Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1902681
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ZElCHENs 
UND 
KUNSTUNTERRlC HT. 
Zweigen vorwärts zu helfen, bis im Jahre I872 das Handelsministerium sich der 
Sache warm annahm und im Verlaufe von nur einem Jahre schon 23 neue Kunsts 
schulen für industrielle Zwecke eröffnete Cbis dahin gab es im ganzen Reiche 
blos 10J, deren Resultate trotz der kurzen Zeit: ihres Bestehens sehr lobenswerth 
sind. Bedeutender in den Leistungen, ja mitunter hervorragend erschienen einige 
der schon früher gegründeten Anstalten, von denen die Glasinduftrieschu1en von 
steinschönau, Haida, Gablonz und vor allen die höhere Webeschule in Brijnn 
besonders hervorzuheben sind. 
Von den gewerblichen Fortb1ldungsfchulen waren vorzugsweise die Wiener 
mit ganz tüchtigen Leistungen vertreten; eine Reform derselben ist soeben im 
Vol1zuge; in der Zukunft werden diese Anstalten mit weniger Schwierigkeiten zu 
kämpfen haben, als es bisher der Fall war, da durch die Errichtung von vorbei 
reitenden Classen eine gleichmässigere Vorbildung der Schüler erzielt werden 
durfte. 
Von den höheren Baus und MaschinensGewerkschulen hatten die Anstalten 
von Wien und Prag vorzügliche Leistungen ausgestellt; auch die Baugewerkschule 
von .F. Märtens in Wien bestätigte ihr altes Renomme. 
Die AuSstellung der Kunstgewerbeschu1e des österr. Museums fand wähs 
rend der Weltausstellung in den Sälen des Mufeums selbst statt und bot in 
ihren brillanten Erfolgen ein klares Bild der modernen Bestrebungen. Der 
Bestimmung der Anstalt nach werden diejenigen Zweige der Kunst, welche 
mit den Gewerben in nächster Verbindung stehen, als die Hauptgegenstände 
betrachtet u11d gliedern sich die Lehrcurse nach folgenden Specialgruppen: 
II die Baukunst in ihrer Anwendung auf die Ausschmückung der Gebäude; 
2J die Bildhauerei; 3J das ornamentale und 4J das Hgürliche Zeichnen und Malen 
in ihren Beziehungen auf die Kunstgewerbe. Eine Reihe von technischen und 
wissenschaftlichen Nebenfächern verschaffen den Zoglingen die allseitige Ausbils 
dung, welche zu einem erfolgreichen Wirken im Kunstgewerbe nöthig ist. Von 
Seite der gewiegtesten Fachmänner, die während des internationalen Festes diese 
Arbeiten in Augenschein nahmen, fanden die Erfolge die reichste Anerkennung 
und das System, nach welchem die Schule arbeitet, wurde allgemein als musters 
haft für den kunstgewerb1ichen Unterricht bezeichnet. Die Entwickelung der 
Anstalt ist leider noch durch die gegebenen Räumlichkeiten beschränkt; naments 
lich der praktische Theil der Schule wird erst im vollen Umfange zur Geltung 
gelangen, sobald das neue Gebäude, welches fpeciell für die Kunstgewerbefchule 
errichtet wird, bezogen werden kann.  
VVenn wir hier auch einen Blick auf die Verhältnisse des Kunstunterrichtes 
in den Landen jenseits der Leitha werfen, so haben wir vorläufig nur die für 
die Pflege desselben getroffenen Verfügungen zu erwähnen. Es ist Thatfache, 
dass Ungarn im letzten Jahrzehnt mehr für die Ksunstpf1ege überhaupt gethan 
hat, als früher in Jahrhunderten geschehen war. samm1ungen wurden angelegt 
oder re0rganis1rt, Vereine zur Hebung der Kunst gegründet, Schulen errichtet, 
Stipendien creirt und reiche Aufträge heimischen Künstlern gegeben. Die Früchte 
dieser Bestrebungen hat jedoch erst die Zukunft zu bringen. 
Als Centralstelle für die Psiege des Kunstunterrichtes. im weiteren Sinne
        

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