Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1901188
PLASTIK 
UND 
MALEREI. 
H 
Scenerie bildet. DiefeS Gemälde kann ebenfowenig wie J0hn Knox vor den 
Bilderftürmern oder wie Falstaff mit den luftigen VVeibcrn, ein Bild, dem der 
feinere, unbefangene Humor fehlt, für die wahren malerifchen Qualitäten von 
I,indenfchmit ein ZeugnifS ablegen. Man mufste lich freuen, hier auf,s Neue fein 
früheres Werk, Hutten im Streit mit franzöf1fchen Edelleuten, zu fehen. Zwar 
besteht der hifl:orifche Moment hier nur in einer Prügelfcene, aber die kecke, 
trutzige Hauptgefialt ist höchst lebendig und charakteriftifcl1 erfunden und die 
coloristifche VVirkung ist ebenfo glänzend wie energifch. 
Nicht ohne krankhaften Zug find die neuen Arbeiten von Ga7briel Max, 
aber die tiefe dichterifche Empfindung, die jedem feiner Bilder zu Grunde liegt, 
hat bei aller modernen Sentjmentalität ihren Reiz, und Max besitzt die n1alcris 
fchen Mittel, um die lyrifchen Stimmung.smomente, auf die es ankommt, wirkfan1 
zur Erfcheinung zu bringen. Keines feiner jetzigen Bilder ift fo bedeutend wie 
feine chrifIliche Märtyrerin am Kreuz, keins so zart und duftig wie fein Adagio, 
um an diefc Werke aus den letzten Jahren zu erinnern, aber fein Bild vVerblühtci 
 das Mädchen, das nach der Rückkehr von FePc und Jubel, während fchon der 
Morgen durch die Scheiben blickt, aus ihrem Bette sitzt und, im Begriff, den 
glänzenden Flitterstaat vollends abzuftreifen, fchmerzlich über ihre cntfchwindende 
Jugend nachf1nnt,  ift klar und treffend in pfychologifcheri lsIinf1cht. Nicht in 
gleichem Mafse kann man das von dem vFrühlingsmärchenu fagen. XsVarm und 
fchlicht ifi das ssStilllebenci, die f1nnige Clavierfpielerin im einfamen Gemach. 
Die poetifche Wirkung ergiebt f1ch leichter, wo der Künftler nicht aus der 
Gegenwart, fondern aus einer früheren Zeit feine Vorwürfe holt, wie in dem 
blinden Mädchen, das am Eingange der Katalcomben den Befuchcrn die Lampe 
darreicht. Gretchens Erfcl1einung in der Walpurgisnacht, mit dem rothen Streifen 
am Halfc, fest an den Felfen gedrückt, effectvo1l beleuchtet  das gr6fste diefer 
Bilder  geht völlig in das Seltfame über, wirkt aber durch den gefpenfiifchen 
Reiz auf die Phantaf1e. 
Leider 
Grund, dafS 
haben wir in der modernen 
bedeutende Talente mitten in 
Kunsk fo oft 
ihrem Streben 
zu der. Wahrnehmung 
den Halt verlieren und 
einer krankhaften Anwandlung unterliegen. Eine folche fpricht aus den Bildern 
des verstorbenen Victor Müller, der lxValdnyrnphe, dem Ad0nis, bei aller 
originellen coloriiXifchen Kraft, bei unläugbar packenden Zugen. Durch und 
durch krank erfcheint der scl1weizer Arn0ld B6cklin, der hier im Kreife der 
Münchener auftritt. VVo find die Tage hin, in welchen er jene Landfchaften und 
StimmungSbilder der Galerie Schack hervorbrachteP Sein Centaurenkan1pf, von 
unleugbar dämonifcher Gewalt, ift doch fchon von einer grenzenl0fen F0rml0f1gs 
keit. Und nun gar feine Pietäl Eine zerflielsende muf1kalifche Empfindung rifs 
den Künstler hin; die äufserfte Leider1fchaft des schmerzes, den nahenden Trost 
wollte er in zauberl1aften Lichtwirkungen darPcellen, aber ihm zerrann dabei jede 
Geftalt, die Farbenwirkung ward zu einem b1ofsen Feuerwerk. 
Ganz anders Hand ein dem Ebengenannten in früheren Beftrebungen nahe 
verwandter Künstler, Anfelm Feuerbach, da. Man fah nicht feine grofSen 
Arbeiten der letzten Zeit, die erft fpäter vor die Oeffentlichlceit getreten find, 
fondern nur die vor Kurzem für die Stuttgarter Galerie erworbene, unfern 
II 
j
        

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