Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1899727
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it j. 
FRAUENARBEIT. 
 
 
richte finden dürfen. Es lind diefs die Blumen und Spitzen, die in wunderherrs 
licher, klarer Schönheit auf der franzoiifchen Ausfiellung erfchienen. Anmuthig 
in Zeichnung undsMaterial, von gewinnender Pracht waren die fchleierartigen Ges 
wehe, die da als Kleider, als Toilettefchmuck, als Ränder und Kanten ausges 
krellt waren; aber noch überrafchender, noch glänzender in ihrer Art zeigte lich 
die Fülle von Blumen, die fo ausfahen, als wären f1e alle von derfelben, unfel1ls 
baren Künillerhand gefchaffen. Es war da ein grosser Schrank, der eine ganze 
Blumenwelt, ihr EntPcehen, ihr Erblühen, ihr We1ken und Vergehen fafste, mit 
einer Naturwahrheit, mit einer Grazie dargestellt, wie sie nur das Künftlcrauge 
demiLeben abzulaufchcn vermag. Die Franzöf1nnen haben ein ganz wun.derbas 
res Gefchjck in der Wahl des verfchiedenartigen Materials, aus dem lie ihre Blus 
men bilden; der Stoff, aus dem die jede einzelne Blume gePcalten, fcheint nur 
für diese gefchaffen, und dadurch gewinnt fo eine kunllvoll erzeugte Blumenges 
meinde den Anftrich originaler Wahrheit. Schwere Rofen, Tropenpflanzen, Walds 
blüthen, Mooslcöpfchen, matte Frühlingsblümchen mit den fchwanken Stielen, 
das bunte Gelichter auf Feld und WVi.efe, mit den fteilrechten, kecken Köpfchen, 
das alles lag und stand, und blühte und prangte,. und ftarb da zwifchen Moos, 
Fels, Gras und Baumstämmen, wie wir es feit Menfchengedenken draufsen über 
der duftigen Erde blühen, prangen und fterben fehcn.  
Viel trug, nicht zu dem Werthe, wohl aber zu der reizenden Erfcheinung 
aller der Arbeiten, die wir hier befprochen haben, das glückliche Arrangement 
bei, das aufser in der Ausftellung der Schularbeiten, lich überall in der franz6s 
f1fchen Abtheilung geltend machte. Da war in der Anordnung der Blumen, der 
Spitzen, der feidenen, fchimmerndens Stoffe nichts Dürftiges, nichts K1ügelndes, 
das war wie mit vollen Händen gegeben, und hatte dadurch den berückenden 
Reiz überlkrömender Schönheit an lich.  
Belgien hatte eine reiche AuSfiellung von der weltberühmten Frauenarbeit 
des Landes, den herrlichen spitzen gebracht, worunter viele. von märchenhafter 
Schönheit waren. Die ,,Compagnie des 1ndesU hatte prachtvolle Gewebe diefcr 
Art ausgestellt, Spitzen und Toiletten, die wie mit Blüthen übcrfchüttet crfchienen, 
feine Kanten in reizender Zeichnung, vieles davon ganz mit der Hand gelicl6ps 
pelt, manches mit Hülfe der Mafchine gearbeitet, Blumen, Schn1etterlinge, Aras 
besken mit der Nadel genaht, alles von Wunderbarer Feinheit, tadellos gefügt. 
WVie viele Frauenhände in Belgien mit dieser echten, mül1vollcn Frauenarbeit bes 
fchäftigt fein mögen, läfst lich annäherungsweife fchliefsen, wenn man bedenkt, 
dafs manche Firma, wie die von Bucl1holtz 8z Comp., 30oo Arbeiterinncn 
und darüber zählt. s 
Nebfk diefen herrlichen Spitzen hatte Belgien nur Blumen gewöhnlicher Art, 
und die Arbeiten von Schulen gebracht. Die Auslkellung der Elementarfchulen 
Belgiens, welche ein unfcheinbares, durftiges Plätzchen einnahm, zeigte von 
weiblichen Handarbeiten wenig Bcn1erkenswerthes, bis auf hübfche 5trohgeflechte 
und gute KnLipfarbeitcn, die von Kinderl1and geübt, in der erH:en Schule neben 
den anderen Arbeiten ganz am richtigen Platze find und weitere Verbreitung 
verdienten. Arbeiten v0rzüglicher Art hatte das ,,Atelier de charite.U zu Belem 
gebracht. In diefe, auf dem 5chloffe Belem in 0fkflandern befindliche.Schule
        

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