Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1900804
PLAsTIK 
UND 
MALEREI. 
H 
I 
ziemlich gutem Anstande im grossen Stoffe bewegen, unselbständige und im 
höheren Sinne unproductive, wie etwa Eugene Lenepveu Cum für beide 
Arten etwas ältere Namen, deren Entwickelung zu übersehen ist, beizubringenJ, 
sich doch durch eine gewisse Unanstössigkeit und äussere Zuverlässigkeit als brauchs 
bare Kräfte empfehlen können. 
.Ueber dem Allen aber schwebt herrschend und bestimmend jene grossartige 
Kunstgesinnung der Franzosen, in der sie allerdings auch eine gewisse Aehns 
lichkeit mit den alten Römern haben, mit dem ungeheuer wesentlichen Unters 
schiede jedoch, dass es ihnen an wirklicher Begabung zur künstlerischen Producs 
tion und zu schöpferischem Auftreten nicht gleich jenen gebricht. Dadurch hat 
bei ihnen, und zwar unter allen modernen Völkern bei ihnen einzig und allein, 
die Kunst in Staat und Gesellschaft diejenige Stellung, die ihr bei einem Culturs 
Volke ersten Ranges gebührt, die ihr vorzuenthalten das Zeichen ist, dass dem 
betreffenden Volke zu einem Culturvo1ke ersten Ranges doch noch etwas fehlt. 
Nur um nicht missverstanden zu werden, nicht um uns über uns selbst zu 
täuschen und zu trösten, sei ausdrücklich bemerkt, dass natürlich nicht die Würs 
digung der Kunst im öffentlichen Leben der Nation allein schon ein positives 
Kriterium sür den Rang eines Culturvolkes abgeben kann.  
Ein weiteres Eingehen aus Einzelheiten aus dem Gebiete der sranzösischen 
Monumentalmalere1 wollen wir uns  als relativ unerspriesslich  erlassen, 
ja selbst der Plastik an dieser Stelle nur eine kurze Erwähnung zu Theil werden 
lassen; und zwar aus zwei Gründen. Einmal ist die Bilclhauerkunst ihrer Natur 
nach wesentlich monumental, und ihre Uebung in monumentalem Sinne begrüns 
det daher nicht eine so durchgreifende und entschiedene Theilung der Prodiiction, 
wie im Gebiete der Malerei. Zweitens aber darf sich die sran7.ösische Sculptur 
nicht nur nicht der gleichen kraftvollen Blüthe rühmen, wie die Malerei  sie 
steht in der modernen Welt ja immer und überall hinter der letzteren zurück,  
sondern sie hat auch nicht einmal relativ eine ähnliche Bedeutung erlangt. Die 
Plastik ist eine spröde Kunst und verträgt keine gewagten Experimente. Sie ist 
daher wohl gelegentlich durch überkühne Neuerungen aus den Fugen gegangen, 
aber ein classischer moderner Typussss wie in der deutschen Kunst durch Thors 
waldsen und die Schad0wsRauch7sche Schule  ift dort nicht pr0ducirt worden. 
Ein sicheres, selbstbewusstes Können hat sie mit der Malerei gemein  es stammt 
bei Beiden aus gleicher Quelle. Eine gewisse Unverzagtheit im Wurf ist auch ihr 
aus diesem Grunde eigenthümlich. Der einzelnen Künstler Erwähnung zu thun, 
kann hier unterlassen werden. Nur Francisque J0feph Durst, der form. 
gewandte Meister des h. Michael mit dem Drachen, an der Fontaine St. 
Michel, und zahlreicher anderen öffentlichen Denkmäler in Paris, der fein etwas 
theatralisches Wesen durch nicht forcirte Grösse der Erfindung und entschiedenes 
Schönheitsgesühl  freilich ohne die Gabe tieferer Charakteristik  in Vergessens 
heit bringt, mag an dieser Stelle seines Lobes verdienten Antheil erhalten. 
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