Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897962
ll  
D1E 
AUsSTELLUN GSl3AUTEN. 
ungen unserer Altvordern mit Haarbeutel und AllongesPerriicke. Und es wäre 
nicht schwer, auch auf den Gebieten der Plastik und Malerei, sowie in den vers 
schiedenPcen Zweigen der gewerblichen Künste das Vorhandensein analoger Bei 
slrebungen aufzuweisen, deren Ziele man im Einzelnen verwersiich Enden mag, 
deren Existenz jedoch eine unabweisbare Thatsache ist. 
Um bei der Architektur sieben zu bleiben: so hat die Schule und hat jede 
purisiische Baugesinnung zweifellos ganz Recht, sich diesen Tendenzen gegenüber 
ablehnend zu verhalten. Man gebe der SpätsRenaissance die Herrschaft über die 
Bildung der architelctonischen Jugend in die Hand, und wir werden in 1ciirzesier 
Frist bei der absoluten Rohheit und völligen Entnati0nalisirung angelangt 1einI 
Anders ist die Sache, wenn man die specielle Aufgabe in7s Auge fasst, welche dem 
Architekteii unserer XVeltausslellungsbauten gesiellt war. Hier, bei der Gestaltung 
von Räumen, die dem Geistes der ganzen Mei1scliheit und dem Triumphe der 
Arbeit geweiht sind, hier galt es, Massen von gewaltiger Ausdehnung schnell in 
ein arcliitektonisches Fesigewand zu htillen, welches den Eindruck weltmännischer 
Eleganz und würdiger Pracht ausüben und zugleich den freundlichen Parkanlagen 
und landschaftlichen Umgebungen sich heiter und gefällig ansclimiegen sollte. 
Und gerade fur die Lesung dieser Aufgabe besitzt der gewählte Styl in der grans 
diosen Rliytlimik seiner auf rörnischer Grundlage beruhenden Massengliederui1g, 
in den kuppelf6rmigen, schön geschwungenen Dachabsch1cissen und in feiner zwar 
spielenden und äusserlichen, aber desshalb nicht minder anmuthigen 0rnamentilc 
Eigenschaften, wie sie kaum irgendwo sonst sich günstiger beisammen finden lassen. 
Der geschickte AnschlusS an das Bestehende, allgemein Verständliche und Ges 
fällige war wenigstens in diesem Falle gewiss richtiger als ein etwaiger Versuch, 
etwas ganz Absonderliches, Neues oder NationaIes zu schaffen, wie es uns Z. B. 
in den ungluckse1igen deutschen Annexen und Pavillons zur allgemeinen Vers 
wundcrung dargeboten wird. Wer von diesen kleinlichen, halb im Vogelbauers, 
halb im Fassbinderskyl gehaltenen, barbarisch bemalten Holzschuppen der Archis 
tekten Kyllmann und Heyden zu den Hauptbauten des AuSftellungsraumes 
emporschaut, wird zugeben müssen, dass er hier  bei manchem Zopsigen und 
Fluchtigen im Detail  denn doch eine wirkliche Architektur vor sich hat, 
die sich vor der VVelt sehen lassen kann. 
Zum Einzelnen Libergehend, werfen wir zunächst einen Blick aus die ziers 
lichen gedeckte11 Gänge, welche das EingangssPortal an der HauptsAllee mit den 
AussJcellungsbauten in.Verbindung setzen. Dies sind  im geraden Gegensatze 
gegen jene Anlagen der Berliner Architekten  wahre Muster eines an dass 
Material sirenge gebundenen und doch kijnstleriscl1 veredelten Holzbaustyles. 
Besonders gelungen, abgesehen von dem etwas iiberreich verzierten Haupteingange, 
finden wir die Eckpavillons und die dreigetheilten Durchfahrten der ,,Avenue 
ElisabethU.  
Der Urheber diefer H0lzbauten, Herr Architekt Gugitz, hat auch an dem 
Bau des KaifersPavil10ns das HauptverdienPc. Wie bereits bemerkt, haben die 
erPcen Firmen der Wiencr KunPcinduPcric Ach vereinigt, um diefe für den kaifers 
lichen Hof bePcimmteh Räume mit den KOPcbarkeiten ihrer Producti0n zu fchmiis 
cken. Das architektonifche Gehäufe iH: des prächtigc11Inl1alts würdig. Es Pcellt lich
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.