Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1898257
 
 
ll is 
WOHNUNGsAUSSTATTUNG. 
In 
tagestil angelegt ist. Aber von der englischen Commission in Besitz genommen, 
ist es dem Publicum unzugänglich.  
So viel erkennen wir leicht, dass wenn auch das englische Haus in 
feiner Anlage, in Bestimmung und Gebrauch dasselbe geblieben ist, doch 
die Decoration sich sehr verändert zeigt. Von England ist ja die Reform 
des Gesclin1aclcs ausgegangen, seit zwanzig Jahren geht sie mit Energie vors 
wärts, alle Kunstindustriezweige tragen ihren Stempel oder ihre Spuren, und so 
ist es unmöglich, dass nicht auch das Haus davon ergriffen wäre. 
Die alte englische WVo11nung, wie sie noch bis auf die letzten Jahre existirte, 
zeigte eine ausserordentliche Uebereinstimmung und doch keinen Stil. Sie folgte 
in Salon, Speisezimmer, Schlafzimmer bis auf die Küche einer Schablone, die 
einen gewissen eigenen Charakter hatte und doch ganz unkiinstlerisch war: die 
Formen der Möbel schwer, plump und mass1v, die Decoratjon zum Theil, wie 
z. B. auf den Teppichen, überladen, bunt und ordinär in den Farben, dem 
crassesten Naturalismus anheimgefallen. Dort, wo man glaubte mehr und Besseres 
thun zu müssen, als der ,,Standard of lifeU erforderte, der feine Unterschiede nur in 
die grössere oder geringere Kostbarkeit des Materials setzte, da musste man sich 
an die Franzosen wenden uiid gelangte mit ihrer Hülfe zu Z0pf Und ROCOC0, 
oder, wie es gewöhnlich bei den Landsch1össern geschah, man erfand für die 
Innendecoration eine eigene m0derne englische Gothik, deren Hauptmerkma1 in 
der decorativen Verwendung von Eichenholz bestand. Das ist, wie bekannt, III 
vielen Schlössern des Continents nachgeahn1t worden.  
Heute ist das nun, wie uns die Ausstellung lehrt, in vieler Beziehung ges 
ändert. Fangen wir mit dem Fussboden an. Einst blühten auf den Teppichen 
von Kidderminster XxVälder und Gärten. oder es lagen auf den ,,BrusselSts ries1ge 
farbige Blumenbouquets. Mustern wir die heutigen Teppiche auf der Ausstellung, 
so sehen wir alles, was auf besondere Bedeutung Anspruch macht, in orientalis 
scher Weise verziert, also gerade in der Art, welche von der Reform empfohlen 
worden ist. Die Mehrzahl der grossen Teppiche folgen dieser Richtung, und es 
giebt sehr schöne Beispiele darunter. Hier und. da ist wohl ein einzelnes Stück, 
das in seiner Grösse einige Ansprüche erhebt, nach dem Muster der fk3sUZöf1fChC11 
T eppiche in PlafondsDec0rati0n verziert; der Blumennatura1ismus sowie figürs 
liche Darstellungen finden aber allein noch auf den ganz kleinen Teppichen, wie 
sie vor dem. Kamin zu liegen pflegen, eine Stätte. Auf diesem Gebiete: k8slM 
man sagen, ist die Veränderung vollständig; was ihr widerspriC11t, das ist nur eine 
Erinnerung vergangener Zeiten.  
Ebenso vollständig ist die Veränderung der Wanddecorationen, der Tapeten. 
Hier standen einerseits der naturalistischen oder sonst sinnlosen Verzierung die 
regulären sti1isirten Muster gegenüber, andrerseits der licl1ten grauen nun eine 
dunklere und kräftigere Färbung. Letzteres bildet den Standpunkt der Reform. 
Mustert man nun die englischen Tapeten, soviel als davon zu sehen ist, insbes 
sondere auch jene Wände, welche den Hintergrund der kostbaren Möbel im 
Transept bilden und ganze Zimmerdecorationen vorstellen sollen, so wird man 
nicht im Zweifel sein, dass auch hier die Reform schon durchgedrungen ist. Wies 
weit das nun bereits im englischen Wohnhause geschehen ist, müssen wir dahin 
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