Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905164
verschieden; ehrbare Frauen liessen das Kleid bis dicht an den Hals hinaufgehen (40. 13) oder öffneten 
es ein wenig über die Halsgrube herab mit einem spitzen Ausschnitte, den sie mit einem kleinen 
Ueberschlagekragen versahen (40. 20). Modesüchtige Frauen machten den Halsausschnitt so weit, 
dass das Kleid die Schultern nahezu unbedeckt liess (40.16). Das Oberkleid schloss sich nicht 
immer gleich dem Unterkleide bis auf die Hüften herab fest um den Körper, sondern erweiterte 
sich hauf1g schon vom unteren Rande der Brust an (40. 1B); der Gürtel, wenn man denselben über- 
haupt trug, wurde in diesem Falle dicht unter die Brust hinaufgerückt (40. 20). Die Aermel des 
Oberkleides waren mannigfaltig; es gab enge Aermel, welche bis an die Handwurzel reichten oder 
auch noch weiter, so dass sie umgestülpt werden mussten (40.20. 57.13. 20). Man formte die 
Aermel bald als sehr lange Hangearmel, bald als Sackärmel (40. 111. 2a), desgleichen als Flügelärmel, 
deren Ränder gezaddelt wurden (40. 1a. 22); in die Naht der Sackärmel fügte man häufig einen 
gezaddelten Streifen ein (40. 23). Der Mantel wurde fast nur noch von den gediegenen Frauen der 
oberen Stände getragen; er zeigte noch den alten halbkreisförmigen Schnitt, aber eine schleppende 
Länge (40. 19); sein Verschluss geschah mit einer Agraffe unter der Halsgrube. Der Mantel kam 
auch mit einem kleinen Ueberschlagekragen vor (40. 2a) und wurde in dieser Ausstattung durch ein über 
die Brust laufendes Band auf den Schultern festgehalten. Als Zeremonienkleid hatte der Mantel die 
Form eines Kreisausschnittes. Auch den Tappert benutzten die Frauen, namentlich den kürzeren, 
welcher an den Seiten geöffnet war (40. 23), und versahen denselben mit einem breiten Stehkragen 
oder einer Kapuze. Daneben kam ein langer Mantel auf, welcher in einem grossen Kreisbogen 
zugeschnitten und in zahlreiche Längsfalten zusammengeschoben wurde (40. 17); vorzugsweise ver- 
heiratete Frauen beliebten diesen Mantel beim Kirchengange als Schutzkleid. Von einer Teilung der 
Kleider in verschiedene Farben, dem Mi-parti, standen die Frauen fast durchweg ab und die adeligen 
begnügten sich mit der Andeutung ihrer Wappenfarben; ebenso machten sie von den Schellen 
nur mässigen Gebrauch; sie trugen dieselben am Gürtel oder an einem eigenen Bandeliere um den 
Hals (42.4.14.15). Mädchen und Frauen verflochten jetzt das Haar in Zöpfe und legten dieselben 
rechts und links um die Schlafe, so dass sie die Schultern berührten (42. 27_29), oder sie ordneten 
das Haar ungeflochten in zwei Teile, welche sie mit Schnüren umwickelten und aufbanden (42. a3); 
auch ballten sie jeden Teil über einem Ohre und hielten das Haar mit einem Netze von Golddraht 
oder in einem Sacke zusammen, den sie mit Flitter behängten (42. s). Sehr gebräuchlich war ein 
mit Perlen und Steinen gezierter Wulst; dieser wurde über die aufgesteckten Zöpfe gelegt, so dass 
er mit seinen zwei in die Höhe gebogenen Enden über der Stirne zusammensticss (40. 22. 42. 21419), 
und mit einem Tuche umschlungen, welches man um das Kinn laufen und hinten mit seinen beiden 
Enden herabfallen liess. Auf dieselbe Weise festgehalten wurde ein Hut, der einen aus Binden 
zusammengedrehten NVulst zur Krempe hatte (40. 21); ähnliche Hüte in einfacher Form ohne jene 
Umwickelung waren allgemein (40.13); daneben stand noch der Kruseler mit seinem dicken Rand- 
wulste aus gekrausten Streifen in Ehren (40.11.19) samt dem rechteckigen Tuche, welches 
doppelt gebrochen, in der Bruchfalte gerollt und dachförmig über den Kruseler gelegt wurde (37. 1). 
Am Niederrheine, wo der französische Einfluss sich geltend machte, fand der vHenninu unter dem 
Namen nburgundische Haubeu Aufnahme, eine hohe, kegelförmige, zuweilen abgestumpfte Mütze, 
welche auf einen Kopfputz aus mehreren übereinandergelegten Tüchern gesetzt und mit einem nach 
rückwärts fallenden Schleier ausgestattet wurde (40. 20). Die Jugend verzierte das Haar noch wie 
Sonst mit Goldreifen oder künstlichen Kranzen (Schapeln), sowie mit Wülsten von zusammen- 
gedrehten Bandstreifen, die auf der Stirnseite mit einer Agraffe und einem Federbusche besetzt 
"Varen (42 Ü- Die Fussbekleidung bestand gleich der männlichen in mehr oder minder tief aus- 
geschnittenen und geschnäbelten Knöchelschuhen, zu welchen noch die hölzernen Unterschuhe kamen. 
Die weibliche Kleidung in der zweiten Hälfte des 15. jahrhunderts machte 
ein Chaos von Formwandlungen durch, ohne indes ihre Grundgestalt zu ändern und den festen 
Anschluss oben sowie die übermässige Weite und Ijänge nach untenhin aufzugeben. Das Unter- 
Hottenroth, Trachten. II. Band. 2. Aufl. 
        

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