Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1898405
DAs 
KUNsTGEwERBE. 
den naturalistischcn, virtuos behandelten, mit Pr0iilen. Figuren und 0rnamenten frei 
und breit heraustretenden geschnitzten Möbeln der Barockzeit. Zu ihnen gesellen 
sich die Cabinetstücke von Ebenholz,mit eingelegtem Elfenbein, sowie die mit farbis 
gen Steinen und vergoldeten Bronzen. Jene Arbeiten, die mehr im Stil der Frühs 
renaissance gehalten sind, haben die Italiener für sich allein. Unter ihnen tritt ein 
grosser Kasten von Morini in Florenz hervor, sowie die kleineren, bis aufs feinste 
durchgearbeiteten Rahmen und Füllstijcke von Frullini, die schon seit 1867 sich 
die Bewunderung der Kunstwelt errungen haben. In den übrigen Renaissancemöbeln 
concurriren die ltaliener insbesondere mit den Franzosen; die ihrigen haben aber den 
Vorzug grösserer Freiheit, krastigerer Haltung und einer angemesseneren, mehr 
Virtuosen und weniger raffinirten Behandlung des Holzes. Bei der grösseren Freiheit 
und der kräftigeren Gliederung und Profilirung, welche die ltaliener sich erlauben, 
machen sie mehr Anwendung von figur1ichern Schmuck, der sich von Re1iefs zu 
Karyatiden und frei dastehenden lebensgrossen Figuren in vollem Hochrelief 
steigert. 1n diesem Genre des Hochreliefs ist wohl das Bedeutendste ein Kamin, 
dessen weit v0rtretendes Gesims von zwei männlichen Figuren getragen wird, eine 
Arbeit von Pan ciera in Venedig, während sich ein prachtvolles Bett von Ferri 
und B erto lozzi in Rom mit Reliefs und Karyatiden, sowie ein Credenzkasten aus 
dem artistischen Institut von M. Guggenheim in Venedig auf dem mittleren 
Standpunkt hält. Letzterer übrigens führt uns auch in einem anderen Stück den 
kräftigeren Barockstil vor, sowie an einem mit farbigen Marmorarten, Lapisla7.uli 
und anderen Steinen, sowie mit Bronzebeschlägen und Bronzesiguren geschmückten 
Cabinetstücke ein Beispiel jener eigenthumlichen Prachtarbeiten des sieb7.ehnten 
Jahrhunderts, die mehr durch ihre glänzende und farbige Erscheinung, als durch 
künstlerische Gediegenheit dem damaligen Kunstsinn gefielen. 
Unter den übrigen Staaten der modernen Cultur, welche uns bedeutendere 
Gegenstände für die Ausstattung der lxVohnung gesendet haben, nimmt wohl nur 
Dänemark noch eine eigenthümliche Stellung ein, wenn auch diese Eigenthüms 
lichkeit so zu sagen nur in eine r Schattirung des allgemeinen modernen Charakters 
besteht. Das kleine Land befindet sich mit seiner kiinitlerischen Bildung noch 
immer unter dem mächtig nachwirkenden Einflufse Thorwaldsen,S, und daher 
tragen seine zierlichen, gut gearbeiteten, etwas schwächlich profilirten Möbel eine 
Hinneigung zur Antike zur Schau, die ihnen einerseits einen edlen Anstrich giebt, 
andrerseits aber auch eine gewisse Steifheit und Nüchternheit, wie sie modernen 
Antikisirungen zu eigen ist, nicht verleugnen kann. Auch Belgien ist vers 
treten, und zwar mit trefflichen, stilisirt gezeichneten Tapeten, sowie mit Renaiss 
sancemöbeln von guter geschnitzter Arbeit; sie gleichen aber zu sehr der französ 
fischen, um irgend Eigenthiimlichkeit in Anspruch zu nehmen. Dasselbe ist der 
Fall mit den belgischen Gobe1ins, die nur ein Abzweig der französischen sind; 
imitirte Gobelins von charlesAlbert in Briissel, z. B. ein Gemälde nach Teniers, 
treffen gar nicht den Ton und Charakter dieser gewebten Malereien, Weil He Ach 
wie trockene Gouachemalereien auf Leinwand darstellen. Holland hat uns nur 
seine Deventer Teppiche gesendet, von denen die besseren alle dem orientalis 
schen Stile folgen, insbesondere die Smyrnaer Art, doch mit zu grosser Lebhafs 
tigkeit der Farben. Aus der schwedischen Ausstellung sind sich für unseren 
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