Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1902891
 
 ll 
DIE 
EXPOS1T10N 
DES 
AMATEURS. 
Bezug aus das Alter, so doch in Rücksicht auf historischen Kunstwerth eine 
Reihe von fogenannten Speisekelchen an, d. h. grossen Kelchen, wie sie im 
im Gebrauche waren, als auch noch die Laien den Kelch empfingen. Die vors 
züglichsten darunter find: der aus St. Peter in Salzburg in getriebener Arbeit 
und der aus Stist Wilten in Tirol mit reichem Schmuck von niellirten Gras 
virungen Cs. die AbbildungJ. 
Die vortreffliche Ausführung der eingestochenen Zeichnung bei letzterem 
mit ihren klaren, fest umschriebnen Contouren steigert sich namentlich in der 
Mitteldarstellung der Patene, den heiligen Frauen, die zum Grabe Christi koms 
men, zu wahrhafter Gr0ssartigkeit, und nur die Beigabe der im Korperverhältniss 
zu den übrigen handelnden Figuren gar zu winzigen schlafenden Kriegsknechte 
gemahnt an die kindliche Kunst der Frühzeit des 12. Jahrhunderts. Das Niello 
mit feinem zarten silbergrauen Ton bildet einen feinen Gegensatz zu dem Scl1in1s 
mer des Metalles, es hebt die Darstellung genügend hervor, ohne die Forms 
Wirkung des verzierten Gegenstandes zu alteriren, wie dies. etwa das bunte 
Email thut. 
.Die spätere Zeit der Renaissance hat das Niello ausser Uebung gebracht, 
nachdem es in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts namentlich in Italien zu 
einer hohen Stufe der künstlerischen Ausbildung gebracht worden war, gepflegt 
von Meiftern wie Maso Finiguerra, Antonio Pollajuolo, Giovanni di Matteo Dei 
und Marc Anton Raimondi. Während aber die mittelalterlichen Niellowerke, 
wie das vorhin befchriebene, meistens blofs Cont0urzeichnungen sind, bei denen 
mit einfachen Linien nur die Un1risse und die hauptsächlichsten Innenformen anges 
deutet wurden, fehen wir sie in der späteren Zeit als getonte Grisaillen behandelt, 
bei denen den Grund bald das n1etallische Silber, bald die schwarze Niellomasse 
selbst bildet, auf der in letzterem Falle die Darstellung, ausgespart, silberweis sich 
hervorhebt. 
Unter Nr. 29 und 3I hatte Baron Rothschild zwei kostbare Niellotafeln von 
je etwa 15 Zoll Höhe und 10 Zoll Breite ausgestellt. Diese Tafeln bildeten 
ursprünglich die Decken eines Evangeliariums und zählen in Bezug auf den Reichs 
thum der Ausführung, auf ihre Grösse, wie nicht minder in Rücksicht auf ihren 
Kunstwerth zu den allerbedeutendsten italienischen Niellowerken des I5. Jahrs 
hunderts, die wir kennen. Jede der Tafeln besteht aus einer Anzahl von eins 
.zelnen streifensörmigen, dreieckigen und quadratischen Platten, die ehemals 
durch ein jetzt verlorenes meta1lenes Rahmenwerk zusammengehalten waren. Die 
Mittelfeld.er sind aus über Eck gestellten Quadraten gebildet, auf deren einem 
die Geburt, auf deren anderm die Taufe Christi dargestellt ist, darüber in längs 
lichen Streifen Verkündigung und Abendmahl, darunter die Anbetung der Könige 
und Auferweckung des Lazarus. Die Einfasfung bilden 0rname11tfriese mit 
musicirenden Engeln zwischen Wappenschi1dern mit dem Cardinalsl1ut. Es 
ist das Wappen des Giovanni Balb0, Bischofs von Albano, der 1467 den Purpur 
erhielt7YJ. Dem allgemeinen Kunstcharakter nach gehört dieses unvergleicl1liche 
Werk entschieden der Florentiner Schule an, und feine Datirung ist durch die 
eben erwähnte Jahreszahl ungefähr gegeben; aber einen Meisternamen dafür auch 
  spettanti :1lla st0ri:1 della calcogras71a, P. 6o.
        

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