Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1902206
 
DIE 
VERV1ELFÄLTIGENDEN 
KUNsTE. 
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originalen Ausnalimen des Meisters selbst hervorgegangen sind. Das kleine Bildniss 
Grillparzer7s, welches die Gesammtausgabe von dessen WVerken ziert, ist die zarte, 
masshaltende Wiedergabe einer frühen Dafsinger7scl1en Miiiiature. Einen gliDklichen, 
sehr lobenswerthen Schritt nach rückwärts machte aber Jacoby mit dem Brustbilde 
Rokitansky7s. Er geht darin von der des Kupferstiches unwürdigen GepHogenlieit 
ab, den Kopf des Portraites haltlos in der Luft oder vielmehr auf der weissen Papiers 
fläche hängen zu lassen. Mit Verleugi1ung seiner Reichthümer hatte der moderne 
Kupferstich diese bequeme AusHucht von der Armuth der Lithograpliie entlehnt. 
Jacoby giebt nun dem gestochenen Bildnisse wieder feinen farbigen 1sIiiitergrund 
zurück, dessen es bedarf, wenn es als fertiges modernes Kunstwerk und nicht als 
skizze und Bruchstück wirken soll. Eine solche skizzenhaste Darstellungsweise 
sei der Radirung, dem Holzscl1nitt und andern leichteri1 Arten der Technik uns 
verwehrt, dem schweren Kaliber des Grabstichels aber ziemen derartige Abs 
kürzungen nicht. Vielmehr erweist es sich dem Kupfersticlie vortlieilhaft, wenn 
auch der Grund noch durch irgend eine architektonische Umrahniung einges 
schlossen und zufammengehalten wird, wie dies Jacoby hier nach dem Beispiele 
der älteren classischen Meister wieder versucht hat. Eine andere, noch ungleich ers 
freulichere Neuerung  wenn wir die Rückkehr zu einer älteren, besseren 
Uebung so nennen dürfen  c0nstatiren Jacoby7s Bildnifse von Kaiser und 
Kaiserin, in ganzer Figur gestochen nach Winterlialter. Das Verdienst des 
Stechers steht hier um so höher, je weniger ihm der Maler vorgearbeitet hat. 
Immer wieder muss aber hervorgehoben werden, wie hoch die Gunst der Vers 
hältnisse anzuschlagen ist, welche dem Künstler einen so weitgehenden Austrag 
zu Theil werden liess. Vielleicht dass das seltene Beispiel doch Nachsolge findet 
und den Mächtigen dieser Erde die Wahrheit zu Gemütlie führt: dass sich Stands 
bildet oder Denkmäler aere perennius am besten mittelst der Kupferp1atte hers 
stellen lassenl . 
Einen sehr begabten Schüler Jacoby7s lernen wir in JohanniKlaus aus Wien 
kennen. Der noch unv0llendete Abdruck eines grossen stiches nach der aSchlacht 
von Kolinv von Sigmund L7Allemand, welclien der junge Künstler mit kaiserlicher 
Unterstützung ausführt, verspricht durch seine correcte Zeichnung und feinfühlige 
Abtonung einen schönen Erfolg. Die gleichen Vorzüge vermögen wir leider an 
den Radirungen desselben Künstlers, insbesondere an denen nach Canoii, Schmits 
son und Adolf Menzel nicht wahrzunehmen. Zum Gefolge Jacoby7s gehört auch 
der gewissenhafte, liebenswürdige Nürnberger Johannes Sonnenleiter, dessen 
uJunge Kätzchenis nach Knaus, uSpeckbacher und sein Sohns: nach Defregger 
und ciDie ereilten Flüchtlingev nach Kurzbauer überall gerne gesehene Gäste sein 
werden. In C. Es Forberg aus Düsseldors ist der WViener Stecherscolonie ein 
weiteres Talent zugewachsen. Dies verbürgt der gelungene Stich nach Vautier, 
mit dem er aus der Ausstellung debutirte. 
Eine seltene Begabung für die stilgerechte und doch zugleich auch maleriscl1e 
Wiedergabe von Architekturwerlcen besitzt Heinrich Bültemeyer aus Hameln 
bei Hannover. Die grosse, prächtige Ansicht des St. StephanssDoines, die er im 
lkaiserlichen Auftrage vollendet hat, ist, wie keine andere, des Wiener Riesenwahrs 
Zeichens würdig. Und damit auch die Landschast und das Thierstück feine Vers 
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