Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1901886
PLASTlK 
UND 
MALEREI. 
Effectes 
einen 
Seite 
äufserfken 
Unwahr11eit 
Gefühls 
anderen 
Seite 
untrennbar. 
Gerade bei Kindergestalten in mancherlei Situationen  und solche lieben 
diese Bildhauer ganz besonders dar7.ultellen  ist die Süsslichkeit am unanges 
nelimlten. Das beweisen manche Arbeiten von Pietr0 Guarniero, der nur zus 
weilen durch einen gewissen Humor versöhnt, wie in dem kleinen Buben, der mit 
äusserstem Widerwillen auf Befehl sein Gebet spricht. Durch die übertriebene 
Sentimentalität stösst auch die ausser0rdentlich elegante Costümsigur ab, die 
Guarniero für Rassael in feiner Jugend ausgiebt. Mitunter können wir uns trotz 
des Widerspruchs gegen die Richtung nicht dem Eindruck des echten Talentes 
und des glücklichen Wurfes verschliessen, wie bei Frances Co Barzaghi7s 
i:Vanarellaci, der kleinen Eitlen, die mit der langen Schleppe ihres Seidenkleides 
k0kettirt. Auch die Phryne desselben Künstlers gehört bei feiner Behandlung 
des Nackten zu den besseren Leistungen; das durch und durch Sinnliche, die ges 
heuchelte Scham, die zur schau getragene Nacktheit bringt das gewählte Motiv 
von selber mit sich. Bei Ginotti7s blinder Nidia  nach Btilivei9s s:letzten 
Tagen von Pompejiii  ist recht hübsch ausgedrückt, wie sie beim Blumens 
pflücken, oline zu sehen, ihren VVeg sucht, aber Blumen, durch die Mittel der 
Plastik möglichst i1aturalistisch dargestellt, sind allerdings ein eigenes Ding. Tans 
tardini, der sonst vorzugsweise Bewunderung gesunden, war diesmal besonders 
glatt und conventi0nell. Z0cchi7s junger Michelangelo im Eifer der Arbeit ist 
ein frisches und charaktervolleS Genrewerk. Auf das grössere Publicum übte eine 
Arbeit von Tabacchi Anziehung aus, welche für die äusserste Verirrung dieses 
italienischen VirtuOsenthums charakteristisch ist: eine Dirne im Debardeurc0stüm, 
welche, die Maske in der Hand, verfijhrerifch auf 
ba1ancirt  das Motiv im Stil mancher H0lzfchnitte 
dabei stiefe1chen mit hohen Abfätzen und Tric0t in 
einem zierlichen Tifchchen 
des oJournal amufantcc, und 
Marm0rl 
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Kein italienifcher Bildhauer hatte so durchfchlagenden Erfolg wie Montes 
verde mit feinem Gypsmodell: iiDr. Jenner, der an feinem Kinde die erste lmpfung 
vornimn1ta if. d. Abb. aufs. 96J. Auch hier tritt uns der äufserfte Naturalismus, die 
zu malerifche Auffaffung, die Bravour im Cofii.im entgegen, aber dabei ein fo 
kecker Wurf in der Auffaffung, eine so unmittelbare Lebendigkeit, dafs die 
VVirkung nicht ausbleiben kann. Die gefpannte Aufmerkfamkeit des Arztes bei 
der Operation, die charakterifiifche, haarfcha.rf der Wirklichkeit nachgebildete 
Bewegung der Rechten mit der Pincette, das Asicl1sEindrücken der Linken in das 
Fleifch des Kindes find meifterhaft gegeben, nur der nackte Knabe felbft, iwenn 
auch flott, ist nicht ganz fo glücklich und unmittelbar in der Bewegung. Von 
Monteverde war auch noch ein Co1umbus als Jüngling da, welcher neben Frans 
ceschini7s Trovat0re zu den bePcen Coftiimkiguren gehörte. , 
Nur in den Werken der Genreplaftik leisten die Italiener Beachtenswerthes, 
ihre Arbeiten höheren Stils werden wenig Theilnahme finden. Die beftechens 
den Reize der Technik fallen fort, fchon weil wir hier meist mit Gyps, Hatt mit 
Marmor, vorlieb nehmen mLiffen, das Gefuchte und Widrige bleibt mitunter, wie 
in Gallori7s Ner0 in Weibertracht, oder die Auffaffung geht nicht über das 
Conventionel1e hinaus, wie in Confani7s Victoria mit dem Schilde, Luccardi7s 
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THHTIMAwYZZ
        

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