Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1899684
 
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FRAUENARBEIT. 
Volksfchule, der ersten UnterrichtsanFcalt des ungefchulten Kindes, Zur AusPcels 
1ung gelangte. 
Frankreich hatte wenige Arbeiten weiblicher Schulen exponirt; es waren 
da fehr hi.ibfcheAKlöppelfpitzen, worunter eine mit 400 Kl6ppeln angefertigt war; 
eine Arbeit, welche die unter der Leitung der Soeurs de la pro.vidence ftehende 
Arbeitsfchule aus der Stadt Bayeux eingefanclt hatte. Eine bunte Mifchung von 
Arbeiten, Blumen, Stickereien in Weifs und in Farben, von Näharbeiten aller 
Art, von Malereien auf Glas und Porzellan, von Zeichnungen u. f. w., hatten die 
katholifc:hen gewerblichen Schulen aus Paris exponirt, deren derzeit 22 bestehen, 
und zwar 12 weltliche und 10 Klofterfchulen, in welchen I200 Schülerinnen uns 
terrichtet werden. Der Zweck diefer Schulen ifi, den Mädchen eine allgemeine, 
wiffenfchaft1iche Bildung zu gewähren und sie in irgend einem gewerblich techs 
nifchen Fache zu unterweifen. Zu letzterem Zwecke find besondere Curfe eins 
Kindes, 
AusfIels 
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gerichtet, welche die HandelSwiffenfchaften, das Zeichnen, das Malen auf Email, 
auf P0rzellan und auf verfchiedenerlei, gewebten Stoffen, das H0lzfchneiden, das 
N0tenfkechen, das coloriren, das G0lds und silberpoliren, die Blumenfabrikation, 
und alle Arten vc3n Frauenarbeiten begreifen. Leider waren die eingefandten 
Arbeitspr0ben nicht gLi::lkig ausgestellt, fo clafS es fchwer hielt, lich ein entfcheis 
clendes Urtheil über ihre Befchaffenheit zu bilden, da namentlich den Frauens 
arbeiten und den Blumen die Reife und ihre Fäl1rlichkeiten deutlich anzuSes 
hen waren.  
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Viel köstlicher zeigte sich die Frauenarbeit in anderen Abtl1eilungen der frans 
zös1schen Ausstellung, als Beigabe, als Schmuck, als glücklicher Gedanke, der 
da und dort auf Gegenständen anderweitiger Industrie, aus Geweben, Einricl1s 
tungsstücken,.aus Wohnungsgeräthen, aus Kleidern, und dergleichen zu Tage 
trat. Die Franzosen haben besser und klarer als die meisten anderen europäis 
schen Völker dargethan, was sich mit Hülfe der Frauenarbeit erzielen lässt, wie 
sie namentlich zu decorativen Zwecken zu verwenden ist, und haben gezeigt, wie 
dieselbe mit voller Wahrung des abendländischen Charakters, ohne Benutzung 
der allgewinnenden orientalischen Motive und Farbenpracl1t, durch schwunghafte 
Zeichnung, durch richtige Anwendung, durch glückliche Erfindung in Form und 
Technik einen eminenten Effect hervorbringen kann. 
Zu dem besten dieser Art zäl1lten die Fensterdraperien, die Portieren, die st0s 
res, von denen in den Ansstellungen der Wohnungseinrichtungen, wie durch Zug 
fa1l angebracht, und unter den Exp0s1tionsgegenitänden einzelner Firmen reis 
zende Dinge Zu finden waren. Von Vorhängen hatte die Firma Meu Hier 8z Co. 
eine glänzende Erfindung vorgeführt, Draperien aus locker gewebtem Leinenstofse, 
wie wir ihn an den 0berhemden der 0rientalinnen fanden, und an diesen Stoff 
spannenbreite B0rdüren gefügt, die aus breiten und schmalen Bändcl1en mit dem 
Guipurestiche zusammengesetzt und verbunden, eine schwungvolle, in grossen Züs 
gen entworfene Zeichnung hervorbrachten. 1n Weiss und in Drapfarbe waren diese 
Vorhänge gearbeitet, die alsiMuster dec0rativer Frauenarbeit gelten können. Von 
ebenso reizendem Effecte sind die St0res in Tiillapplicati0n, die V0rhänge, welche 
als Lichtciämpfer, als Schutz gegen Insecten vor das Fenster gespannt werden, 
und die aus durchs1chtigem Untergrunde köstliche Zeichnungen in dichteretn
        

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