Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1900210
DIE 
FRAUENARBE1T. 
und dunklen Farben gezeichnet war, lief in einem weissen, Ziemlich breiten 
Streifen eine fchmale Guir1ande von Pci1if1rten Blumen hinauf, ein z.artses Gewinde 
im Kettenfiich ausgeführt. Die Arbeit fah anfprucl1slos und d0c11 reizend aus; 
man mufste f1e fuchen, um f1e Zu finden, und doch guckten die Blümchen, Bläts 
ter und Ranken mit eigenthümlicher,s freundlicher Schönheit aus allen Falten 
des Gewandes hervor.   
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Viel prunkvoller als folche Arbeit zeigte lich die Go1dftickerei, welche auf 
Decken und Kiffen prangte. Auch an diefer Arbeit war hier und da die Auss 
führung nicht ganz tadellos, die Zeichnung nicht von hervorragender Schönheit; 
aber eben nur hier und da; eine gr0fse Zahl der herrlichen Arabesken, die auf 
Sammet und Seide mit goldenem Faden gezeichnet lagen, fchimmerten in der 
ganzen, räthfelhaften Pracht des 0rients. 
Zwischen den kostbaren Dingen, die lich mit Seide und Metal1g1anz übers 
fchüttet zeigten, fanden lich einzelne Erfindungen und Arbeiten leichterer Art, 
die halb im Ernste, halb im Spiele Verwendung fanden. ,F eine, goldene Säumi 
chen fpannen lich an den Schleiern hinauf, feidene Blumen lagen auf den leders 
neu Riemen der Sandalen geliickt, einzelne Halbmonde und Sternchen flimmers 
ten auf Ueberwürfen von weifsem Gazelloff, wie durch Zufall hingeltreut, die 
seidene, griechifchei Spitze zeigte f1ch in aneinander gereihten Blümchen und 
Blättern, in allen Farben verwendet, während die Goldfpitze am Rande des 
Schleiers, des 0berkleidess und des Tafchentuches prangte. 
Unter den Arbeiten, welche in den Schranken ausgeliellt waren, fand lich 
wenig oder nichts, das an die Technik des Abendlandes oder gar des Nordens 
gemahnte, man müfste denn einiger entfetz1ichen Modearbeiten gedenken, einis 
ger f1satzenhaften Gebilde, welche irgend ein Institut zu Conllantinope1 als Schu1s 
arbeiten ausgellellt hatte. Dafür fand lich aber an den Collümli:ücken, an den 
Gewändern der Männer und Frauen, die draufsen in der Halle an den hohen 
Säulen llanden, manche Arbeit wohlbekannter, anheimelnder Art. Da war der 
Schnürfaum auf manchem leinenen Hemde, da klomm an manchem Gewande 
eine fchmale Bordüre von Kreuzltichen empor und fchmiegte Ach eine derbe 
geklöppelte Spitze um den Aermel des Unterkleides, über dem ein k0ftbares, 
mit Gold und prunkendem Flitter bedecktes, in Seide fchimmerndes Gewand lag. 
Die Technik des Nordens war hier zu finden, aber lie frillete ein kümmerliches 
Dafeins der vollen Schönheit entkleidet, we1che He in ihrem Heimathlande kennt, 
halb verborgen, nur wie geduldet, verfchwand lie vor der hellen Pracht der 
Seide und des Go1des, deren eigentliches Reich an der Schwelle des 0rientS 
beginnt.  
Die Arbeiten, welche Egypten, Tunis und Mar0kk0 brachten, und 
welche hier, wie überall, wo der Süden auf der Ausltellung vertreten war, als 
eine reizende, die Blicke feffelnde Decoration erfchienen, trugen durchfchnittlich 
das Gepräge des 0rients. Es war da derfelbe Glanz, derfelbe schimmern über 
die Gewänder gebreitet, was durch Frauenhand gegangen, hatte unfehlbar etwas 
von der weichen, üppichen Pracht des südens abbekommen, und nur in einem 
einzigen Schranke der egyptifchen AusPcellung waren nüchterne, düller gefärbte 
oder wenigllens prunklofe Frauenkleider zu fehen; kattunene Beinkleider und 
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