Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1901015
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FRANKREICH. 
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französischen Bildhauern am besten und geben die sicherste Gelegenheit, ihr 
Naturgefühl und ihre Empfindung für die Form zu bewähren. Durch lebendigen 
Rhythmus der Bewegung zeichnen sich Gauthier7s junger Wilddieb und Pek. 
raud7s Erziehung des Bacchus aus, während dessen Gestalt der Verzweiflung 
gut durchgebildet, aber kalt im Ausdruck ist. Der verstorbene Protl1eau ers 
scheint in feiner Gruppe vUnfchuld und Lieben, eine Mutter mit ihrem Kinde, 
etwas zu glatt, während B0isfeau in einer Gruppe zu Chateaubriand,s Attala, 
die junge Wilde, ihr todtes Kind beweinend, es bei zart behandelten Formen zu 
einem tieferen Ausdruck der Empfindung bringt. Bei Connyls Gruppe vBrüders 
liche Lieben, die schon I86y in Paris ausgestellt war  das Aufnehmen eines 
Verwundeten darstellend se kann man trotz des gediegenen Studiums, das man 
hier erkennt, sich nicht über das Schwere und Mafsige der Körperbildung hins 
wegsetzen. Die vSchläfrigkeittc von Etienne Leroux, eine im Sessel sich 
streckende, sich entkleidende Frauengestalt, ist bei aller formalen Tüchtigkeit 
doch zu gewöhnlich im Motiv und zu nüchtern in der Empfindung. Aizelin7s 
zarte Figur der trauernd sitzenden Pfyche mit der Lampe macht sich in Bronze, 
wie man sie in der Ausstellung von Barbedienne fah, vielleicht noch schöner 
als in Marmor. Ein neues Gypsmodell desselben Künstlers stellt in einem ans 
muthigen Seitenstück hierzu Pfyche mit dem Kästchen dar. VVir erwähnen noch 
die stehende Psyche von Peifser, die gefällig aufgebaute Gruppe oQuelle und 
Bachu von Chatrouffe, und das junge Mädchen am Brunnen von Trupheine, 
sehr sein in der Auffassung des jugendlich holden Körpers. Mirabeau7s Sta11ds 
bild von demselben Künstler ist zu rhetorifch. Bei,der Marmorstatue des Mars 
fcl1a1ls Peliffier von Crau1c war das Gewöhnliche, ja Brutale der Persönlichkeit 
nicht zu überwinden, während die geistvolle Büste Samson7s von der Comedie 
Franc;aise Crauk7s Meisterfchaft im Bilclniss bekundet. Unter den historischen 
Portraitliguren steht Caudron7s sitzende Marmorgestalt in erster Reihe. Er hatte 
allerdings an Houdon7s Büste ein wunderv0lles Vorbild, aber er zeigt sich dessen 
in der geistvollen Auffassung des Kopfes, der Noblesse und glücklichen Leicl1tigs 
lceit der Haltung und der n1eisterhaften Ausführung Werth.  
Weit überlegener, als in den Marmorwerlcen, trat uns aber die französische 
Plastik in den BronzesArbeiten entgegen. DieiFranzosen haben zunächst das sichere 
Gefühl dafür, welche Gattung von Arbeiten für Marmor, welche für Bronze ges 
eignet sind. Sie wenden letztere in solchen Fällen an, in denen der Charakter sich 
nicht sowohl dem Anmuthigen, Weichen, IdealsScl1öi1en, als dem entschiec:len 
Realistifchen, dem StraffsEi1ergischen oder auch dem KeclcsHumoriftifchen 7.uneigt. 
Gerade nach dieser Seite hin find sie aber vorzugsweise begabt. sie wissen ausserdem 
die Bronze vorzüglich zu behandeln, nicht nur im Guss, sondern auch in der 
Ciselirung. Da finden wir stets die sorgfamste Durchführung, die grösste Sicherheit 
in der Bearbeitung des gegossenen Stüclcs mit Meissel, Feile und Bunzen, eine 
Behandlung, welche dem Stoff gerecht zu werden, die Gewaiidung, das Haar, die 
nackten Theile charali:teristisch durchzubilden versteht. In der französischen Abs 
theilung des Industriepalastes gehörten die Bronzen zu dem Interefsantesten, die 
Ausste1lung von Barbedinn.e an der spitze. In der grossen R0tunde sah man 
die Producte der GiesSerei von Thiebault 8z sils, darunterJacque1nart, s Löwen
        

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