Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1901604
PLAsTIK 
UND 
MALEREl. 
U 
zeigt einen Trupp Ges1ndel, der, auf der Strasse aufgegriffen, am Morgen von 
Soldaten nach der Wache transportirt wird; darunter gefährliche strolche, hers 
abgekommene Subjecte, ein verführter junger Mensch, der beschämt zu Boden 
blickt und von einer jungen Magd mit Schrecken erkannt wird. Durch diesen 
Zug kommt ein unmittelbar dramatisch wirkendes Element in die Scene. Eine 
gaffende Weibergruppe am Tisch der Hökerin und nachlaufende Kinder vollens 
den die Compos1tion. Munkacsy besitzt die Fähigkeit, das Di.istere und Niedrige 
im Dasein des Menschen sicher, sogar mit dramatischer Wucht Zu schildern. 
Aber eine Freudlos1gkeit, die furchtbar ist, breitet sich über feine Schopfungen 
aus, das Oede und Hässliche waltet überall ohne den leisesten vers6hnenden Zug. 
Noch auffallender als bei dieser dramatischen Compos1tion, in Welcher solche 
Auffassung sich durch den gewählten Vorwurf rechtfertigen lässt, ist die Einseitigs 
keit des Künstlers bei kleineren und schlichteren Compos1tionen, bei der Alten, 
welche Butter macht, bei der Heimkehr des Betrunkenen zu feiner Frau. Dies 
Bild ist durchaus widerwärtig. Der elende Lump, den ein Anderer heimführen 
muss, das ältere Kind, das auf dem Tische herumkriecht, das Weib mit dem 
Säugling an der Brust smd so dumpf und stumpf, dass man sich mit Ekel abs 
wendet; ein Gegenstand, den nur der Humor erträglich machen könnte, bleibt 
hier ganz in die Sphäre des Gemeinen gebannt. Auch die malerische Bel1ands 
lung von Munkacfy, wenn auch erstaunlich, ist doch nicht eine solche, die uns 
wahrhaft künstleriscl1 befriedigt. Die Breite der Pinselführung, die Fähigkeit, das 
Körperliche aller Figuren frappant heraustreten zu lassen, geht in das Aussers 
ordentliche, aber der starke Gebrauch von Beinschwarz, das Du1tere des Tons 
wirken ermiidend und führen zur Unwahrheit. Weder für das Morgenlicht auf 
der Gasse, wie es das erste Bild verlangen würde, noch für die Interieurwirs 
kung auf den anderen ist diese Haltung und Stimmung charakteristisch. Bei aller 
Anerkennung, die ein solches Talent fordert, wollen wir froh sein, dass unsere 
deutsche Volksmalerei andere Bahnen geht, dass sie in das tiefste GemLithsleben 
des Volkes, sei es ernst, sei es humoristisch, eindringt und die schlichte Wahrheit 
der Erscheinung über die Bravour setzt. 
Der Ueberblick über die deutsche PlaPcik mit Einschluss der osIerreis 
chifchcn bot im Ganzen kein bcfriedigendes Ergebnifs. Trotz einzelner ans 
erkennenswerther Leistungen fühlte man sich enttäufcht, man ver1nifste gr6fstens 
theils die Meister, auf welche wir als auf unsere besten stolz find, man hatte in dein 
V0rhandenen keinen Massstab für das, was geleistet werden kann und während 
der letzten Jahre auch wirklich geleistet worden ist. Das kümmerliche Material 
des Gypses uberwog, die Masse des V0rhandenen war gleichgültig und bedeus 
tungsloS, Schü1erarbeiten, welche auf eine Weltausskellung nicht hingehören, 
machten sich breit. Zu dem Besten gehörten immer noch die grossen monumens 
talen Werke, in denen der historische und realisiifche Charakter überwiegt; die 
ideale Plastik, welche in der Darstellung der schönen Menschengestalt ihr Ziel 
sieht, war spärlich vertreten. 
so kam es, dass aus der Weltausstel1ung die deutsche Plastik von der 
französischen in Schatten gestellt wurde, obwohl die Sculptur im französischen
        

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