Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1898090
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AEUSsERE 
UND 
INNERE 
ETC. 
DECORAT10N 
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erzielen, davon giebt nun eben der Park vor der Industriehalle ein beachtenss 
werthes Beispiel. Eine breite, von vier Baumreihen eingefasste Strasse, die 
,,KaisersAlleeU, verbindet den Haupteingang an der N0belallee des Praters mit 
dem grossen Südp0rtal des Industriepalaste5. Vier Querwege und die breite 
,,Avenue ElisabethU, welche die ,,KaisersAlleeU und die mit ihr parallel laus 
senden WVege durchschneiden, stellen die Verbindungen mit den gedeckten 
Laubengängen dar, welche den Platz rechts und links in symmetrischer Anords 
nung umsäumen. Die Flächen zwischen den bekiesten Wegen sind mit ebens 
falls regelmässig angelegten BassinS, Fontainen und Rasenplätzen ausgefüllt, 
vonsderen saftigem Grün Blumenbeete, Vasen und Statuen sich abheben. Gegen 
das Hauptgebäude zu eröffnet sich die Parkanlage; einige Stufen führen zu dem 
Perron. des Triumphb0gens empor, vor dem nur grösseren statuarischen VVerken 
noch Raum gegeben ift, um auf den Eingang in das Innere würdig vorzubereiten. 
So bleibt jedem fein Recht: die Architektur wird isolirt, soweit es nöthig ist, um 
sie wirksam zu machen; die Gartenkunst andererseits darf alle ihre Reize entfalten, 
und dies um so freier, je weiter sie sich aus der Machtsphäre der Architektur 
entfernt und dem WValde nähert, von dem sich einige alte Stammha1ter sogar 
bis in die grünen Matten an den Bass1ns vorgedrängt haben. Sie beleben die 
Regelmässigkeit, 0line fie zu stören und tragen mit dazu bei, den Charakter 
des flüchtig Entstandenen und Ephemeren, von dem überhaupt an der ganzen 
Anlage fast nichts zu merken ist, fern zu halten. 
Die Rückseite des Parks, zwischen dem Industriepalast und der Maschinens 
hal1e, ist durch die Ueberfülle der Annexe, Pavil1ons, RHtaurationei1 und Bauerns 
häuser aller Art um feine ganze Wirkung gekommen. Nur die Mittelpartie mit 
Zumbusch,s MaximiliansDenkmal zwischen den Bauten des Deutschen Reiches 
bildet einen erquicklichen Ruhepunkt in dieser wirren Mafse. Zum Glück hat 
man die Plätze vor und hinter der Kunsthalle frei halten können; ihre schlichten 
Rasenböschu.ngen und Blumenparterres harmoniren vortrefflich mit dem anspruchss 
los würdigen Styl der Bauten des Kunftl1ofes.   
Nicht minder glücklich als dieser natürliche Schmuck ist die .bildnerische und 
malerifche Decoration der Ausstellungsgebäude. Am Aeusseren fiel der Plastik 
die Hauptaufgabe zu, und die tüchtigsten Kräfte der älteren und jüngeren Bilds 
hauergenerati0n haben mit einander gewetteifert, sie würdig der in Wien für die 
decorative Plastik eingebürgerten Traditionen zu lösen. 
M3U WCisS, dass in diesen Traditionen bis auf die jüngste Zeit herab, in der 
hier die Dresdener und Münchener Schule Boden gefasst haben, die akademische 
Antike im Sinne der älteren römischen Atelierpraxissder herrschende sty1gC. 
blieben ist. Bin res0lutes Dreingehen in oft etwas mass1ge derbe Formen, Schwung 
Und LCbCI1 Im Aufbau bei allerdings meistens etwas oberHächlicher und schab. 
lone11hiifter Behandlung des Detai1s: das sind die Vorzüge und Mängel der Schule, 
d1C Mk SUCH M diesen Arbeiten wieder finden. Im Ganzen aber muss zugestanden 
xl:rvercl1en, Flacs1:s ma;1dden Werken die Kurze .der Zeit nicht anmerkt, in der sie ents 
,fal1c en M , Un ass die meisten von ihnen dem elenden Gypsmatekja1, aus dem 
te bestehen, sogar zu viel Ehre anthun und sehr wohl würdig wären, in eirpen 
dauerhafteren Stoff überfetzt zu werden. 
 
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