Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905246
das Gewandstück auf die passende Länge zusammenschob, zwang man die Schlitze sich zu öffnen 
(Fig. 23. 1). Die Aermel Wurden gewöhnlich an der Achsel, im Oberarm und am Ellbogen geschlitzt; 
doch kam es auch vor, dass man die Aermel und ebenso die Oberhosen von oben bis unten hin 
in gleich breite Streifen zerlegte, die Streifen der Quere nach in verschiedenen Abständen mit Schnüren 
unterband und das Kostümstück sodann zusammenschob (47. 4. 10- 54. c. Fig. 23. 2.  so behandelt 
traten die Streifen als geschlitzte Bauschen stufenweis übereinander hervor. An den Oberhosen 
wurden die Bauschen durch das eingenähte Futter festgehalten (Fig. 28. o), welches man schmäler und 
kürzer Zuschnitt, als die Hosen selbst; die Querschnüre wurden ebenfalls am Futter befestigt. Eine 
Bauschungkonnte auch in der Weise erzielt werden, dass man den Aermeln oder Hosen einen 
Ueberschuss an Länge gab, sie der Breite nach reihenweis mit kleinen Schlitzen versah (Fig. 23. s) 
und quer unter diese Schlitze ausgestopfte Wülste mit andersfarbigem Ueberzuge legte (Fig. 23. 4), 
welche man durch Zusammennähen des Futters mit dem Oberzeuge befestigte; das Futter musste 
passend auf den Körper zugeschnitten sein; die Mode gestattete auf diese Weise die ganze Jacke 
zu zerschlitzen. Man ging noch weiter und zerteiltedas Kostümstück völlig durch Schlitze von grösserer 
Länge der Breite und Schräge nach und legte ein weiteres Gewand von anderer Farbe unter das 
geschlitzte, so dass das Futterkleid in Puffen zwischen den Schlitzen hervortrat. Ueberdies trennte 
man die Streifen wiederum schräg oder quer mit kleineren Schlitzen oder schlug eine Reihe von Oeff- 
nungen mit einem eigens dafür gemachten Locheisen in dieselben (49. s. u). Nicht selten fütterte 
man die Reihen der kleineren Löcher  mit einem Stoffe, der anders gefärbt war, als das Futter der 
Hauptschlitze (49. 11). Es wurde Mode, grössere Oeffnungen nach bestimmten Mustern in die Kleider 
zu schneiden und diese mit farbigem Stoffe glatt oder faltig zu unterlegen (47. 9). Vorzugsweise die 
Oberhosen versah man mit einer eigenen Art von Puffung (Fig. 23. s); man zerlegte sie nämlich mit 
langen Schnitten in mehrere Streifen, deren jeder etwa eine Spanne breit war, bog die beiden Kanten 
eines jeden Streifens nach innen, nähte sie zusammen und stopfte den so entstandenen Schlauch mit 
einem an beiden Enden abgeplatteten WVulste aus, den man festnähte; falls man den Schlauch eben- 
fallszerschlitzt hatte (Fig. 23.1), versah man den Wulst mit einem farbigen Ueberzuge. Namentlich 
an kleineren Flächen, wie an Achselwülsten oder Baretten, doch auch an grösseren, wie an Rock- 
schössen, stellte man eine eigenartige Puffung dadurch her, "dass man den Stoff mit einer Reihe kurzer 
Schlitze versah und einen breiten, farbigen, in Längsfalten zusammengeschobenen Zeugstreifen quer 
durch die Schlitze steckte (Fig. 23. ß. Fig. 24. 5), dergestalt, dass der geschlitzte Stoff abwechselnd 
zwischen zwei Schnitten bald über bald unter den eingeschobenen Streifen zu liegen kam. Bei 
grösseren Flächen brachte man die Schlitze nach bestimmten Mustern an, so dass die hindurch- 
gesteckten Bandstreifen sich als Netze, Kreuze, Sterne u. s. w. zusammenordneten (Fig. 23. 10); man 
benützte nicht selten Streifen _von verschiedenen Farben und liess z. B. grüne sich mit roten kreuzen 
oder weisse mit blauen." Doch wurden die gefalteten Bandstreifen" nicht immer durch Schlitze ge- 
zogen; man setzte sie auch auf den glatten ungeschlitzten Stoff und befestigte sie mit Schlingen, 
Borten oder Knöpfen (69. 21). Nicht "selten brachte man mehrere Arten von Schlitzen und Puffen 
zugleich "auf demselben Gewande an '(Fig. 23. s). 
Die männliche Tracht während der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Die 
Beinbekleidung, welche durch die Schlitzungen so mannigfach gestaltet erscheint, verblieb in ihrer 
Grundform nahezu ganz so, wie sie im 15, Jahrhundert gewesen (siehe S. 85 u. 88 sowie Fig. 20. 19); 
Sie bedeckte zugleich die Füssey enge und unzerschlitzt wurde sie unter den höheren Ständen wie 
unter den Bauern auch dann noch getragen (48.1_3. 49. 1.43), als die breite Masse des Bürger- und 
Soldatentums bereits seit Jahrzehnten nur geschlitzte Hosen beliebte. Man beseitigte die Spannung 
zuerst an den Knieen; hier schlitzte man die Hosen und schnitt wohl auch beide Kniestücke heraus, ja 
die Landsknechte schnitten nicht. selten die Hosen über einem Kniee völlig hinweg und schritten so 
mit einem nackten und einem bedeckten Beine daher (47. 20). Hierauf begann man die Hosen auch an 
den Hüften und längs der Schenkel zu Schlitzen (47. 15. 17); die Schlitze verschloss man mit farbigem 
Holtenroth, 'l'rnchten. n. Band. 2.11.1111. 14
        

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