Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1901284
PLAsTIK 
UND 
MALEREI. 
Geschick, das er sich in der Schule von Piloty erworben, zugleich aber eine Eins 
sachheit, die nie mit den Mitteln prunkt und immer nur das giebt, was die Sache 
selbst verlangt.  
Diese Gesundheit, diese echt deutsche Richtung berührt uns um so ersreus 
licher neben manchen Versuchen jtingerer Münchener Genremaler, die, statt 
schlicht zu geben, was sie sehen und empfinden, sich in seltsamen malerischen 
Experimenten ergehen. Der hochbegabte Munkacsy wurde für Manche, wie 
Gustav Meier, wie Rudolph Hirth, in feiner Hopfen1ese, wie Spring, ein 
gefährliches Vorbild, mag auch das Talent namentlich der beiden letzteren uns 
verkennbar sein. Nennenswerthe Leistungen aus dem Gebiete der Volksmalerei 
waren dann besonders noch von Gabl, Eberle, Epp, H. Kauffmann, Kurzs 
bauer, den wir in den österreichischen Sälen wiederfinden, vorhanden. Von 
Anton se1tz sahen wir wieder ein paar jener höchst sauber und fein durchs 
gefiihrten, im Ausdruck anziehenden und lebendigen Bildcl1en, die seine Specialis 
tät sind. Der geistreichste unter den Mtinche11er Genremalern ist Eduard 
Grützner, zu dessen bekannten Kartenspielern ein allerdings sehr derb ges 
rathener Falstaff mit D0rtchen Lakenreisser auf den Knieen und eine prächtige 
Scene im Klosterkeller kamen. Der selig über dem Glase eingenickte Kellers 
meister, der wohlbeleibte, behäbige Prior, der alle Würde, deren er habhaft weiss 
den kann, ausbiefet, und der hagere Fanatilcer, der ihm den Uebelthäter zeigt, 
sind mit dem gliicklichsten Humor erfundene Charaktere. Griitzner,8 Einfluss 
sehen wir bei 0rtlieb, der uns Mönche in der Klosterkuche, der reichlichen 
Liebesgaben sich freuend, v0rfijhrt. Ueberhaupt haben viele Münchener Genres 
maler eine ausgesprochene Vorliebe dafür, Pfaffen und ihre Gesellen mit stark 
satirischem Zug zu den Hauptpersonen ihrer launigen Bilder zu machen, so 
R. S. Zimm e rmann, der uns eine hochkirchliche Deputatio11 in dem fiirsts 
lichem Vorzimmer ausmarschirt zeigt, und namentlich Matthias Schmidt, der 
die geistlichen Herren in Situationen, wie sie sur ihre Beziehungen zum Volke 
bezeichnend sind, schildert: beide so stark tendenzios, dass die ruhige künstlerische 
XxVirkung keine ungestörte ist, aber der letztere mit entschicdenem Geist u11d mit 
s1cherem malerischem Geschick. 
Der Piloty7fchen Schule, der direct oder indirect auch die meisten Ge11res 
n1a1er ihre Ausbildung verdanken, gehört auch Hermann Kaulbach an, der 
alf0 Wege geht, die von denen feines berühmten Vaters Wilhelm von Kauls 
bach fehr verfchieden find. Und doch trifft er manchmal wieder mit diefem 
zufammen; fein gr6fseres Bild, Mozart, der todtkrank der Probe feines Requiem 
beiw0hnt, erinnert durch die fehr fcharfe, auf die Spitze getriebene Charakteristik 
gerade an Wilhelm von Kaulbach7s frühere Zeit. Das Gefchick in der An0rds 
nung wie in der malerifchen Behandlung ist unverkennbar; schade nur, dafs ein 
giftigsunangenehmer Ton, motivirt durch den grünen Vorhang, durch welchen 
links das Licht fällt, über das Ganze ausgegoffen iPc. 1n dem zweiten Bilde 
,,Hanfel und Gretel bei der HexeU, ist der Ton des Märchens verfehlt, die Neis 
gung zur Karikatur fchlägt in das Fratzenhafte um. 
Der.jiingere Claudius Schraudolph erfreute uns durch eine c0loriflifch 
glückliche, anziehend aufgefafste scene aus dem ,,FauPcH, den Spaziergang am
        

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