Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1900881
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MALEREI. 
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sehen, d. h. mit instinctiv sicherm Blicke die wirkungsfähigen Bilder in dem 
flüchtigen Wechsel der wirklichen Erscheinungen zu erkennen und festzuhalten. 
Es wird wenig Mustergültigeres nach diesem Grundsatze getroffen werden, als dieser 
Prim, und ich stehe nicht an, ihn nicht bloss für das bedeutendste Werk 
Regnault7s zu erklären, sondern es zu den hervorragendsten, bezeichnendsten, 
vollendetsten Kunstwerken zu reihen, welche das letzte Jahrzehnt hat entstehen 
sehen.  
Die sranzös1sche Kunstverwaltung  das versieht sich von selbst  bringt 
es mit sich, dass dieses Bild  wie alle als Markzeichen der modernen Kunsts 
richtung in Frankreich sich darstellenden Kunstwerke gdem Staate gehört. Man 
ist dort längst so klug, in dieser Richtung lieber zu viel als zu wenig zu thun, 
und das, was sich unter dem Angekauften nach Jahren und Jahrzehnten etwa als 
im Momente der Entstehung und der Erstehung überschätzt herausstellt, lieber 
entweder auszuschliessen oder an die zahlreich bestehenden ProvinzialsMuseen 
abzugeben, als die Hauptsammlungen des Staates in die peinliche und lächers 
liche Lage zu versetzen, hinterdrein auf die epochemachenden Arbeiten der Vers 
,gangenheit Jagd machen zu müssen, und dabei dann auf das zufällig noch Käufs 
lichessalso auf die ybeaux restesu statt auf die s7prernicescc der Kunstproduction  
angewiesen zu sein und gleichwohl in die Hohe geschraubte Preise zahlen zu 
müssen, nachdem der Künstler selbst nicht selten bei Lebzeiten aus Mangel an 
Absatz zu annehmbaren Bedingungen  namentlich für grössere Arbeiten  in 
Noth.gerathen, mindestens an der vollen, freien Entfaltung seiner Fähigkeiten 
gehindert worden war.  
Das bemerkenswertheste Werk Regnault7s nächst diesem Prim, seine Salome, 
machte die VViener Ausstellung nicht weitern Kreisen bekannt, dagegen sein 
letztes grosses Bild, in Tanger, als Nachwirkung der in Spanien und in Afrika 
empfangenen Eindrücke, während des Sommers 187o entstanden und eine Hins 
richtung ohne Urtheil unter den mauriscl1en Königen zu Granada darstellend. 
Am Eingange eines maurischen Palastes hat ein grosser Henker mit bronzesarbenem 
Teint, angethan mit einem langen rosafarbenen Rocke, sein unseliges Geschäft 
vollzogen. Zu seinen Füssen liegt in jener überwendlicl1en undungeschickten 
Stellung, welche, wie man sagt, den Gliedern der Enthaupteten eigen ist, der 
Leichnam einer prächtig gekleideten Persönlichkeit. sein Haupt, blutlos und 
bleich, ist aus die untersten Stufen der im Vordergrunde besindlichen Treppe ges 
rollt; eine grosse rothe Blutlache breitet sich über die weissen Marmorplatten aus. 
Der ausrechtstehende Henker, ungemein stolz und befriedigt, sein Amt nacl1sallen 
Regeln der Kunst geübt zu haben, wischt gleichgültig die kaum benetzte blitzs 
helle Klinge seines Yatagan an dem Zipfel seines Gewandes ab. 
In diesem Vorgange, welchen1 ein Delacroix 11atijk1jch eine Wek1dung zum 
Tragischen gegeben hätte, und der in der That nicht übermäss1g heiter ist, hat 
Regnault in erster Linie eine Gelegenheit erblickt, gewisse Farbenverbindungen 
Zu probiren, eine in der salome noch nicht dagewesene Harmonie der Tone. 
Der Scharfrichter hat, wie schon gesagt, die bräunlichen Fleischtöne der Asrikaner; 
sein Gewand hat eine Farbe ähnlich derjenigen halbverwelkter Rosen; ein schmäler 
weisser Linnenstreis umzieht seine Stirn. So in einer Tonleiter gehalten, deren 
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