Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1901846
PLASTIK 
UND 
MALERE1. 
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freilich das Bizarre auffuchendes Farbengefül1l aus. Ganz anmuthig ist eine Malerin 
in ihrem Ate1ier von D0menic0 Induno, ein htibfches Interieur. Zu den befferen 
hiliorifcl1en Genrebi1dern gehören Gambals Goldoni, der, auf der Gondel eins 
l1erfahrend, das venetianifche Volksleben betrachtet, Lod0vico N,0rfini,s 
Jacob II. von England, der des Herz0gs von Monmouth Bitte um fein Leben 
ZurLickweifk. Nicht ohne GeiPc fchildert Patini das wilde Treiben in Sa1vat0r 
RofaYS 
Atelier. 
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Eine merkwürdige Eigenfchaft der Italiener ist, dafs ihnen das Gefühl für das 
eigentlich Malerifche häutig fehlt, dafS He die Grenzen Zwischen dem, was der 
Dichtung und was der bi1denden KunPc zukommt, fo oft verkennen. Gar häufig 
ist ihre Abf1cht, bei Genrebildern dem Publicum eine rLjhrende Gefchichte zu ers 
zählen. Da wirft lich in Mi0n7s 1sHäus1ichersceneu ein junger Mann, etwa wie 
Goethes Clavigo, reuig zu den Fijfsen der einft Geliebten und Verlaffenen, die 
krank im LehnPcuhl f1tzt, von ihren tiefbetrübten Angehörigen umgeben. Ein 
andermal fehen wir, wie der Ge1dmenfch feine Tochter verhandelt hat, trotz der 
Thränen der Mutter und der armen Braut, trotz der innigen Theilnahme von 
Verwandten und Hausgenoffen. A1effandro Zezzos nennt fein Bilds11VVeder 
Gemahl noch Sohncc. Wer fol1 das der langweiligen fchwarzgekleideten Perfon 
anfehen, die steif wie ein Plättbrett und mit der gleichgLiltigften Miene von der 
weit d2iIehkx  
II 
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Auch bei den hisIorifchen Bildern fallen die Italiener häufig in den Fehler, 
das darstellen zu wollen, was durch den Anblick des Bildes selbst, ohne eine Ers 
klärung des Katalogs nicht verständlich. ist. Hieran leidet auch Z. B. die Ers 
mordung des BuOndelmonti von Eleuteri0 Paglia no, ein Bild, dem es weder 
an Lebendigkeit der Handlung, noch an Farbensinn fehlt; und bei dem ziemlich 
1ahmen grossen Bilde von Gianetti, das in dem internationalen Mittelsaal hing, 
Giovanni Barbarigo, welcher der Königin Maria von Ungarn die Freiheit wieders 
giebt, hat man eine gewöhnliche Theaterfcene ohne nähere Motivirung und ohne 
individuelles Leben vor sich. Ciseri7s Niedermetzelung der Maccabäer ist theas 
tralisch, aber gut aufgebaut, voll Haltung und Kraft der Farbe. Mitunter sehen 
wir auch in Figurenbildern jenen äufserPcen Naturalismus l0sbrechen, den wir 
bereits in der Landschaftsmalerei gefunden. Cammarano7s yEpif0de vom 20, 
September I870cc, eine InfanteriesAttake in überlebensgr0ssen, ganz von vorn ges 
schenen Figuren, ist von frappanter, doch geradezu brutaler VVirkung. Von einer 
unfreiwilligen Komik ist dagegen Lod0vico Bufi7:; gr0sses Bild: König Vittore 
Emmanuele, die Annexionen sanctionirend. Ein Künstler, der sonst kleine eles 
gante Genrebilder malt, ist hier über feine Sphäre hinausgegangen; eine grössere 
Lahml1eit und GeiPclos1gkeit lässt sich nicht denken; die Menschen sehen wie auss 
geskopfte Puppen aus. 0ffenbar das beste unter den grösseren Gemälden war 
Uffi7s Aufbruch der Pilger nach Mecca; das bunte Gewühl der Karavane, 
reich an cl1arakteristischen Typen, ist in scharfer Beobachtung und f1cherem males 
rischem Gefühl und voller Verwerthung der glühenden südlichen Beleuchtung 
geschildert. 
Aber nicht sowohl durch ihre Malerei haben die ltaliener Efsect gemacht 
als durch ihre Plastik. Die ist ein beliebter Modeartikel, ein Hauptverg31ügen 
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