Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1900606
PLASTIK 
UND 
MALEREl. 
der Pflege der KunPc Zu Grunde gegangen oder bankerott geworden, und fclbft 
nach  Grundfatzen für den Augenblick etwas übertriebene 
Aufwendungen haben lich auf Umwegen in der Folgezeit mehr als bezahlt ges 
macht. Oder wer bereut beifpiel8weife in Dresden heute noch die co1offalen sums 
n1en, welche in der Mitte des vorigen Jahrhunderts für die Verfchönerung Dress 
dem; und feine Bereicherung mit KunA:fchätzen aller Art aufgewendet worden 
f1ndP Es liegt eben lediglich an dem Mangel an Sinn, dafs bei uns nichts 
gefchieht, und diefer Mangel an Sinn iPc ein Zeugnifs von Mangel an Cultur.  
Als die drei Grossmächte aus dem Gebiete der Kunst stellen sich schon durch 
ihre rauinliche Entfaltung, aber auch durch das, was sie bieten, Frankreich, 
0esterreich Cmit UngarnJ und Deutschland dar. Nur bei diesen ist die 
Kiiiist nach allen Richtungen hin ungefähr gleichmässig entwickelt, und nur sie 
zeigen einen selbständigen eigenartigen Charakter. 
Alle anderen Nationen sind mehr oder weniger von diesen Hauptmächten 
abhängig, so Belgien von Frankreich, Holland theils von diesem, theils von 
Deutschland Ctiberhaupt auf dieser Ausstellung sehr massig vertretenI; die S eh weiz 
als ein Boden sur internationale Eintliisse; der skandinavische Norden, ja 
selbst Russland fast ausschliesslich von Deutschland her, hauptsächlich durch 
die Dtisseld0rser Malerakademie bestimmt. Spanien, welches an den Traditios 
nen seiner Vergangenheit zehrt und sich am Bornc der französischen Kunst zu 
beleben versucht, trat.in einer innerlich und äusserlich so auffallendei1 WVeise zus 
rück, dass man es nur mit den unklaren politischen Zuständen des Landes ents 
schuldigen kann. Portugal hat es vorgezogen, zu pausiren. 
So bleiben nur noch England und Italien von den europäischen Staaten 
übrig; denn das osmanische Reich zählt gar nicht mit, und Griechenland 
weist eigentlich nur einen einzigen Künstler auf, und das ist unter graecisirtem 
Namen ein Deutscher. England hat etwas ganz selbständiges zu bieten in seinen 
Aquarellgemälden und überhaupt in seiner Malerei, und Italien elektrisirt das 
Publicum durch seine Sculpturen. 
Die aussereuropäischen Länder schweigen in diesem kiinstlerisclien Volkers 
concerte, wenn nicht etwa der eine und der andere Herrscher in den Besitz eines 
eur0päischen Künstlers gekommen ist, der dann ihn selbst oder seine Minister oder 
auch Ansichten aus seinem Lande oder dergleichen malt. Von irgend einem nati0s 
nalen Charakter einer solchen Kunstvertretung kann daher gar keine Rede sein. .Der 
einzige aussereuropäische Staat, der mit einiger Selbständigkeit hätte austreten 
können, wenn er sich die Mühe gegeben hätte, und wenn er nur so gut vertreten 
gewesen wäre, wie in Paris I867, sind die Vereinigten Staaten von N0rds 
america, aber kein Mensch kann einen Begriff von dem bekommen, was dort in 
der Kunst geleistet wird, wenn er nichts weiter kennt, als was die lxViener Welts 
ausstellung ihm v0rstihrte. Die klangv0l1sten Namen wurden vergeblich gesucht, 
und Werke von solchem Interesse und solcher ansprecl1enden WVirkung, wie Paris 
sie bot, Bilder von Eastmann Johnso n, dem amerikanischen Knaus, und Anderen, 
waren nicht zu finden.s 
        

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