Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1898524
DAS 
KUNST GEWERBE. 
Es 
liegen alle cliesfeits der Renaiffance. Selbfi der Blockhauscharakter hat lich ges 
ändert, indem es nicht mehr die vollen quadratifchen Balken find, aus denen f1ch 
die Wände aufbauen, fondern dicke Bohlen, die mit den Schmalfeiten auf eins 
ander fiehen, und dort, wo fie f1ch durchkreuzen, mit durchgel1enden Zapfen vers 
bunden find. Ihre Ausläufer find gefchnitzt und fo ornamental verwerthet. Was 
dem 5chweizer Haufe vor allein feine charakterifiifche Erfcheinung giebt, das ifl: 
das vorfpringende Dach und die umlaufende, von Säulen getragene Gallerie. An 
unserem Chalet umgeben f1c das erhöhte Erdgefcl1ofs und das eine Stockwerk 
darüber. In ihrer durchbrochenen, ausgefägten Ornamentation erfcheinen fis fehr 
modern und fel1r willkürlich, l16chiIens dafs uns Fläcl1enmotive in das f1ebzel1nte 
Jahrhundert zuriickfi.ihren. Daffelbc ifi im Innern der Fall, das uns kein befonderes 
Intercffe mehr bietet. Die hölzernen Plafonds in Renaiffanceart bei angeworfenen 
WVänden, die Parquetten der Fufsböden erfcl1einen mehr. als indufkrieller Auss 
fXellungsgegenfkand, denn dafs f1e dem Schweizerl1aufe charakteriPcifch wären. 
Wenn das Chalet wohl nur ein unbedeutender Vertreter feiner Art iPc, f0 
imp0nirt uns dagegen das ihm fonPc am nächsten PrehendeV0rar1berger Haus 
n1it langer Fenfterrei11e als ein l1öchfk Pcattlicl1er Bau, geeignet als Sitz für eine 
w0hll1abcnde und zahlreiche Familie. Hat das Schweizer Haus den Blockhauss 
skil fchon halbwegs aufgegeben, f0 zeigt das Vorarlberger einen noch mehr f0rts 
gefchrittenen Standpunkt. Die ganzen Wände sind fchuppenförmig mit zierlich 
gearbeiteten schindeln bedeckt, gewiffermafsen in einem hölzernen VerputzPtil, 
der den Rohbau der Blöeke verbirgt. Ueberhaupt ist der Eindruck des Aeufseren 
höchfl civilif1rt und der des Innern, was Wände, Decken und Fufsböden betrifft, 
alles gedielt und getafelt, nicht minder. Die wenigen Möbel, f0genannte Bauerns 
feffe1 von.Tauuenh0lz, die Lehnen in Adlerf0rm ausgefehnitten ohne weitere 
Verzierung, entfprechend. Tifche, ein brauner Kachelofen mit Bänken zu beiden 
seiten, paffen dazu allerdings nicht völlig. Das Haus erfcheint fast zu vornehm 
und stattlich für diefeS einfache Geräth. WVas die Anlage betrifft, fo erfcheint 
die Giebelfeite, auf welcher sich auch der Haupteingang befindet, als die Fronte: 
Gallerien mit gebrochenen Geländern fchmücken sie von unten bis oben. Die 
Langfeiten zeigen nur. ftattliche Reihen regelmäfsiger Doppe1fenfter mit geradem 
Abfchlufs. Auch xfiir diefes Gebäude müffen wir die Motive des architektonifchen 
und 0rnamentalen Details dieffeits der Renaiffance fuchen. 
Einen f0 vornehmen u11d Pcattlichen Charakter tragen nun freilich die natios 
nalen Wohngebäude nicht, welche die ösXliche Hälfte Oefterreichs auf die Auss 
fte1lung gefendet hat. Dies gegenwärtigen zeitweiligen Bewohner behaupten al1ers 
dingS, dafS sie es in der Heimath fchöner und beffer haben, und es wäre dems 
nach in diefer Beziehung die Weltausftellung hinter der Wirklichkeit zuriickges 
blieben, während f1e f0nfi gewöhnlich Kraftanfkrengungen macht, darüber hinaus 
zu fchiefsen. Als eine folche, in diefer Beziehung ungenLigende Vertretung wird 
das fogenannte Geidlerhaus bezeichnet, die Wohnung deutfcher Ansiedler im 
Neutraer Comitat. Es ist ein arrnfeliges Blockhaus von rohem Geftige, unvers 
ziert und zum Theil unverputzt in den Fugen, fo dafs Wind, Regen und Schnee 
eindringen mögen. Kleine Fenster nach flavifcher Art Laffen fpärliches Licht 
in das Innere hinein. Das eine aufgefetzte Stockwerk, das an zwei Seiten von 
H 
O
        

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