Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1900895
 
FRANKREICH. 
I 
Kraft durch den VViderfchein einer indirecten Beleuchtung gemäffigt wird, hebt 
sich die Figur.von einem glitzernd hellen Hintergrunde ab, der Vorhalle eines 
alhambraartigen Gebäudes, auf dcffen Wänden die Arabeskc erglänzt und die 
unzähligen Erhebungen der gemalten und vergoldeten Stuckverzierungen in einem 
fahlen Lichte fehimmern. Wenn man von der weifsen Binde abf1eht, die die 
Stirn der Figur heraushebt, ist die Wirkung erftrebt durch den wohlthuenden 
,Gegenfatz analoger Farbenwerthe, indem das verblafste Rofa mit dem bräuns 
lichen Roth zufammenquil1t, das Orange mit den Vergoldungen. 
streng genommen hätte es Regnault hierbei können bewenden laffen, aber 
unverzagt bis zur Unklugheit hat er für den untern Theil feines Gemäldes ein 
ganz anderes System zu Grunde gelegt. Die weifSen Treppenftufen, die purpurs 
rothen Flecken des strömenden Blutes, der leichenhafte und fehen in7s Gräu1iche 
fchillernde Kopf, der Körper des Enthaupteten, luXuriös in ein Gewand von 
grüner Seide gekleidet, deffen fchreiende Farbe noch durch einen hochrothen 
Gürtel gehoben wird,  all das bildet ein Enfemble von starken und lebhaften 
Farbenwerthen, die f1ch gegenseitig durch ihre Nebeneinanderftellung steigern, 
und die  wenn man den Fall unter dem Gesichtspunkte der literarifchen Kates 
g0rien betrachten wollte  wohl als ein einigermaffen wunderbares Mittel für 
den Ausdruck der Gemüthserfchütterung erfcheinen dürfte, welche eine fo tief. 
traurige Scene hervorbringen follte. Das Drama fpricht hier nicht feine natürs 
1iche Sprache, und man könnte in diefer Combination von Tönen eine bis Zum 
Paradoxen kühne. Gefuchtheit fehen. Unter dem einfachen Gef1chtspunkte 
der Co1orjftik hat der Urheber der vHinrichtung ohne Urtheilcc zwei Bilder in einem 
geliefert. Das Auge wird ein wenig beunruhigt durch diefen neckifchen Gegenfatz 
in f1ch.XJ 
Und wenn es nur das Auge wäreI Aber das Gemüth wird in einer VVeife 
gepeinigt durch diefe Darstellung, die kaum zu überbieten fein dürfte. Selbst der 
franzöf1fche Kritiker, deffen Worte ich unten wiedergegeben, hat etwas davon 
gemerkt, wenn er fagt: iiDies iGemälde war in dem Werke Regnault7s ein neuer 
Beweis nach fo vielen anderen, dafs er die Dinge nur fah und fehen wollte von 
ihrer malerifchen Seite, und dafs er nicht bis zur Seele in die Tiefe drang. Un. 
zweifelhaft zeigt sieh eine Spur von Gedanken in dem Portrait Prim7s; aber er 
giebt nichts mehr der Art in feiner Judith; in der Salome ist er unfafsbar; fehr 
wenig ist davon in der vHinrichtung ohne Urtheilu vorhanden. Das Dramatifche 
war nicht das Gebiet Regnault1s, und obgleich sie ihn verfchwenderifch ausges 
stattet, hatte die gütige Fee unter ihren Gefchenken die Gabe der Thränen 
    
I 
H 
VII Das vorstehende, faft wörtlich genaue Uebersetzung der Schilderung des Bilc1es in dem von Pzu1 
Ms.ntz verfafsten Auffatze der ,,Gazette des BeauxsArtsU über HenriRegnault C1872, I, P. 81 fg.J, kann 
dem k:1eutfchen Leier als eine tretTencle und an üch vorzügliche Probe der franzölifchen, den tecl1. 
11ifche11 Gelicl1tspunkt Vor jedem andern, faft mit Ausfc:hlufs jedes andern, zur Geltung bringendeH 
Kunftlcritik gelten. Es thäte nur gut, wenn auch wir diefer Seite der Beurtl1eilung mehr Rechnung 
trügen, als bis jetzt meiftentheils gefchiel1t. Leider geben in diefer Beziehung gerade die in Deutfch1kmd 
der Kritik waltenden Kiinftler ein nichts weniger als g1än2e11des Vorbild. 
II  W ll
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.