Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1900200
D1E 
FRAUENARBEIT. 
Spinnrocken und 1tand der Webstuhl, auf welchem, in einzelnen verflochtenen 
Fäden, ein Stück des einfachen, groben Linnenzeuges lag, das hier in fchWeren, 
aufgerollten Ballen zwifchen den Holzfclmitzereien, den Flechtarbeiten und meins 
che1n Geräthe von Mannerhand geformt, zur Schau gestellt war.  
Am nördlichen Ende der ruff1fch.en Ausftellung, kaurn getrennt durch ein 
hohes Portal, zeigte fich die EXp0f1tion der Länder des Kaukafus und von 
Turkestan, wie eine glühende, tr0pifche Blume, welche der Zufall mitten auf 
die fremde, n0rdifcl1e Erde herabgefchleudert hat. In orientalifcher Farbe und 
Schönheit fchimmerte und prangte da Alles und leuchtete vor allem die F rauens 
arbeit, die auf Seide und Sammet, smit Goldfaden und lilbernen Schnüren das 
fonnige Gepränge des südens hinzauberte. Schwere fammetene Decken, Ges 
wänder von 0rientalifchem Schnitt, Gürtel, in denen Flitterquaften hingen, Vers 
hänge mit h0chaufklimmenden fremdländifchen Blumen und kühnen Arabesken, 
durch welche Sterne blitzten und der lilberne Halbmond leuchtete, gemahnten an 
das Morgenland, an die Türkei, in deren.Ausftellungsraum unter einem Baldas 
chin von farbenprächtigen, fchweren Geweben, und unter fanft gebogenen Pals 
menzweigcn, die Frauenarbeit des Landes an bevorzugter Stelle erfchien. 
Wir haben es hier nicht mehr mit der Arbeit von Frauenhand allein zu thun, 
wenn wir die herrlichen Golds und Seidenftickereien, die bunten Teppiche, die 
Schleier, Kiffen, Decken und Gewänder betrachten, welche die Länder des Orients, 
welche Perf1en, Indien, die Türkei, TuniS, Marokko, Egypten zur Ausftellung ges 
bracht hatten. Wir wiffen., wie fehr die Hand des Mannes hier im Spiele ist, 
wieviele der wunderprächtigen Farbenmifchungen, der kunftgerechten Zeichnuns 
gen, der glücklichen Zufammenftellungen in Form und Material ein Werk des 
Mannes find, der hier zu Lande das reiZende Gefüge, das die Frau aller0rts als 
ihre Arbeit kennt, mit feiner Erf1ndungskraft belebt und gekräftigt hat und mit 
deffen,Hülfe das weltberül1mte, unnachahm2l,iche, in Form und Farbe untadelige 
Induitrieproduct zu Stande kommt, das wir als 0rientalifche Frauenarbeit kennen. 
In Tamb0urltich auf Seide, Tuch und Gazeft0ff, in G0ldftickerei auf purpurs 
nem Sammet, in Flachftickerei auf Leder und anderen Stoffen, in Benähungen 
mit Golds und Si1berfchnürchen zeigten f1ch die vornehmsten Arten der Technik 
in den Arbeiten der Türkei. Wie begreiflich, war kaum ein Ding zu fehen, 
 auf dem nicht irgend ein leuchtender Funke lag, bald als blitzender Faden, der 
lich geheimnifsvoll durch das Gewebe zog, bald als flimmernde Spitze, die am 
Rande des Gewandes oder des Schleiers hing, bald als eine Last von Gold und 
Silber, die mit prunkendem Gefunkel, schwer und mächtig auf dem Unters 
itoffe lag. 
In der Ta1nbourararbeit, der eigentlichen Technik des Morgenlandes, hat 
f1ch die Türkei weit hinter den anderen Ländern des 0rients gezeigt. Gräber, 
unrege1mäfsiger reihte f1ch hier Stich an Stich, als dies in Perf1en und naments 
lich in lndien zu finden war; die Arbeiten fahen l0fe und weniger gediegen aus, 
wenn lich auch die Macht der guten Farbe mit allem eigenthümlichen Reize in 
ihnen zur Geltung brachte. ln glücklicher Verwendung war die Tambourarbeit 
auf dem Kleide einer der vielen CoftiimHguren zu fehen, mit welchen der Aus. 
fkellungsraum der Türkei gefchmückt war. Auf ge1treiftem Stoffe,.der in hellen
        

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