Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1902826
EXPOsIT10N 
DES 
AMATEURs. 
U 
Da man in VVien die Franzosen nicht copiren wollte, am wenigsten dort, wo 
es wirklich das Richtige gewesen wäre, sie nachzuahmen, so inaugurirte man eine 
,,Expos1tion des AmateursU. Logisch könnte man sich unter diesem Titel unges 
sähr vorstellen, dass es sich darum handeln sollte, die privaten Kunstsammlungen 
als solche zum Ausstellungsobject zu machen, also etwa die Tendenzen der 
Sammler in den verschiedenen Ländern und die Qualitäten ihrer Collectionen 
uns vorzustihren. Obwohl der Zweck einer solchen Darstellung ein höchst pros 
blematischer, und die Durchführung eine enorm schwierige gewesen wäre, so lag 
doch dem Ganzen eine Idee zu Grunde, usnd, wenn sie auch gerade keine glLicks 
liche war, so war diese ldee doch das, was man so sehnlich suchte, etwas Neues. 
Aber schon das gedruckte Programm wusste von seiner Ausschrist so wenig, wie 
die rechte Hand von der linken in der Bibel. Da war von den ,,AmateursU gar 
nicht weiter die Rede, sondern nur im Allgemeinen von alten Kunstsachen, die 
man sich sein siiuberlich in 21 Gassen eingetheilt dachte. Noch viel weniger 
aber, als der Text des Programmes dem gewählten Titel, entsprach wiederum die 
Ausstellung ihrem Namen oder gar dem gedruckten Programm, und wer sich 
etwa nach der Eröfsnung der Lecture eines dieser Schriststlicke hingab, der 
konnte alsbald zu der Ueberzeugung gelangen, dass sie schon von der Druckpresse 
weg lediglich Maculatur waren.  
Hier, wo wir es lediglich mit den sactischen Resultaten zu thun haben, ist es 
nicht am Platze, von den mancherlei Vorgängen zu sprechen, denen zufolge die 
,,hIxpos1ti0n des An1ateursH dann in der VVeise zu Stande kam, welche zu schils 
dem nun unsere Ausgabe ist. Gar grosse Projecte und Verheissungen wurden 
in die Welt hinausgerusen. Richard lxVallace, die Rothschild, suermondt, kurz 
die grössten sammler der VVelt, hiess es, würden ihre Schatze nach dem Prater 
senden. Was schliesslich zu Stande kam, war nichts von Alledem. Der sur die 
.Exposition des Amateurs ursprünglich bestimmte Raum wurde zum grössten 
Theile dem sich immer mehr ausdehnenden Platzbediirfnisse der modernen Kunst 
I 
U 
II 
eingeräumt; angef1chts der allgemein herrfchenden Confuf1on verzichteten die 
meiIken Staaten darauf, überhaupt Ansstellungen von alten Kunfiwerken einzus 
leiten, und fo wurde die Expolition des Amateurs eine fragmentarifche, fysten1s 
und 0rdnungSlofe Anhäufung von mitunter guten, vielfach aber ganz mittels 
mäfsigen und fchlechten Dingen, die der Zufall wie in einem Antiquitäten1aden 
zufammengewürfelt zu haben fchien. 
Die 0efierreichifche Abtheilung hatten in letzter Stunde die 4Herren 
Baron von sacken, Dr. C. Lind und A. von Camefina zufammenzull:e11en 
übernommen. Ihren Bemühungen gelang es wenigftens, eine Anzahl hervori 
ragender Werke herbeizufchaffen, und wenn He auch das Grundgebrechen, die 
Planlof1gkeit, aus ihrem Departement nicht Zu verbannen vermochten, f0xhaben 
sie doch viele bedeutende und fonft wenig zugängliche Kunstwerke den Befuchern 
vor Augen geführt. 
Wollen wir, bevor wir zur Befprechung des Einzelnen übergehen, die Bei 
theiligung der verfchiedenen Länder in kurzer Ueberlicht zufammenfaffen, fo Hand 
in erster Reihe in quantitativer und qualitativer Beziehung neben der cisleithanifchs 
öfterreichifchen die Expof1tion Ungarns da. Es gab da. eine Menge fehenss 
il 
l 
sT  
 
ll , 
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.