Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897816
 
DER 
AUsSTELLUNGsPLATZ. 
glühender Blüthen tragen als Huldigung für die junge Kaiserin; in den ersten 
Jahren nach I860 feierte man eben dort am I8. August, dem Geburtstage des 
Kaisers, die Verfassung; I866 lagerten die sächsischen Truppen im Prater; I868 
bezogen ihn die deutschen Schützen. Immer waren die Spuren der Anwesenheit 
geladener oder ungeladener Gäste schnell wieder verwischt. Diesmal jed0Ch f0Il 
es anders fein. Nicht genug, dass die Axt unter den Bäumen tüchtig hat aufs 
räumen müssen, um Platz zu schaffen für die zahllosen grossen und kleinen Auss 
stellungsgebäude, und im Eifer hier und da mehr gethan hat, als sie eben mufstC2 
der Prater in feinen besuchtesten Theilen hat eine Umwandlung erlebt. Man fand 
ihn Zu wild, zu ungebunden, zu struppig für unsere Zeit und für ein ,,Fest der 
culturU. Lineals und Richtscheit, Axt und Walze waren seit Jahr und Tag bes 
müht, die originellen Linien und Furchen gradezurichten und zu ebnen, den 
üppigen Haarwuchs salonmässig Zu kürzen und zu ordnen. V0rnehmlich müsste 
der ,,Wurstelprat:erH sich dem Fortschritte anbequemen, demselben Fortschritte, 
welcher überall die alten bescheidenen Volkstheater in glänzende Tempel der 
Muse Offenbachs verwandelt hat. Es ist wahr, die Holzhäuser, in welchen Bier 
geschänkt, das Ringelspiel gedreht oder Riesen und Mifsgeburten gezeigt wurden, 
hatten wenig mehr von der ,,NettigkeitH, die eine vor vierzig Jahren erschienene 
Beschreibung Wiens ihnen nachrühmt, während eben diese Eigenschaft den meisten 
ihrer Nachkommen von heute nicht mehr bestritten werden kann. Aber Wird die 
Zierlichkeit und die bunte Tünche dieser ,,SchweizerhäuserU sich besser und länger 
gegen den natürlichen Verfall behaupten als dies die schlichte Erscheinung der 
einstigen Praterhütten vermochteP Heruntergekommene EleganZ III HCl18kllCh kClU 
erfreulicherer Anblick als anfpruchslose Einfachheit. Und dem Wefen nach hat 
man die entschieden originellen Praterwirthschaften nur in gewöhnliche Vorstadts 
kneipen umgefchasfen. Statt der Burschen in Leinwandjacken oder HemdäkMCl11 
bedienen uns die allbekannten Kellnergestalten in schäbigem Frack, herabgetres 
tenen Schuhen und mit Servietten, welche zu allem Erdenklichen, leider auch Zum 
Tellers und Gläserputzen verwendet werden. Vorüber ist die Zeit, da man Ach 
selbst den Krug vollzapfen liess und auf einen fchattigen R8f6l1pl8kZ mlkN3hms denn 
der Rasen darf innerhalb der Grenzen des ,,regu1irten37 Praters nicht mehr bei 
treten werden; die Kinder, welchen sonst weite grüne Strecken zum Spielen übers 
lassen waren, drängen sich zwischen den Tischen herum, an Welchen Elle Alten 
zechen; der ungarische Soldat darf nicht mehr nach den Klängen dEk ZlgCUI1Cks 
sidel die slowakifche Magd im Tanze schwingen, denn das würde sich nicht 
schicken; die weltbekannten SalamisMänner, welche mit ihrer wälschen Bewegs 
lichkeit und Geschwätzigkeit von Gruppe zu Gruppe eilten, Ihre dUkllkSiZ6ndeI1 
Leckerbissen aus Papierblättern servirend, schleichen verscl1üChtert umher, und 
seitdem der Wurstelprater um seine Volksthümlichkeit gekommen ist, heisst er 
VolkSprater. 
Eher verschmerzen lässt sich die Modernisirung jener Partien, welche die Ums 
gebung der sogenannten Nobelallee bilden. Wären die künstlichen Hügel und 
Wasserfälle, der gewalzte Rasen und die winzigen Büsche hier wie an hundert 
anderen Orten aus einer Sandsteppe hervorgezaubert worden, so würde man den 
Anlagen sogar alle Anerkennung zollen; aber wo die Natur so viel mehr und
        

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