Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1898339
VVOH NUNGSAUSsTAT TUN G. 
mehr von französischen Mustern abhängig sind, und andrerseits ganz und gar 
eines guten und feinen Farbens1nnes ermangeln, wie denn dieser Sinn überhaupt 
noch der deutschen Ausstellung , der deutschen Industrie abgeht. 
llierin steht die österreichische Mobe1stofffabrikation unendlich höher. Sie 
allein bringt, vom Orient abgesehen, neben Frankreich auf diesem Gebiete Gegens 
stände, die wirklich Reiz haben und 1sJntzücken gewähren, und sie bringt sie zahls 
reicher und in jedem Falle origineller noch als die SeidenindusIrie zu Lyon. Sie 
zeigt sie zum Theil auch gleich in der Art, wie sie angewendet werden sollen, 
nicht als liinzelstoffe, sondern als Decoration gedacht. 
ln dieser Beziehung ilI die überaus glänzende und gedicgene Ausstellung 
des Wiener Etablisfements von Philipp Haas 8z Söhne gleich einer That in 
der Entwicklung der modernen Kunstindustrie zu achten. Es kommen hier drei 
Momente zusammen, welcher dieser Fabrik und ihrer Ausstellung eine Bedeutung 
verleihen, die sie über alle Concurrenten derVVelt erhebt: erstens die Entschlofsens 
heit und Grossartigkeit zugleich, mit welcher der Chef und die Seele des Hauses, 
Eduard von Haas, die neuen, einmal für richtig erkannten Bahnen betritt, zum 
zweiten das unvergleichliche dec0rative Talent Storck7s, der feinen Geschmack, 
feinen feinen Sinn, seine Erfn1dungsgabe ganz insbesondere dieser Anstalt widmet, 
und drittens die reichen 5ammlungen des osterreichischen Museun1s, die uners 
schopflich neue Motive und Ideen darbieten, sammlungen, die aller Welt zur 
Verfügung stehen, aber nicht von aller VVelt benutzt werden. Bei keinem iihns 
lichten Aussteller sehen wir daher auch einen solchen Reichthum prachtvoller oder 
reizender Motive, die dennoch für jeden, der die Absicht zu merken versteht, so 
harmonisch smd, so in derselben Richtung liegen. 
lEs würde uns zu weit führen, wollten wir auf das Detail dieser Ausstellung 
eingehen, und wir müssen uns daher in der Hauptsache begnügen, eben die 
Richtung anzugeben und den Geist zu charakterisiren, der in den Reihen von 
Zimmercon1partimenten oder in den zahlreichen Goldbr0katen, Seidens7coffen und 
Teppichen liegt. Hier ist einmal von jeder Nebenwirkung und Nebenabs1cht abs 
gesehen, das Wesentliche nicht im Beiwerk gesucht, wie uns das so häufig bei 
z:egnet, sondern lediglich in der decorativen Wirkung der Gegenstände Und in der 
Harmonie bei ihrer Zusammenstellung. Darum fesseln uns auch diese Modelle 
von Zimmern, denen doch gar vieles zur vollen Aussl;attung fehlt, so unwiders 
stehlich, ohnes dass wir uns eigentlich Rechenschaft darüber zu geben vermöchten, 
auch nicht Lust und Neigung dazu verspüren. Denn das liegt eben im VVesen des 
kein Decorativen, dass es uns in dem Zusammenfliessen seiner I.sJlen1ente nur wie 
eine Harmonie, wie eine Stimmung anmuthet, mag sie 110C11 s0 Verschieden sein, 
ernst oder heiter, zart oder kräftig, prachtvoll oder schlicht, reich oder 
einfach. 
Gehen wir dennoch ein wenig ein in die Sache, fo werden wir recht bald 
fänden, dafS es vorwiegend der Greift der Renaiffance ist, der hier waltet, aber dek 
Geist der Renalffance mehr vielleicht als ihre Formen. Auch diefe find nicht 
ausgefchl0ffen,  Muster und Wirkung, wie Ae uns die Genuefer und Venetianer 
Gewebe des fechsZehnten Jahrhunderts bieten; neben ihnen aber fehen wir nichts 
verfchmäht, was des gleichen Charakters als Flächenmusker, d. h. rein dec0rativek 
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