Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1900057
D1F. 
FRAUENAR BEIT. 
HeersIrasse des Verkehres liegen, bergen einen reichen Schatz uralter Sitte, urs 
alter Trachten; dort ist noch das graue. Linnen als Kleid, das Teppichgewehe 
als Schürze und Ueberwurf, der br0nZene Schmuck und das Perlgehkinge, der 
lange, vielfach gewundene Gürtel und manche abenteuerliche K0psbedeckung 
daheim, die halb der Turban des Siidens, halb das schwere, verl1Lillende Regens 
tuch des Nordens ist. Galizien, das weite Land mit feinen verschiedenen Völs 
kerschasten, zeigte eine Menge der verschiedenen Trachten, Von denen theils im 
Pavill0n für Frauenarbeiten theils im Indu1triepalaste eine interessante Sammlung 
Zu sehen war.  
Lange Hemden von I.innen, mit mancher ausgezeichnet schonen Kreuzi7cichs 
bordüre in schwarz und roth oder in vielfach zusammengestellten Farben auf 
Aermel und Brust, locker gefügte, wo1lene Tücher statt der Röcke, schmale ges 
wehte Gürtel mit reizende1i Dessins, Ueberwürfe aus Leinwand oder Tuch uiid 
irgend eine absonderliche Kopsbedeckung, ein Mützchen mit rother XxVolle, mit 
Per1bändern, mit Blumen geschmückt, ein kleiner Turban, ein Strohhut, eine 
Spitzenhaube mit gebauschter Krause, ein versch1ungenes Kopftuch oder dergleis 
chen machen das Cosliim der Frauen aus. Die Kopfbedeckung und die Per1s 
schnürt: am Halse mit den bronzenen Gehängen Ounterscheiden in manchem Lands 
sIriche allein die Tracht der Frau von der des Mannes, und auf diese Dinge wird 
daher besondere Liebe und Sorgfalt verwendet. Feine iiette Zeichnungen ziehen 
sich durch die vielfarbigen Perlbänder, welche das Mädchen am Halse und auf 
der Mütze trägt, die schweren Zierrathe von Silber oder von unedlem Metalle 
tragen alle Formen und alle Gestalten, die ihnen die Phantasie ihrer Bildner zus 
erkennt, um dem weiblichen Geschmacke zu genügen, und die Kopsbedeckungen 
in ihrer höchst verschiedenartigen Erscheinung sind das Ergebniss ebenso vers 
schiedenartiger Sitten und Gebrauche, und erzählen, ob ihre Trägerinnen weiter 
gegen Süden oder gegen Norden wohnen, ob sie alt oder jung, vermählt oder 
unvermälilt sind, ob sie ihren Hochzeitstag feiern oder zum Tanze ziehen, ob 
sie das Brautgemach betreten oder zum letzten Gange geschmückt, mit dem dürfs 
tigen, leinenen Mützchen hinaus zum Kirchhof wandern.   
Bei der Einfachheit der Gewänder, ihrer meist reiz1osen Form und dem schwes 
ren, derben Material ist an ihre Schönheit keine besondere Anforderung zu stels 
len; und doch überrascht hier und da die Pracht der Farbe und Zeichnung in 
den meist grob gearbeiteten Kreuzstichbordüren und dem Schnürsaume, der das 
Linnengewebe schmückt, und in den Gürteln, Teppicl1en und Decken, V011 denen 
manche als ein schönes musiergiltiges Gewebe auf der Ausskellung erschien. 
Süd1icher angehaucht, reicher in Farbe und Stoff zeigten sich die Dinge, 
welclie aus der Bukowina zu uns gelangten. Auch hier sind die schweren 
0berhemden aus selbskgewebtem Linnen mit den Kreuzskichlis1eren, die Kleis 
dungsstücke, wie sie die Männer und Frauen tragen, die gewebten Gürtel, Tas 
schen und Teppiche, die Schürzen aus einem gobelinartigen Stoff, wie wir sie in 
Schweden und Norwegen gesehen, aber zwischen diesen ernsten, nordischen 
Frauenarbeiten und den einfachen Gewändern bauscht sich hier und da ein seis 
dener Rock, schimmert ein ilorartiges Gewebe, ein Hemclc1ien mit seiner Spitzen. 
krause und einem slimmernden Besatz von Goldsäden und FlitterPcerncl1en oder 
 
ll ll
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.