Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1902970
DIE 
EXPOslTl0N 
DES 
A1v1ATEURS. 
und der mitte1alterlichen Auffaffung, die Formen mehr conftruirend aneinanders 
zureihen als 0rganifch zu verbinden. Noch verfchiedene andere, wenn auch felbfts 
verständlich weitaus an Bedeutung gegen den Klofterneuburger Altar zurüclcs 
ftehende Beifpiele der mittelalterlichen Emailtechnik hatte die AusPcellung aufzus 
weiten, f0wohl an Arbeiten der rheinifchen als auch an einzelnen der Lim0ufmer 
Schule. Wir nennen von den erfieren ein bef0nders zierliches Ciborium von 
Kl0fterneuburg und ein Reliquiar aus dem Schatze deffelben Stiftes, von den in 
Meta1larbeit, Farbenwahl und Ausführung des Emails gewöhnlich gegen die 
rheinifchen zurückftehenden Lin1ousiner Werken ein Reliquiar des Stiftes Kremss 
mijnPcer. 
Der Kunfientwickelung des fpäteren I4. und des II. Jahrhunderts konnte 
das Email mit den technifchen Mitteln, die das email chan1pleve bot, direct nicht 
folgen; wir fehen es eine Zeitlang vom schaup1atze der Uebung verfchwinden, 
bis neue technische Behelfe herangezogen waren, um die Anforderungen nach 
einer mehr realislifchen und malerifchen Darsi:ellungsweife zu erfüllen. Diefe bot 
zunächst das nun aufkommende ,,durchfcheinende ReliefemailU Cemail transs 
lucide sur re1iefJ. Die Modellirung und Rundung der Körperf0rmen ist bei diefer 
Emailgattung fchon in bedeutenderem Grade möglich. sie wird dadurch erzielt, 
dafs die Oberfläche des zu emaillirenden Metal1es in einer Art feichtem Relief 
gearbeitet ist, welches durch die darüber gebreitete Schichte des Cnicht mit Zinns 
afche verfetztenJ durchfcheinend gelaffenen Emailfluffes mit der Abwechselung 
von Höhe und Tiefe wie Licht und Schatten wirkt. Manche italienifchen Golds 
fcl1miede des I5. Jahrhunderts excellirten in diefer Kunstgattung, an ihrer spitze 
MeiPcer wie die Pollajuoli und Finiguerra; aber auch Deutfchland lieferte in dies 
fer Art vortreffliche Werke. Auf der Ausstellung war das trans1ucide Email 
vertreten durch ein kleines Altärchen mit Scenen aus der Pafsionsgefchichte 
CNr. 35 der oesterr. Abth.I, eine deutfche Arbeit aus dem Anfange des 
IS. Jahrh. und ein in der ungarifchen Abtheilung befindliches CruciHx, welches 
in eckigen Feldern Bilder Christi und der Evangelisten enthält. 
Der Umstand, dafs das durchfcheinende Reliefemail nur auf einer Unterlage 
von edlem Metalle und felbst da nur mit einer befchränkten Farbenfcala ans 
wendbar ift  fo können Z. B. Fleifchtöne blos mittelst einer blafsvioletten 
Färbung ausgedrückt werden  andererseits die verhältnifsmäfsig geringe solidität 
derartiger Werke, kurz das Streben nach einer gröfsern malerifchen und der 
eine f01che ekmög1ichende11 technifchen Vollkommenheit führte bald zu weiterer 
Ausbildung. Wiederum kehrte man zur Anwendung 0paker Farben zurück, aber 
man hatte inzwifchen gelernt, He mit Sicherheit neben einander zu fetzen, ohne 
trennende Metallstege nöthig zu haben; die Palette wurde reicher an Nüancen, 
und die Emaillirkunst entwickelte sich nun zur wirklichen Emailmalerei. Mit 
vielen Zwifchenslufen und Uebergängen vom Reliefs zum Maleremail vollzieht 
sich diese Wandlung, zunächst in den Werkstätten der Florentiner Goldfchmiede, bis 
weiterhin für das M9.1ekemai1 die Stadt Limoges der nahezu ausfchliefsliche sitz 
diefer Uebung wird. so laffen die italienifchen Emailleure dem Hintergrunde und 
den Gewändern noch den edelsteinartigen Effect des durchfcheinenden Schmelzes 
und beginnen nur Fleifchtöne und Nebendinge naturwahr zu färben, bis dieser
        

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