Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1902710
H  ZEICHENs UND KUNSTUNTERRlCHT. 485  
Die lVlünc1s1ener IsIandwerlcersFortbildungsschule glänzte vorzüglich im techns. 
schenLinearzeichncn; dem 0rnamente fehlte vielfach die Grazie. In den Zeichnungen 
welche vom polytechnischen Centralverein in Würzburg ausgestellt waren, konnte kein, 
besonderer Geschmack entdeckt werden. Die Erfolge des Zeichenunterkicht3 
an den übrigen Gewerbeschulen Bayerns Cvorzugsweise den sogenannten Kreiss 
gewerbeschulenJ waren imA1lgemeinen befriedigend; dagegen liessen die Leistungen 
der gewerblichen Fortbildungssehulen Manches zu wünschen übrig. Mit guten 
Resultaten waren nur die Tage.sschulen von Rosenheim und Regensburg vers 
treten; letztere Anstalt Ceine BaugewerkschuleJ hatte auch den Lehrgang in 
allen Secti0nen des Zeichnens klar illustrirt. 
Eine ganz untergeordnete Rolle spielt der Zeichenunterricht noch in den 
für allgemeine Bildung bestimmten Schulen Bayerns; am besten wird der Gegen. 
stand in den Cseit 1864 gegründetenJ Realgymnas1en gepflegt; die Ankka1ten 
von München und Regensburg hatten wohl die besten Leistungen aufzuweiscn 
nur wird im Allgemeinen das FigurensZeichnen mangelhaft betrieben, wie über: 
haupt die Lehrmittel in den bayerischen Zeichenfchulen noch Vieles zu wünschen 
übrig lassen. Ganz darnieder liegt der Zeichenunterricht in der Volls:sschule, wo 
ausser München nur noch an wenigen Orten diesem Bildungselemente Rechnung 
getragen wird. 
1n Betreff der Pflege des Zeichenunterrichts in den unteren und mjkUeken 
Schulen, sowie insbesondere in den gewerblichen Fortbilclungsschulen steht unter 
den deutschen Staaten wohl Württemberg am weitesten voran. Uebe1skafchend 
war es, auf der Ausstellung zu sehen, dass dort a1ler0rts mit nahezu gleich guten 
Erfolgen gearbeitet Wird; fe1bPc die jüngeren Schulen waren mit den l0benswers 
thesten Leistungen vertreten. Das Land besitzt gegenwärtig an I55 Orten C110 
Städten und 45 D6rfernJ gewerbliche F0rtbildungsschulen und für die weitem 
Ausbildung in den verschiedenen technischen und Kunstsachern die p01ytechnjkchc 
Schule, die Baugewerbschule und die Kunitschule in Stuttgart. Der Zeichens 
Unterricht wird allgemein auf der unteren Stufe mit den Herdtle7schen Vorlage. 
b1ättern begonnen, woran sich das Studium nach geometrischen plastisehen K6kpekn 
reiht; dann wird allmählig zum freien CGypssJ 0rnamente vorgeschritten. Für 
diese Zwecke wurde in der M0delliranstalt der königlich württembergischen Cens 
tralstelle für Gewerbe und Handel eine serie von mehr als 40o GYp3m0deHen 
angefertigt, die in ununterbr0chener Reihenfolge gleichsam den Lehrplan den 
Schulen dictiren. Die Motive bewegen sich ausschliesslicl1 im Geiste der Renaissance. 
Für das NaturblumensZeichnen reihen sich auch Abgüsse von Pflanzen etc. dck 
Sammlung an. Das f1gürliche Zeichnen wird nach antiken und modernen Vor. 
bj1dem gepflegt. Was die Technik des Zeichnens in den württembergischen 
Schulen anbelangt, so ist zu bemerken, dass durchwegs mit Kreide oder K0h1C 
auf weissern Papier gearbeitet wird, wobei selbstverständlich der Ton bis zum 
höchsten Licht fortentwickelt werden muss. Es ist diese Manier beinahe in ganz 
Deutschland üblich, obschon sie die meiste Zeit fordert und das get0nte P:pjek 
der Franzosen vorzuziehen wäre. Die Ausführung der Arbeiten war mitunter 
meisterhaft; es konnte nur die Geduld der Schüler bewundert werden  
freilich mit dem gleichzeitigen Bedauern über die darauf verwendete ,Zejt 
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