Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905253
Futter, um sich vor der Witterung zu schützen und dem Anstande zu genügen; nur die Landsknechte 
liessen häufig aus Not oder Uebermut die Schlitze offen" und den nackten Körper hindurchblicken. 
Ebenso schlitzte man die engen Oberschenkelhosen (47. 14. 19), doch war hier eine Fütterung der 
Schlitze wegen der Unterhosen weniger nötig. In den zwanziger Jahren liess man die Oberhosen bis 
an das Knie herabsteigen und versah sie der Länge und Quere nach mit vielfachen Schlitzen, der- 
gestalt, dass sie nur noch aus Borten und Bändern zu bestehen schienen, und fütterte sie bauschig mit 
farbigem leichtem Seidenstoffe, der nKarteka oder auch nach der Stadt Arras vRaschu genannt 
wurde (54. 4); an den Knieen verschnürte man sie mit einem Bande, das man auf der Aussenseite des 
Beines in Schleifen verknotete. Damals kam auch die Mode auf, die Hosen in Kniehosen und 
Strümpfe zu teilen, jeden Teil als selbständiges Gewandstück herzustellen und beide Teile dicht unter 
dem Knie mit einem Bande zusammenzuschliessen. Die Landsknechte pflegten gamaschenartige Leder- 
strümpfe, die vielleicht als die letzten Ausläufer der kurzen Lederhosen zu betrachten sind (S. 78 
u. 79), über die Unterschenkel zu ziehen; von diesen gingen die Strümpfe in das Volk über, das sie 
bald auch aus Zeug und häung von gleicher Farbe wie das Beinkleid beliebte (47. 1a. 1a. 11). Den Oberen 
Teil der Strümpfe, den man über das Knie heraufsteigen liess, pflegte man senkrecht zu Schlitzen 
(47. 14. 18), auch nach aussenhin umzuschlagen und mit dem oberen Rande unter dem Kniee festzu- 
binden, so dass dieses mit einem Kranze von Schleifen umgeben erschien (47. a. 1o. 19. 49. s_1o. 50. 2). 
Doch behielt man damals auch noch die langen Hosen bei; man machte sie an den Unterschenkeln 
strumpfartig anliegend, vom oberen Knierande an aber bedeutend weiter und auch länger als der 
Körper es erforderte, und versah sie mit Schlitzen und Puffen (49. 11. 1a). Der Schamkapsel beliess 
man die alte Beutelform; um das Jahr 1520 fing man an die Kapsel zu wattieren, eine Mode, die 
namentlich durch den Uebermut der Landsknechte in's Bestialische übertrieben wurde (54. 2). 
Auch das Wams behielt, wie die Hosen, noch im Beginne des I6. Jahrhunderts seine gewohnte 
Enge. Man setzte das Wams aus Brust- und Rückenteil zusammen, die man an den Seiten herab 
verband. Um freier atmen zu können, schnitt man vorn und hinten ein grosses Stück aus dem 
Wamse heraus (47. 16) und oft soviel," dass der Rest nur gerade noch hinreichte, um die Aermel zu- 
sammenzuhalten. Das Wams umschloss den Körper bis auf die Hüften und wurde hier mit den Bein- 
kleidern vernestelt. Die Ausschnitte, welche spitz nach untenhin verliefen, erhielten schon im ersten 
Jahrzehnt dieser Periode eine viereckige Gestalt  Der Saum des Ausschnittes umlief die 
Schultern in geraden Linien und rückte mit der Zeit immer höher an den Hals hinauf (47. 4. 1o. 11_19), 
während man die alte Spitzform des Ausschnittes nur noch durch einen Schnurbesatz anzudeuten 
pflegte. Der Ausschnitt wurde durch eine "Unterweste oder ein Kragentuch oder durch das Hemd 
ausgefüllt; diese Kostümstücke waren von feinem Stoffe, oben zierlich eingefasst und gestickt oder 
auch zu kleinen Krausen gefaltelt, die den Halsdicht umschlossen (47. 2. 1o. 1a. 1:1. 1a. 1o. 50. s. 4. n). 
Um 1530 hatte alle Halsentblössung männlicherseits aufgehört. Mit dem kleiner werdenden Halsloche 
veränderte sich der Schnitt des Wamses; man versah das Rückenteil in der Mitte mit einer Naht 
und stellte auch das Brustteil aus zwei Stücken her, von welchen das eine die ganze Brust bedeckte, 
das andere aber so schmal war, dass beide Teile an der Seite vernestelt oder verknöpft werden 
konnten (47.11). Doch kam es auch vor, dass man beide Bruststücke gleich breit machte, und sie 
mitten auf der Brust nach Belieben vernestelte oder offen liess (50. s). Den Aermeln pflegte man eine 
grosse Weite zu geben und nur am Handgelenk eine anschliessende Enge; man liess nämlich das etwa 
rechteckige Zeugstück sich gegen die Hand hin rasch und von beiden Seiten gleichmässig zu einem 
kragenartigen Fortsatze verschmälern oder verminderte hier seine Breite durch Fältelung oder schnitt 
einige Zwickel heraus. Um die Aermel aufzubauschen steifte man dieselben durch Watte oder starkes 
Futter; waren sie aber geschlitzt, so machte man sie länger als den Arm und schob sie zusammen. 
Das Wams wurde von Anfang an gar nicht oder nur massig und zwarfan den Achseln und Ellbogen 
geschlitzt (47. 1a); als die Aermel aber breiter wurden, verschnitt man diese nach voller Willkür so- 
wohl der Quere als der Länge und Schräge nach (47.  man stellte sie auch aus ein-
        

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