Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1899963
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H 222 D1E FRAUENARBEIT.  
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die ftädtifchen Töchterfchulen, dann die LehrerinnensBildungsanPcalten, die Wais 
fenhäufer, die KloPcerfchulen, die Vereinsfchulen, dann die Privatinfiitute und 
endlich die weiblichen Strafanfkalten. An die Schulen reihten f1ch die Arbeiten 
von Dilettantinnen, und auf diefe folgte eine kleine Sammlung der nationalen 
weiblichen Arbeiten des Landes, die durch das mannigfach geftaltete Material, 
durch Form, Farbe und Schmuck ein abfonderliches, feffelndes Bild abgaben. 
Wir wollen, der Aufstellung folgend, mit den Schulen beginnen und von dies 
fen berichten, von der Vo1ksfchule, die aus den hohen Eichenfchränken mit 
einer reichen Zahl von Strick s, Nähs und Häkelarbeiten herauslugte, von Nutzs 
arbeiten, wie sie diefe Schule lehren foll, um ihren Zweck zu erfüllen. Hier 
und da fah aus der Menge von weissen Geweben, von Mützen und Jäclcchen, 
von Strümpfen und Hen1dchen eine befonders gute, ganz ausgezeichnet zwecks 
mäfsjge Arbeit hervor, worunter namentlich die Stopfs und Flickarbeiten zu nens 
nen find, welche die Volksfchule zu Rovered o brachte. Die Schulen der greises 
ren Städte trugen fo ziemlich daffelbe Gepräge; Kinderarbeit im wahrPcen Sinne 
des Wortes, hier und da ein kleiner Verfuch, irgend eine Luxusarbeit einzus 
fchmuggeln; ein Friv0litätenkrägelchen, eine bunte Stickerei oder dergleichen. 
Mit befonders lobenswerthen Arbeiten waren die Schulen zu Freudenthal in 
Schlefien und zu Rovered0 vertreten. Von der Schule im Dorfe, im Gebirge 
tief drinnen im Lande bekamen wir hier wenig zu fehen, fo fehr es uns ges 
freut hätte, ihre Arbeiten mit denen ähnlicher Schulen Oelterreichs und anderer 
Länder zu vergleichen. Aus Tirol hatte nur eine Schule eingefandt, die ein ges 
häkeltes Mufierband und zwei Strohhiite brachte. 
Einen Schritt weiter Enden wir die Schulen, die weit höhere Aufgaben zu 
erfüllen haben, als die, in welchen das ganz winzige Kindcrv0lk auss und cinpils 
gert. Es ist das auch ein ganz anderes, viel buc1teres Bild, das lich uns zeigt, 
manche fehr gute, manche tadelnswerthe Arbeit, wenig, dem Originalität oder 
reizende Erfindung zuzufprechen wäre. Eine grofse Zahl diefer Schulen hat einen 
eigenthiimlich befchränkten Weg auf dem Gebiete der weiblichen 1ndufkriearbeis 
ten eingefch1agen. Die Dinge find wie nach einer beftimmten, nicht immer ges 
gliickten Schablone angefertigt, und wo von diefer abgewichen wird, ficht ein 
folcher Verfuch meift mehr einem Extemporiren als einem ruhigen, iiberlegten 
Schritte oder einer guten Erfindung gleich. Am traurigfien aber macht lich die 
Schablone in den bunten Arbeiten, in den Geweben mit Wolle und Seide, in 
den philiPcerhaften Stickereien, auf dem geduldigen Stramine geltend. Je fühls 
barer diefes Erbijbe1 der Schu1arbeiten da und dort zu Tage trat, um f0 glücks  
licher zeichneten sieh die Unterrichtsanstalten aus, welche Gutes, Neues in Form 
und Farbe brachten, welche durch zweckmäfsige Arbeiten, durch richtige Ans 
ordnung einen gewinnenden Eindruck machten. Zu diefen war hier das VVais 
fenhaus zu Gorz mit guten Kunftftopfereien und reizenden Knüpfarbeiten zu 
zählen, ferner die Schule zu St. Urfula .in Wien, welche neben eminenten Weifss 
Pcickereien ein ausgezeichnet fchönes Kiffen brachte, das nach einem, dem öfters 
reichifehen Mufeurn entnommenen Muster angefertigt war, ferner die Privatins 
ftitute Goldhann und Frank, die Schule der e11glifchen Damen zu 
R0veredo, welche vortreffliche Nutzarbeiten brachte, die Schule zu St. Urs
        

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