DEUTsCHLAND,
OESTERREIcH
UND
UNGARN.
vorstechende Züge in der Compos1tion. Das Interessante ist nun aber gerade, zu
sehen, wie die beiden Meister, jeder feiner Natur entsprechend, aus diesem Vor.
Wurf etwas ganz Verschiedenes gestaltet haben.
Unter den Düfseldorfern steht den beiden vorigen Karl Hoff an Bedeutung
zunächst. Ausser einem kleinen Damenportrait und einem geistvollen Rococos
bildchen ,,Sub rosaU trat er hier wieder mit dem ersten grösseren Bilde auf, mit
welchem er durchschlagenden Erfolg hatte, der ,,Rast auf der FluchtH, welches
Schönheit der Farbe, glückliche malerifche Verwerthung des Costüms aus dem
I7. Jahrhundert, die Wahl eines novellistisch anziehenden Vorwurfs und eine
feine Spannung des Ausdrucks verbindet. Vom Altmeister Rudolph Jordan
und von Hiddemann fanden wir ihre bekannten Bilder aus der Nationalgalerie,
von Siegert den pikanten ,,LiebesdienstU. Wir erwähnen noch Lasc h, Plaths
ner, Ernestine Friedrichsen, Salentin, Geertz, der in feinem grossen
Bilde .,,die VcrurtheilungH versucht, auf der Bahn Von Munkacsy zu wandeln;
in Schilderung der Nachtseite des Volkslebens, bei breiter Behandlung und viel
zu viel Beinschwarz, nicht ohne Glück, aber ohne rechte Eigenthümlichkeit,
endlich Karl Schlösser in Weimar, der in zwei Genrebildern coloristische Kraft
mit Gediegenheit des Ausdrucks verbindet.
Unter den Berliner Genremalern fanden wir W. Gentz mit einigen trefflichen
Bildern egyptischen Lebens, Fritz VVerner mit mehreren jener scharfen
kleinen Gemälde im Coftüm des vorigen Jahrhunderts, Kraus und Fritz
Paulfen, der letzterem nacheifert. Von Friedrich Eduard Meyerheim,
der, in Richtung und Technik einer anderen Zeit angehörend, uns doch noch
immer durch feine stille Liebenswürdigkeit entzückt, waren zwei feine, faubere
Bildchen da. Paul Meyerheim hatte fast Alles ausgestellt, womit er seit Bes
ginn seiner Laufbahn Eindruck gemacht hat: die Menagerie mit ihrem behags
lichen Humor und ihrer seinen Beobachtung des Malerifchen, den holländischen
Antiquar, die savoyardenkinder, die drastische Schaffchur, endlich den Abend im
Walde, der eine seiner gediegensten Arbeiten ist und sich durch das echte Stimmungss
leben, durch das völlig ineinander Aufgehen der Landfchaft und der einfachen
Staffage, durch den schlichten Ernst, der doch poetifch wirkt, auszeichnet. Den
grösseren Märchenbildern gegenüber, die er und fein Bruder Franz zu decorai
tivem Zwecke gemalt, ist von vielen Seiten bemerkt worden, dass doch dem
behaglichen Realismus des Ersten, wie der pikanten Schilderung n1ittelalterlichen
Interieurs und Costüms bei dem Zweiten der Charakter des eigentlich Märchens
haften fehle. Aber das Rothkäppchen im Walde von Paul Meyerheim ist
und bleibt aller1iebst; bei so tüchtiger Behandlung so viel unbefangenes, frisches
Leben und so viel gemüthvolle Freundlichkeitl
Den Berlinern ist endlich Wilhelm Riefstahl, jetzt in Carlsruhe, anzus
reiben, von dem wir drei bedeutende Werke vorfanden, die Morgenandacht der
Pasfeyerer Hirten aus der Nationalgalerie CI864J, die ihm zuerst seine jetzige ki,jHfk.
1erische Stellung schuf, den Allerseelentag im Bregenzerwalde, diesen Friedhof
in wohlthuender Abendbeleuchtung C1869J und ein Hochthal am Säntis mit einer
Trauerversammlung vor einer Bergkapelle. Dies letzte Werk, von erheblichen
Dimensionen, gehörte zu.den wichtigsten Bildern der deutschen Ausstel1ung und
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