Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1902948
L 
DIE 
EXPOSlTl0N 
DES 
AMATEUR5. 
Der Freund derartiger Raritäten konnte in der Ausfkellung R0thfchild,s und der 
Schweiz daran fein Genüge Enden.  
Wir gehen nun zur Befprechung einer Kunstgattung über, deren mannigfaltige 
Phafen zu lludiren, die Exp0f1tion des Amateurs bef0nderS gutes Material bot, 
nämlich des Email, und wollen verfuchen, das Verfkreutgewefene in allges 
meinen Zügen, dem kunfigefchicht1ic11en Entwickelungsgange folgend, zu bei 
trachten. 
Feuerbeständige Körper, wie Thon oder Metall, durch Aufschmelzen mit einem 
glasartigen Ueberzuge zii versehen, war bereits das srüheste orientalische Alters 
thum im Stande; der glasirte Backstein, den wir in den assyrischen Bauten angei 
wendet Enden, ist schon ein wirkliches Emailwerk. Wann und wo aber die Ans 
wendung des,glasartigen Ueberzuges aus eine Metallsläche  was man heuts 
zutage eigentlich Email nennt  zuerst statthatte, ist derzeit noch nicht völlig 
festgestellt. Die Egypter scheinen diese Technik nicht gekannt zu haben. An 
anderem antikem Schmuck, römischem und griechischem, Enden wir hie und da eine 
emailartige Masse, jedoch nur vereinzelt und selten; sicher ist aber, dass die halbs 
barbarischen Völker des mittleren Europas schon in verhältnissmässig sehr früher 
Zeit die Bronze mit oft überaus reichen und c0mplicirten Emailornamenten zu 
verzieren gewusst haben. Möglich und wahrscheinlich ist es, dass sie diese Fers 
tigkeit schon aus ihrer centralasiatischen Heimat mitbrachten, und aus Asien hat 
auch die Kunst des byZantinischen Reiches die Emailtechnik überkommen. Von 
dort, von Byzanz aus, lässt sich die Geschichte des Emails in ihrer höchst interess 
santen Entwicklung ununterbrochen verfolgen. 
Das ,,email cloisonnc3U oder wie man  iii neuerer Zeit deutsch zu nennen 
pflegt, der Zellenschmelz, charakterisirt sich bekanntlich wesentlich dadurch, dass 
die Farbencompartimente, aus denen das Bild mosaikartig zusammengesetzt ist, 
durch aufgelöthete dünne MetallsLammellen oder Fäden getrennt sind. Zu ders 
artigen Werken scheint das Gold beinahe ausschliesslich verwendet worden zu 
sein, und die Arbeiten der byzantinischen Emailleure wanderten als kostbare und 
hochgeschätzte Prachtstücke weit in das Abendland hinein, als Handelsartikel 
und als Geschenke der Fürsten. Die Bestandtheile der 186o bei Nyitra Jvanka 
in Ungarn CNeutraer Comitat3 ausgefundenen Krone des byzantinischen Kaisers 
Constantin0s Mon0machos  hatte das Ungarische Nationalmuseum 
ausgestellt. Es sind sieben längliche, oben abgerundete Goldplatten mit den 
Figuren des Kaisers, der Kaiserinnen Z0e und Theodora, Heiligengestalten und 
alleg0rischen Figuren der Demuth und Tugend H. Wir müssen hier die sich an 
diese Reste knüpsenden hist0rischen Fragen übergehen, und erwähnen nur, dass 
sich für sie beinahe mit Sicherheit die Datirung zwischen I042 bis I050 ergiebt; 
die Feinheit und Vollkommenheit der Ausführung stellt sie aber unter den uns 
erhaltenen byzantinischen Emails in die erste Reihe. Dass die byzantinische Emails 
kunst ihren Ursprung im Orient hat und nicht aus einer Tradition der europäischs 
antiken Technik hervorgegangen ist, dafür spricht sowohl der Charakter der 
Werke, und der des Zellenschmelzes überhaupt, der mit seinen die Farbens 
felder durchziehenden Metalllinien ein durchaus orientalisches Gepräge trägt, als 
iii0clien, und Cliarles de Linas, N0tice siir quelques ömaux byzaritins. 
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jsOs 
j.; 

        

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