Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1901406
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PLAsTIK 
UND 
MALEREI. 
Die Mijncl1ener Schule hatte eine folche Fülle von Landfchaftsbildern ges 
liefert, dafs f1e fast ermÜdend wirkte, aber unter diesen waren Meisterwerke, wie 
die beiden Ifargegenden von dem nun verstorbenen Eduard Schleic11, wie die 
vier Gemälde ivon August Lier. Von letzterem fanden wir eine hochpoetifche, 
grofse Abendlandfcl1aft; nicht minder fchön sind zwei Seitens7cucke hohen Formats, 
ein einfamer herbsilicher Wald mit Pcillem Gewäffer in abendlicher Stimmung und 
ein Friihlingsbild: der Eingang eines Dorfes, Bäume, an denen die ersten Blüthen 
und Blätter fpriefsen, Schafe auf der Weide, ein altes Weib, das feines WVeges zieht, 
das Ganze ebenfo freudig und heiter wie jenes fchwermijthig in der Stimmung, 
endlich eine Landsirafse im Herbstregen, von aufserordentlich wahrer und fraps 
panter Beobachtung. Im Ganzen waren von den Münchenern viele conventi0nelle 
Alpenanf1chten vorhanden, um der iifchonen Gegendic, willen gemalt, aber auch 
eine Reihe guter Bilder, meist einfachen Charakters von Blau, Willroider, 
Paul Weber, Röth, Splittgerber, Pofchinger, Robert Schleich, 
Ebert, Rafch und Anderen, WVinterlandfcl1aften von Stademann, ein gutes 
Gletfcherbild von Steffan, eine fchone Walcllandfchaft von Kotfch. 
Der berühmte Thier1naler Friedrich Voltz war durch ein paar gute, neben 
früheren Arbeiten aber keineswegs ijberrafchende Gemälde vertreten. Als feine 
Nachfolger erfcl1einen Mali und Baifch, während Braith durch feinen derben 
Realismus und feinen kecken Vortrag, doch ohne vollkon1men ruhige malerifche 
Haltung, Eindruck macht. Als Muster im ThierftLick erfchien diesmal Otto 
Gebler, der die Schafe ganz unvergleichlich malt, nicht nur die Erscheinung mit 
merkwürdiger naturalistifcher Sicherheit fefthä1t, f0ndern auch des phyf1ognomis 
fchen Ausdrucks Herr ist und die Thiere wirklich als Individuen charakterif1rt. 
Das machte es ihm möglich, f1e hier in eine pikante, genrehafte Situation zu 
verfetzen; die Heerde, den Leithammel an der Spitze, nähert sich neugierig der 
Studie eines Malers, die Eins ihres gleichen darftellt, während der Hund in der 
Abwefenheit feines Herrn treulich lxVacht hält und eben bei vorläufiger Zurucks 
haltung den Augenblick abwartet, in dem er einzugreifen hat. Konnte man es 
auch für zweifelhaft halten, ob der Künstler recht daran that, feinen Gegenstand 
in dies Gebiet hinüberzufpielen, f0 ist es doch.hier jedenfalls mit dem herzhaftes 
Ren Humor und ohne ein Hinauffchrauben des Thierlebens Über feine Grenzen 
gefchehen. s4Von Berliner Thiermalern war der frtjhverPcorbene geniale S c h m itfon 
durch ein paar ältere Studien und Bilder repräfentirt; Brendel, 0ckel, Stefs 
feck erschienen in gew0hnter Qualität. Adolph Schreyer in Frankfurt a. M. 
bewahrte fein f1cheres malerifches Gefühl, feinen breiten, in franzof1fcher Schule 
gebildeten Vortrag, feine iiberzeugende Tonwirkung in mehreren Bildern, deren 
fchonstes ein wallachifcher Wagen bei trubem WVetter auf fumpsiger Strafse ist. 
 Unter den stillleben ist eine grof5ere Arbeit von Aug uste Schepp in Carlss 
ruhe, fehr fleiff1g und namentlich in der Behandlung der todten Vögel wahr und 
gediegen. Die Blumenmalerei fchiene für die Deutfchen fast eine untergegangene 
Kunst, wäre nicht des verstorbenen Victor Müller7s Blumenmädchen, mit 
feinem wundervollen Reichthum glühender Farben und feinem bezaubernden 
decorativen Gefchick vorhanden gewefen. 
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T,;
        

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