Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1900536
EINLEITUNG 
sUND 
UEBERslClsIT. 
Zuläss1gkeit zu prüfen. Aber auch denjenigen Räumen, welche mit Bildern und 
Sculpturen angefüllt waren, mangelte es an den wesentlichsten Ersordernissen: 
zunächst an Uebers1chtlichkeit. Das scheitern der ,,Exposition des AmateursU, von 
der nur ein kleines Bruchstück zur Ausführung kam, machte Raume disponibel, 
deren sich die viel zu klein angelegte Kunsthalle für die Ausstapelung der ihr zus 
gewiesenen Schätze mit Vergnügen bemächtigte, die aber ganz zusammenhangss 
los gewissermassen einen Ariadnefaden nöthig machten, um sich in der Gesammts 
heit der einer Kunst gewidmeten Raume zurechtzusinden. 
Ferner waren trotz dieser unverhofften, aber Sehr erwünschten Erweiterung 
die Kunsträume bei Weitem zu klein. Nicht nur, dass, wie z. B. von Deutschs 
1and bekannt und nachweisbar ist, ein sehr erheblicher Bruchtl1ei1 der zur Auss 
stellung angemeldeten Werke nicht etwa ihrer Unzuläss1gkeit wegen, sondern 
lediglich aus Mangel an Raum hat zurückgewiesen werden müssen, so dass man 
manches schätzbare Werk in. Wien bedauernd vermissen musste,  sondern selbst 
die zugelassenen mussten so hoch über einander gehängt werden, wie es mit 
einer rationellen Bilderanordnung unbedingt unverträglich ist. Die zulässige 
höchste Grenze der BehängHäche von 15 bis 16 Schuh war zum Theil um mehr 
als die Hälfte überschritten, so dass eine wirkliche Beurtheilung der Bilder zur 
Unmöglichkeit wurde. 
Hierzu gesellte sich nun noch der Umstand, dass gerade die Haupträume ein 
so abscheuliches Licht hatten, wie es kaum in irgend einer der europäischen Gas 
lerien angetroffen wird. Wenn es wahr sein sollte, dass dies, wie man sich aus. 
drückte, die ,,GeneralprobeU für die Beleuchtung der neu zu erbauenden kaisers 
licl1en Museen in Wien war, so versprächen dieselben die schlechteste Oberlichts 
beleuchtung von allen bisher errichteten zu bekommen. Nur unter den allers 
günstigsten Witterungsverhä1tnissen war einigermassen etwas in den Hauptsa1en 
zu sehen, und wer, wie der Berichterstatter, Gelegenheit gehabt hat, Hunderte 
der hier ausgeste1lten Kunstwerke bereits an anderen Stellen gründlich und unter 
mehr oder weniger guten Beleuchtungsverhältnissen zu betrachten, der fühlte sich 
aus Schritt und Tritt beklemmt durch das Gefühl, dass kein einziges Kunstwerk 
wiederzuerkennen war, ein Umstand, der auf die Freudigkeit, sich überhaupt 
ein Urtheil über bisher unbekannte Sachen zu bilden, sehr niederschlagend 
einwirJcen musste. Aus der Pariser Ausste1lung war von einem solchen Hemms 
nisse der Beschauung nicht im Geringsten die Rede, sondern dort entsprach die 
niedrig angebrachte, reichlich gespendete fund in passender Höhe gedämpfte 
0ber1ichtheleuchtung allen Anforderungen, die an eine gute Beleuchtung ges 
macht werden können, und stellte wohl das Ideal dessen dar, was durch Obers 
licht überhaupt zu erreichen ist. ss Boten nun auch die Nebencompartimente 
mit ihrem Seiten1ichte günstigere Verhältnisse dar, so waren hier grossentheils des 
entsetzlichen Raummangels wegen auch die Fensterwände mit Bildern und ans 
deren Kunstwerken behängt, die da natürlich selbst für die eisrigeren und gewissem 
hafteren Besucher der Ausstellung ihr Grab fanden. 
Wenn man sich zu all diesen Schwierigkeiten noch vergegenwärtigt, dass über 
die meisten und jedenfalls über die hervorragendsten der hier zusan1mengeHosses 
nen Kunstwerke sich das Urtheil durch mehrfache Besprechung von lVachleuten und 
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