Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1902939
 
 
wie dies Z. B. darin feinen Ausdruck findet, dass das holländifche Silbergeschirr 
im I7. Jahrhundert im Gegenfatz zu früheren Zeiten beinahe durchweg in feiHek 
natürlichen Farbe belassen wird, ähnlich dem Verhältniss der Delfter Faiencc 
zur Majolika und zur emai1lirten älteren Poterie. 
Die runde Schlüssel mit dem dazu gehörigen Pocal, LNr. 827,IJ Eigenthum 
der Bürgergemeinde Bern ifi ein Schaustück erften Ranges, in der Mitte ganz 
bedeckt mit getriebenen Darfte1lungen aus der Geschichte der Stadt in drei Segs 
menten: 1NITlVM BERNE, PRfELlVM. AD. MORTENAV., PVGNA. AD. 
LAMPEN., dazwischen reiches 0rnamentenwerk im Stile des Virgil Solis und 
ähnlicher Kleinmeister der spätern Zeit. Bunte Harzfarben als eine Art Surros 
gat der Ernaillirung, und cabochonsartig geschlifsene Bergkryjtallfteine, die an 
der InnenHäche mit leuchtenden Farben gemalte Wappen tragen, steigern noch 
den üppigen Efsect dieses Kleinodes. Der Katalog. genau und sachlich wie immer, 
nennt diese Bemalung des Bergkryftal1s ,,mit glühenden Farben auf Meta1lgrund 
aufgetragen.U Es iPc aber jene eigenthümliche, dem Belegen der spjege1 Vek. 
wandte Technik, die auf Glas und Bergkrystall angewendet wurde, der Art, dass 
die Belegung mit Gold und Farben, von vorne gesehen, als Malerei hinter dem 
Glase erscheint. In Frankreich nennt man derartige Gläser Verres eglomises; 
eine deutsche Benennung ist mir dafür nicht bekannt. Die Technik iPc übrigens 
sehr einfach und ware der künftlerischen Wiederaufnahme in hohem Grade Werth. 
Heutzutage pflegt man nur noch Auffchriften, Schilder u. dgl. auf oder vielmehr 
hinter Glastafeln in dieser Weise zu malen  alte derartige Arbeiten finden wir 
aber oft von grosser Feinheit, von den antiksr6mifchen vergoldeten Gläsern ans 
gefangen bis tief in das I8. Jahrhundert hinein. 
Eine weitere glänzende Folge von ,,ScheurenH und ,,Staufen,H hohen Pocalen 
und Doppelbechern, Cdie aus zwei vollkommen gleichen Compartimenten bes 
stehen, von denen je einer den Fuss oder Deckel bilden kannJ reihte lich würdig 
an die Berner Schüssel. Rothfchild konnte übrigens mit feiner Collection von 
Silbergefässen die harte Concurren7. des Berner Schatzes, namentlich in Bezug auf 
0bjecte, die eine zarte Detaildurchführung ZeigCl1, I10Ch immerhin belieben. WVik 
geben in der Abbildung auf Seite 505 einen überaus zierlichen Becher aus 
seiner Sammlung mit fein getriebenen Jagdfcenen in parallelen Streifen. VVie 
.die Wappen am obern Rande darthun, mag auch dieses Stück Schweizer Ur. 
fprungs sein. 
In Bezug auf gediegene Durchführung steht die G0ldschmiedekunft des 
I6. Jahrhunderts noch in inniger Beziehung zur Weise des spätern Mittelalters; 
neu hinzugekommen iPc aber die Fülle und der Ideenreichthum der deutschen 
Renaissance. Mit liebevoller Sorgfalt sind die Reliess mit ihren Figürchen und 
die Friese mit ihrem Laubs und Zierwerk behandelt, und stets ist der Kunfi1ek 
bemüht, durch irgend eine ,,neue InventionU jedem einzelnen Stück den Reiz der 
Individualität zu verleihen. Allgemeiner und handwerksmafsiger werden die As. 
beiten der Goldschmiede im Verlause des I7. und vollends im I8. Jahrhundert. 
Den Mangel an künstlerischer Erfindung müssen Absonderlichkeiten ersetzen, die 
nun immer mehr aufkommen, wie die Verwendung von allerlei Thier. und 
Menschengesi:alten zu Trinkgefäfsen und Bechern und ähnliche Phantaftereien. 
 
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