Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1900697
 
FRANKREICH. 
noch der besondere Antrieb gekommen ist, jede Spur einer Scharte auszuwetzen, 
fo ist von allen Seiten eine Rührigkeit und 0pferwilligkeit an den Tag gelegt, 
die es bewirkt hat, dafs kaum ein irgendwie klangv0ller Name aus der jetzigen 
Künstlergeneration auf der Weltau;stellung unvertreten war; und dabei hat 
Frankreich es möglich gemacht, dafs fast kein Werk von der AuSstellung von 
l867 hier wieder erfchienen ist. Namentlich die bedeutendsten Künstler, ein 
Meiffonnier, Ger6me, B0uguereau, B0ulanger u. f. w., auch die berühmten Pors 
trätmaler, wie Cabanel, Duran, Nelie Jacquemart u. A. treten mit durchweg neuen 
VVerken auf. 
In ihrer Gefammterscheinung zeigt diefe modernste franzöf1fche Kunst wies 
derum, dass das künstlerische Können und Wissen sich dort einer Pflege erfreut, 
wie vielleicht nirgend sonst wo. Jeder Meister selbst zweiten und dritten Ranges 
ist bewufst und klar in feinen Zielen und beherrfcht ficher und gewandt die zu 
feinem Zwecke erforderliche Technik; Unfertigkeiten in Zeichnung und Pinfels 
führung kommen nicht vor, absolute Thorheiten, gräuliche Fadheiten und Alberns 
heiten, wie f1e anderwärts wohl vorgeführt zu werden pflegen, gehören hier fo 
zu den Ausnahmen, dass man vielleicht sagen kann, man findet f1e gar nicht, 
abgefehen natürlich von einem Gef1chtspunkte, auf den ich nach diefem der Alls 
gemeinheit gefpendeten Lobe hinweifen muss. Der technischen Meisterfchaft steht 
nämlich ein Mangel an einfach natürlichem Gefühl, an wahrhaft künstlerifchen 
Ideen gegenüber, und es wird diefem Mangel mit einem Hafchen nach den 
pikantesten, barocksten, mitunter abstossendsten 5ujets abzuhelfen gefucht, so dass 
man sich einem Gefühle der Unheimlichkeit und der Befremdung in den Räumen 
der französischen Kunst kaum entziehen kann. Aber diese Schwächen.werden 
durch jene guten Eigenfchaften fast in Vegeffenheit gebracht, deren inniger Zug 
fammenhang mit der Cultivirung einer wahrhaft grossartigen nationalsmonumens 
talen Kunst vorher ausgeführt ist. Liegt es doch auch gar nicht so fern, die 
unnatürlichen Appetite, welche sich in der Auswahl der Stoffe kundthun, auf 
die ungefunde Temperatur der gefellschaft1ichen Atmofphäre während der letzten 
Decennien zurückzuführen, und wenn man auch in den augenblicklich herrfchens 
den Zuständen Frankreichs noch keine Gewähr für eine gefundere Luft finden 
kann, in welcher die Kunst ruhig Athem fchöpfen könnte, fo ist doch die 
Rückkehr zu foliden Zuständen immerhin näher gerückt, als noch vor wenigen 
Jahren. 
Ein höchst anerkennenswerthes Taktgefühl haben die Franzosen darin bei 
währt, dafs sie die rief1gen schlachtenbilder, durch welche sie die früheren Grosss 
thaten ihrer ,,unbef1eglichen ArmeeU zu verherrlichen stets übermäfsig bestrebt 
waren, nicht haben auf der We1tausfiel1ung erscheinen lassen, sondern dass die 
Kriegsbilder, die überhaupt vorhanden sind, fast ausschliesslich dem letzten Kriege 
angehören und zwar ihre Vorwürfe in genrehaster Auffaffung und, beiläufig gleich 
hier zu erwähnen, mit einer feltenen Vortrefslichkeit behandeln; so Z. B. was 
Protais undiBernesBellecour in diefer Art geliefert haben. All die zahlreich ges 
malten Fanfaronaden und Beleidigungen des Gegners hat man unterdrückt. 
 II
        

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