Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1905155
Stoffen und selbst in Pelz getragen, desgleichen die Mütze, unter der lebensfrohen Jugend auch der 
Kopfreif mit seiner bunten Umwickelung und seinem Federnschmucke (41. s). Die Sendelbinde mit 
ihren Zaddeln wurde oft mehrfach und bis zu zwölf Stück aufeinander gelegt und um den Hutkopf 
geschlungen (41. 1a); ihr Gebrauch währte bis in das folgende Jahrhundert hinein; noch Kaiser 
Max trug in seinen hohen Jahren die Sendelbinde. Dagegen verschwand der unförmlichc Hut, 
welcher den dicken Wulst zur Krempe und die Stoffmasse der Gugel zum Kopfe hatte.  Mit der 
weibischen Entblössung des Halses kam das lange Haar wieder in Mode; man liess es gekräuselt 
und gelockt über Schultern und Nacken lrerabfallen; so trug Dürer sein Haar und so trugen ihr 
Haar selbst ergraute Männer. Man nahm zu falschem Haare seine Zuflucht, wenn das natürliche 
fehlte. Auch der Bart wurde wieder mit geringen Ausnahmen gänzlich hinwegrasiert. Kaiser Max 
trug keinen Bart, ebensowenig sein Vater Friedrich III. in vorgerückten Jahren, obgleich derselbe 
in seinen jüngeren Jahren den Bart für einen Schmuck gehalten hatte. Die Fussbekleidung 
änderte sich erst gegen Schluss des Jahrhunderts; allgemein waren die spitzen Knöchelschuhe, die 
an ihrem oberen Saume kragenartig umgeschlagen das andersfarbige Futter blicken liessen, ebenso 
die an den Knöcheln ausgeschnittenen Schuhe (43. 4) und die kurzen wie langen Ledersen (43. 2. 48. s). 
Die Mode der langgeschnabelten Schuhe und Unterschuhe erhielt sich in aller Ueppigkeit bis gegen 
1480, war aber auch im Anfange des folgenden Jahrhunderts noch anzutreffen; man stellte die 
Schnabelschuhe farbig und selbst wie die Beinkleider farbig geteilt her, aus feinem Leder, aus Sammet, 
Seide und Goldstoff, gestickt und mit Perlen, an der Schnabelspitze sogar mit einer Schelle besetzt 
(Fig. 17. s). Im Notfalle heftete man die lange Spitze mit einem Kettchen an den vorderen Spatel 
des Schuhes, welcher in der Fussbeuge sass, oder weiter oben an das Strumpfband (Fig. 17. 4). Als 
die Schnabelspitzen samt den Unterschuhen verschwanden, schlug die Form des Schuhes in das 
Gegenteil um; man machte die Schuhe vorn an den Zehen wieder rund und verbreiterte seit 1492 
die Rundung immer mehr (47. 1__2o. Fig. 17. 1.1. 15), bis man auch hier das rechte Mass verloren 
hatte; Schuhe in dieser stumpfen Form nannte man vKuhmäuleru oder nEntenschnäbelu. Damals 
Eng man auch an, die Sohlen mit Absätzen oder Haken zu versehen. Die Handschuhe, welche 
man sonst nur auf der Jagd und im Kriege sowie bei zeremoniellen Festen getragen, gewannen 
unter den vornehmen Ständen immer grössere Verbreitung; der Gebrauch von Gürteltaschen 
und Gürtelmessern dauerte ununterbrochen fort.  
Die weibliche Kleidung während der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts 
unterlag denselben Modewandlungen wie die männliche. Während die Frauen in den breiten 
Schichten des Bürgertums sich den Launen der Mode mehr oder weniger fügten, beharrten nament- 
lich die Frauen der oberen Stände durch absichtliche Einfachheit im Widerstande gegen dieselben. 
Sie erinnerten in ihrer würdevollen Ausstattung noch so sehr an die Frauen des 13. Jahrhunderts, 
dass sie von den damaligen Künstlern gerne zum Vorbilde für ihre Madonnen- und Heiligeniiguren 
genommen wurden (40. 19. 20); gleichwohl hatte bis zum Schlusse dieses Zeitraumes die neue Mode 
das ganze Feld gewonnen. Das Unterkleid wurde noch am wenigsten von der Mode berührt; 
es behielt seine knappe Anlage am Oberkörper, erweiterte sich aber nach untenhin durch Zwickel, 
welche an der Seite des Körpers eingesetzt wurden, und war gewöhnlich so lang, dass nur die 
Fussspitzen sichtbar blieben. Oben hatte das Kleid einen weiten Ausschnitt (40.16) und reichte 
nur wenig über die Schultern; es wurde vornherab verschnürt (36. 21); seine Aermel waren fest 
anSChÜCSSCHd, lang (40.19) und gingen nicht selten wie Manschetten über die halbe Hand; auCh 
wurden sie noch häufig im Unterarme auf der Rückseite verknöpft; daneben waren weite Aermel 
beliebt, welche gleich unseren Hemdärmeln vorn mit einer Binde zusammengefasst wurden (40.16. 18.22);  
versah man das Oberkleid mit langen und engen Aermeln, so beliess man dem Unterkleide nur 
kurze. Das Unterkleid wurde sehr häufig auch beim Ausgehen ohne weiteres Oberkleid und nur mit 
dem Mantel getragen (40.19). Das Oberkleid hatte ungefähr denselben Schnitt, war jedoch be- 
deutend länger, so dass es nachschleppte; es wurde im Kreuze zugeschnürt. Der Halsausschnitt war
        

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