Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905192
zum-Teile das Wort ersetzen. Die Gugel wurde von den Frauen gleichfalls mit der Gesichtsöffnung 
über den Kopf gezogen (42. a6) oder mit dem gezackten Kragen hahnenkammartig über den Kopf 
gelegt, mit dem bandartigen Schweife, falls man denselben nicht frei herabfallen liess, um die 
Schultern oder den Hals gelegt (42.15). Der aus Binden zusammengedrehten Reife (42. 4) haben 
wir oben gedacht (S. S13), sowie des ltegeligen Hennin oder der burgtindischen Haube (40. 20). Der Kopf- 
bund war entweder ein WVulst, dick, ausgestopft (42. 23) und mit einer Sendelbinde umwickelt, die 
man zugleich als Kinnband um die Wangen laufen liess, oder er war eine Haube in gedrückter 
Kürbisform (42. s. so), glatt oder dicht gefältelt, seitlich und hinten mit einem Tuch verdeckt, das 
rechts und links unterfasst war und hinten frei herabhing. Es gab auch dergleichen Haubenturbane 
in überhöhter Kürbisform (42. 9), die gewöhnlich von weisser Farbe und netzartig mit Goldfaden 
gestickt, doch auch aus farbigem Sammet hergestellt waren; ähnliche Kürbishauben begegnen uns 
noch in den Abbildungen des nächsten Jahrhunderts (48. a. 21). Zuweilen wurden solche kugelige 
Kopfpütze in der Seheitellinie eingedrückt, so dass sie sich in zwei seitliche Halbkugeln oder 
stumpfe Giebel teilten (42. 21). Es gab kappenförmige Hauben, deren Rand rings um das Gesicht 
herum zurückgeschlagen und völlig in Zaddeln zerschlitzt war (42. 2). Gegen Ende des Jahrhunderts 
kam eine Haube auf, welche sich am Hinterkopfe einem querstehenden Kamme ähnlich erhob (48. 17); 
dieselbe wurde meist aus Seidenzeug gefertigt, ihre Form durch Wattierung und Draht gebildet und 
hinten mehr oder minder halbkugelig (40. 13) oder kürbisartig ausgeweitet (48. 10); doch beliess man 
dergleichen Hauben auch ohne NVattierung (42. Die Kopftücher legte man in einfacher Weise 
um (42. 22. 25. 32), oder formte sie, gesteift und vielfach gebrochen, über Drahtgestellen zu grossen 
Hauben um (48. 9), welche man zugleich mit dem Kinntuche anlegte. Es fehlt an Raum, hier auf 
alle hut- und mützenförmigen Kopftrachten näher einzugehen; erwähnt sei nur noch eines unter den 
vornehmen Damen sehr beliebten hohen Hutes, welcher keine Krempe hatte, sich nach oben hin 
weitausladend verbreiterte (42.14) und ganz mit weissen Federn oder lichtem Pelzwerke, sowie 
obenher mit Zacken aus freistehenden Goldfäden besetzt war. Der Schleier, welchen man damals 
nFlinderu nannte, wurde in vielfacher Anlage verwendet. Die Fussbekleidung war der männlichen 
ähnlich, auch was Schnabel und Unterschuhe anbetrifft (siehe S. 92). Als die langen Schnabel ausser 
Mode kamen, gingen die Frauen nicht zu den sogenannten Kuhmäulern über, sondern verblieben 
bei Schuhen mit kurzer Spitze. Handschuhe von Leder oder Seide mit Stickereien und Pelz- 
besatz waren ein unerlässliches Kostümstück unter den begüterten Ständen, ebenso zierliche Gürtel- 
täschchen, die man mit Schlüsselbund, Nähbesteck und Rosenkranz an einem mit 
Silber beschlagenen Riemen oder an einem Kettchen an der Seite herabhängen liess. 
Die kostümliche Unterscheidung der einzelnen Stände im 15. Jahrhundert hatte 
eine gewisse Regelung erfahren, Welche sich allerdings weniger auf die Tracht selbst als auf die 
Ausstattung derselben und die mancherlei Zuthaten beschränkte. Die Juden standen noch immer 
unter dem Zwange der gelben Hüte; sie durften sich wohl der Schauben, Mäntel, Schnabelschuhe 
und Sendelbindcn wie die Christen bedienen, aber nicht des Zaddel- und Schellensehmtlckes (40. 54). 
Unter den Handwerkern war die Schürze zunftgemäss geworden und machte durch ihren Stoff 
und Schnitt das Geschäft kenntlich, das ein jeder trieb (51.21). Die Landleute folgten der Mode, aber 
ihrem konservativen Sinne gemäss nicht den raschen Formwandlungen derselben. Die Bauern 
bedienten sich der engen Hosen (Fig. 21. 2. 4. u. v) und des bequemen WamSeS mit den an dCn AChäeln 
weit geschnittenen Aermeln (Fig. 21. 4), auch der Schecke, doch machten sie bei dieser von der 
modischen Schlitzung reichlich Gebrauch (Fig. 21. 2. e). Bei der Arbeit trugen sie entweder das 
Wams (Fig. 22. 4. s. 7) oder einen Kittel (Fig. 22. n), Wams und Kittel gegürtet, dazu noch die 
Gugel (Fig. 22. 6) oder einen Hut mit Krempe, sowie den turbanförmigen Hut (Fig. 22. 4), dessen 
umgewickelte Binden mit ihren Enden in den Nacken fielen; überhaupt suchten sie, um dem Sonnen- 
stiche zu wehren, ihren Nacken soviel als möglich zu bedecken. An Sonn- und Festtagen hängten 
sie noch einen kleinen Mantel über die Schultern (Fig. 21. 2. ü). Auch die Bauernfraucn ldCidCtCn
        

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