Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1901251
DEUTsCHLAND, 
OESTERREIcH 
UND 
UNGARN. 
vorstechende Züge in der Compos1tion. Das Interessante ist nun aber gerade, zu 
sehen, wie die beiden Meister, jeder feiner Natur entsprechend, aus diesem Vor. 
Wurf etwas ganz Verschiedenes gestaltet haben. 
Unter den Düfseldorfern steht den beiden vorigen Karl Hoff an Bedeutung 
zunächst. Ausser einem kleinen Damenportrait und einem geistvollen Rococos 
bildchen ,,Sub rosaU trat er hier wieder mit dem ersten grösseren Bilde auf, mit 
welchem er durchschlagenden Erfolg hatte, der ,,Rast auf der FluchtH, welches 
Schönheit der Farbe, glückliche malerifche Verwerthung des Costüms aus dem 
I7. Jahrhundert, die Wahl eines novellistisch anziehenden Vorwurfs und eine 
feine Spannung des Ausdrucks verbindet. Vom Altmeister Rudolph Jordan 
und von Hiddemann fanden wir ihre bekannten Bilder aus der Nationalgalerie, 
von Siegert den pikanten ,,LiebesdienstU. Wir erwähnen noch Lasc h, Plaths 
ner, Ernestine Friedrichsen, Salentin, Geertz, der in feinem grossen 
Bilde .,,die VcrurtheilungH versucht, auf der Bahn Von Munkacsy zu wandeln; 
in Schilderung der Nachtseite des Volkslebens, bei breiter Behandlung und viel 
zu viel Beinschwarz, nicht ohne Glück, aber ohne rechte Eigenthümlichkeit, 
endlich Karl Schlösser in Weimar, der in zwei Genrebildern coloristische Kraft 
mit Gediegenheit des Ausdrucks verbindet. 
Unter den Berliner Genremalern fanden wir W. Gentz mit einigen trefflichen 
Bildern egyptischen Lebens, Fritz VVerner mit mehreren jener scharfen 
kleinen Gemälde im Coftüm des vorigen Jahrhunderts, Kraus und Fritz 
Paulfen, der letzterem nacheifert. Von Friedrich Eduard Meyerheim, 
der, in Richtung und Technik einer anderen Zeit angehörend, uns doch noch 
immer durch feine stille Liebenswürdigkeit entzückt, waren zwei feine, faubere 
Bildchen da. Paul Meyerheim hatte fast Alles ausgestellt, womit er seit Bes 
ginn seiner Laufbahn Eindruck gemacht hat: die Menagerie mit ihrem behags 
lichen Humor und ihrer seinen Beobachtung des Malerifchen, den holländischen 
Antiquar, die savoyardenkinder, die drastische Schaffchur, endlich den Abend im 
Walde, der eine seiner gediegensten Arbeiten ist und sich durch das echte Stimmungss 
leben, durch das völlig ineinander Aufgehen der Landfchaft und der einfachen 
Staffage, durch den schlichten Ernst, der doch poetifch wirkt, auszeichnet. Den 
grösseren Märchenbildern gegenüber, die er und fein Bruder Franz zu decorai 
tivem Zwecke gemalt, ist von vielen Seiten bemerkt worden, dass doch dem 
behaglichen Realismus des Ersten, wie der pikanten Schilderung n1ittelalterlichen 
Interieurs und Costüms bei dem Zweiten der Charakter des eigentlich Märchens 
haften fehle. Aber das Rothkäppchen im Walde von Paul Meyerheim ist 
und bleibt aller1iebst; bei so tüchtiger Behandlung so viel unbefangenes, frisches 
Leben und so viel gemüthvolle Freundlichkeitl 
Den Berlinern ist endlich Wilhelm Riefstahl, jetzt in Carlsruhe, anzus 
reiben, von dem wir drei bedeutende Werke vorfanden, die Morgenandacht der 
Pasfeyerer Hirten aus der Nationalgalerie CI864J, die ihm zuerst seine jetzige ki,jHfk. 
1erische Stellung schuf, den Allerseelentag im Bregenzerwalde, diesen Friedhof 
in wohlthuender Abendbeleuchtung C1869J und ein Hochthal am Säntis mit einer 
Trauerversammlung vor einer Bergkapelle. Dies letzte Werk, von erheblichen 
Dimensionen, gehörte zu.den wichtigsten Bildern der deutschen Ausstel1ung und 
D 
H 
N 
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