, den 
man zum Unterschiede von dem eigentlichen oder nkurzen Wamse Schosswams zu nennen pflegte. 
Der Schoss war sehr weit; er reichte anfangs bis unter das Knie (50. s) und war geschlossen; seit dem 
Jahre 1520 aber nahm er beständig ab (47.19, reichte in den vierziger Jahren nur noch bis zur 
Mitte der Oberschenkel und war von der Taille an geöffnet (50. 14). Der Schoss glich im Zuschnitt 
einem Ringe, dessen Breite der Länge des Schosses entsprach; der Ring wurde rundum in dichte, 
gleichbreite Längsfalten geschoben und mit seinem inneren oder oberen Saume an das Wams fest- 
genäht, entweder überwendlich oder auf dessen innerer Seite. An den Schosswämsen der kaiser- 
lichen Trabanten (50. 7) waren die kurzen Aermel auf ähnliche Weise zugeschnitten und angesetzt wie 
der Schoss; sonst aber glich das gewöhnliche Schosswams im Leibe wie in den Aermeln völlig dem 
kurzen Wamse; es wurde, wie dieses, bald seitwärts an der Schulter, bald mitten auf der Brust 
mit Nesteln oder Knöpfen geschlossen oder oben und unten durch einen Haken. Das Halsloch 
beliess man kragenlos oder besetzte es mit einem Stehkragen, der gleichfalls geschlitzt und gepufft. 
Häufig machte man das Schosswams in den Achseln so breit, dass das Armloch oben von der Mitte 
des Schultergelenkes nach dessen unterem Rande herabgerückt wurde (47. 1). Dies Gewandstück hatte 
nur kurze und weite Aermel, wenn man es über dem kurzen Wamse tragen wollte (50. m), ebenso 
hatte auch das kurze Wams nur Achseldecken, wenn es über den längeren zu liegen kam (47. 11. 
50. e). Das Schosswams war damals ein sehr beliebtes Kleidungsstück und wurde selbst als Waffen- 
rock zumal von höheren Offizieren getragen; diese legten die sogenannte halbe Rüstung darüber, 
d. h. den Brustpanzer und den völligen Armpanzer oder nur die Ellbogenkacheln, welche sie zwischen 
die Puffen der Aermel einschoben (49.11. 1a). Die Vorliebe für bunte Farben machte sich gerade 
an diesem Rocke im äussersten Masse geltend (47. 13). 
Die Wamse und Röcke der tagwerkenden Leute unterschieden sich bezüglich des 
Schnittes von denen der vornehmen nur durch einen geringeren Aufwand an Falten, Schlitzen 
und Puifen. Das Wams hatte gewöhnlich einen sehr kurzen Schoss (48. i) und war im Kreuze faltig 
zusammengeschoben, sonst aber glatt. Wams und Rock führten häufig eine Kapuze (48. 1) und wurden 
gewöhnlich.mitten auf der Brust, seltener an der Seite. geschlossen (48. 2). Die Armlöcher waren 
gross und die Aermel bequem. Die Bauern trugen den längeren Rock mit dicht in Falten gereihtem 
Schosse und weiten oder nur am Oberarme aufgebauschten Aermeln, seitwärts am Halse geschlossen
        

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