Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905210
höher; als kennzeichnenden Ornatstückes aber eines breiten Schultcrkragens von Hermelin. Am Ende 
des Jahrhunderts wurde der kurfürstliche Tappert an der Seite nur mit Armschlitzen versehen (50. 12), 
die Mütze etwas erhöht und mit einem Hermelinbesatze ausgestattet, welcher so breit war, dass die 
rote Mütze nur wenig darüber hervorblickte. Die Abzeichen der Erzämter: des Marschalls oder 
Seneschalls, des Kämmerers, des Truchsess und des Schenken, waren noch unsicher und scheinen 
einesteils in den Sinnbildern ihres Amtes: einer Schüssel, eines Bechers u. s. w„ eingestickt oder in 
Wirklichkeit, bestanden zu haben, andernteils in Halsketten, Sternen und Kreuzen. Sonst verlangten 
diese Aemter noch ein bis zu den Füssen gehendes faltenreiches Obergewand (vergl. 40. 12. 50. 12) 
völlig geschlossen, später vornherab offen, gewöhnlich mit langen, weiten Aermeln, dazu den alther- 
kömmlichen Rückenmantel von halbkreisförmigem Zuschnitte. Der Herrsch ero rnat wurde bereits 
in allen seinen Teilen mehrfach berührt (S. 24-28, S. 74, 75, S. 82); diese Teile hatten sich im 
Verlaufe der Zeit zusammengefunden und machten vielleicht schon seit dem Tode Siegismunds 
den stehenden Ornat der deutschen Kaiser aus (14.  50. 19). Die Luxemburgischen Nachfolger 
Ludwigs des Baiern: Karl IV. (38.19), Wenzel und Siegismund, begegnen uns auf den Siegeln und 
in den Buchmalereien mit Kronen, deren Mütze entweder kugelig oder spitzzulaufend von zwci sich 
kreuzenden Bügeln hoch überwölbt ist, mit einem Kreuze im Schnittpunkte. Für den übrigen hohen 
Adel: die Herzoge, Markgrafen und Grafen, scheint es keine bestimmten Insignien gegeben 
zu haben, falls nicht der Hut mit Zinkenkrone (vergl. 30.12. und Fig. 16. 11) als herzogliches und 
die in der Mitte eingesenkte Rundkappe (vergl. 37. e) mit einer von der Stirne nach hinten laufenden 
Goldborte als gräfliches und markgräfliches Abzeichen zu betrachten sind; diese Kopfbedeckungen 
verschwanden gegen Ende des 15. Jahrhunderts. Es war den Grafen und Freiherren sowie deren 
Frauen und Töchtern nicht gestattet, Kleider von Goldstoff und Purpur zu tragen oder Hermelin 
und schwarzes Pelzwerk. 
Die kriegerische Rüstung machte während des 15. Jahrhunderts wesentliche Ver- 
änderungen durch. Die Versuche, die Kettenrüstung an bestimmten Stellen durch Platten von 
Leder oder Eisen zu verstärken, hatten der Ritterschaft des 14. und der ersten Hälfte des 15._Iahr- 
hunderts eine sehr mannigfaltige und abweichende Erscheinung gegeben; erst in der zweiten Hälfte 
des 15. Jahrhunderts vollzog sich ein Ausgleich und wurden die vollständigen Plattenrüstungen all- 
gemein. Die Bekleidung der einzelnen Glieder mit Eisenplatten wurde namentlich durch das Pulver 
herbeigeführt; man fügte, um sich vor der durchschlagenden Kraft der Pulvergesehosse zu sichern, 
die Eisenteile aneinander in der Art, dass sie den Mann vom Kopfe bis zur Fussspitze lückenlos 
wie ein Futteral einschlossen. Der Helm änderte seine Form; neben dem Bassinet (43.12. 14) 
ohne oder mit beweglichem Visier (38. 23) kam ein halbkugelförmiges Becken auf, die nSchaleu 
oder der nSchalleru (auch Salade); dieser Helm (43. 20. 22. 23) ging rückwärts in einen Nackenschirm 
über, welcher sich mit der Zeit spitzzulaufend verlängerte; vorn hatte er einen Schlitz für die 
Augen, später auch ein bewegliches Visier. Im Kampfe wurde die "Schale bis auf die Nasenspitze 
herabgestülpt, beim gewöhnlichen Tragen aber soweit in di_e Höhe geschoben, dass die Augen frei 
blieben. Den unteren Teil des Gesichtes und den Hals schützte man durch die nBarthaubeu (Schem- 
bart), die auf die Eisenplatte der Brust festgeschraubt oder mittels Federzapfen angesteckt wurde. 
Die Schale samt der Barthaube erwiesen sich für den Ritter nicht gerade als ein sicherer Schutz, 
denn zwischen ihnen fand die Lanze immer eine Stelle, wo sie eindringen konnte. In der zweiten 
Hälfte des Jahrhunderts behielt sie deshalb der Ritter fast nur noch bei dem Turniere und über- 
liess sie dem Fussgänger, den sie besser schützten, weil die Hiebe des Reiters von oben kamen. Der 
Ritter verband das Bassinet mit beweglichem Visiere mit der Barthaube, so dass es Kopf und 
Hals gleichmässig bedeckte; so entstand der vollkommenste Helm des Mittelalters, der Visier- 
helm, auch Helmlin oder kleiner Helm genannt. Die Glocke oder der obere Teil war gewölbt, das 
Visier mit der Nasenberge und dem Helmfenster war beweglich; der Helm wurde über die Halsringe 
gestülpt und gestattete dem Kopfe sich zu wenden, was bei dem Visierbassinet nicht möglich war.
        

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