Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Trachten
Person:
Hottenroth, Friedrich
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1903869
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1904255
einem Hügel von Sand oder Erde; doch mögen Bauten dieser Art aue den Lebenden zur Woh- 
nung gedient haben. Leichen der Steinzeit, sitzend oder liegend, findet man ausserdem in soge- 
nannten Steinkisten; es sind dies Kammern aus Steinblöcken, welche ebenfalls unter einer Decke von 
Sand und Gerölle verborgen wurden. 
Zu höherer Gesittung scheinen die Skandinavier der Steinzeit durch germanische Wander- 
stamme gekommen zu sein, welche von Osten her sich in jene entlegenen Erdenwinkel ausbreiteten 
und neben den Geräten aus Stein und Bein auch solche von Metall mit sich führten, Waffen und 
Werkzeuge von Bronze, Schmuckstücke von Bronze und Gold. Nach der Bronze hat man der 
leichteren Uebersicht wegen jener Periode den Namen Bronzealter gegeben. Der Anfang dieses 
Umschwunges scheint mehr als ein Jahrtausend vor Christus begonnen zu haben. Zur Kleidung 
verwendete man jetzt ausser" Fellen gegerbtes Leder, Gewebe aus Wolle und Hanf, sowie Gewebe 
aus einer Mischung von Tierhaaren und Pflanzenfasern. Die wollenen Zeuge wurden ohne Zweifel 
im Lande selbst aus heimischer Wolle hergestellt; denn der Nordländer besass schon vor der Ein- 
führung der Bronze das Schaf. Es gab gröbere Stoffe aus Flockzetig oder Filz, welche Lod oder 
Floki, weniger grobe, die Wadmal, und braungestreifte, die Morendo genannt wurden. Die damalige 
Kleidung mochte ungefähr der Schiffertracht entsprochen haben, welche noch heute unter den Is- 
ländern üblich ist, denn diese erscheint als die nächste Fortsetzung der uralten Fellbekleidung und 
wurde noch in jüngerer Zeit aus Schaf- oder Seehundsfell hergestellt; sie besteht aus langen Hosen 
mit einem Hüftriemen, ledernen Schnürschuhen und einem kittelartigen Rocke. Das Feld wurde 
angebaut und das Pferd zum Reiten und Fahren benutzt; auf grossen Schiffen, die noch ohne Segel 
waren, folgte man der tiefen Stimme des Meeres, die zur Reise an ferne fremde Küsten einlud. 
Der alte Brauch, die Toten in Steinkisten zu bestatten, verlor sich allmählig; man verbrannte jetzt 
die Leichen und sammelte deren Ueberreste in kleine Kisten oder Thongefässe, welche oft in grosser 
Anzahl zusammengestellt und mit Erde überschüttet wurden. 
Das Eisen war, wie überall, so auch in Skandinavien zu jeder Zeit bekannt; aber die all- 
gemeine Verwendung desselben zu Werkzeugen und Waffen folgte erst auf die der Bronze. Das 
Ende del" Skandinavischen Bmnzezelt Fällt ungefähr mit dem Beginne der christlichen Zeitrechnung 
zusammen. Die folgende Periode, welche man dem Uebereinkommen gemäss das Eisenalter 
nennt, reicht an den Küsten der Ostsee etwa bis zur Wende des elften und zwölften Jahrhunderts. 
Statt der einfachen Gewebe wurden nun prächtige Gewänder von wollenem Köperzeuge im Lande 
verfertigt. Ueber das Meer herüber brachten jetzt die Nordländer, die Wikinger, feinere Stoffe 
aus Wolle, Baumwolle und Seide nach Hause. Die Männer in der Frühzeit dieser Epoche gingen 
in dunkelfarbigen Kleidern einher, in braunen und schwarzen, mit einem Ausputz in Weiss und 
Grün; das weibliche Geschlecht aber und die Jugend gefiel sich in hellen, grellfarbigen Kleidern, 
namentlich in blauen, roten und braunen. In einem Torfmoore bei Thorsbjerg auf Jütland hat man 
neben zahlreichen Gegenständen aus Bronze und Eisen lederne Schnürschuhe  ein hemdför- 
miges Uebergewand mit langen Aermeln sowie lange Hosen mit einem Hüftriemen gefunden, beide 
Gewänder von starkem Stoffe (1. 5), im Gewebe aber verschieden gemustert. Ein Baumsarg, der 
gleichfalls auf jütischem Boden, im Kirchspiele Vamdrup, ausgegraben wurde, enthielt die Leiche eines 
Mannes, welche bekleidet war mit einem von der halben Brust bis zu den Knieen reichenden Schürze 
von grober Wolle (1. i), der über die Schultern her durch Tragebänder festgehalten, um die Hüften 
aber mit einem langen Riemen zusammengeschlossen war; ferner mit einem Mantel von plüsch- 
artigem Zeuge, der halbkreisförmig im Zuschnitte; dabei lagen noch wollene Binden, die vermutlich 
zur Umwickelung der Beine gedient, schmalere Wollstreifen, mit welchen jene Wickelbinden befestigt 
wurden, endlich Schuhe von Leder und zwei Mützen, die eine halbrund: die andere mehr 
cylindrisch. In der Nähe von Aarhus wurde eine weibliche Leiche gefunden, die bekleidet W11!" mit 
einem langen faltigen Rocke, der von einem langen Gürtel mehrfach umschlungen wurde (1. 4), mit 
einer bis zu den Hüften reichenden Jacke, die einen Brustschlitz und halblange Aermel hatte, und
        

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