Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1899640
 
FRAUENARBEIT. 
Effect hervorbrachte, und den Zweck, den feinen Untergrund feiner Structur 
entfprechend zu fchmiicken und nicht blos aufdringlich oder nichtsfagend zu 
erfcheinen, erfüllte. 
An einer der Säulen in der Halle, welche die Ausltellung Spaniens enthielt, 
Hand eine CoftümHgur, die Frau des Landes, in leider fehr modernif1rter Tracht, 
der keine Eigenthiimlichkeit, kein nationaler Charakter, aufser dem fchweren 
Metal1fchmucke am Halfe und in den Ohren, abzufehen war. Nur das weifse 
Spitzentuch, das um die Schultern gefchlungen lag, erinnerte an die vielgeruhmte, 
vielbefungene Mantille, und dieses Kleidungsltiick trug auch eine Arbeit halbs 
vergeffener Technik an lich, die durch Tiill gezogenen Fäden, welche wir noch 
hie und da in den Schleiern finden, welche unfere Grofsmiitter trugen. Derzeit 
ift diefe Arbeit fast gänzlich aus Europa verfchwunden und hat lich auf der Aus. 
fkellung, aufser in Spanien, nur in einigen reizendcn MuPrern, die Egypten brachte, 
vorgefunden. Draufsen im Parke hatte f1ch Spanien ein kleines, einHockiges 
Haus erbaut, in deffen Räumen es neben manchem alten Geräthe Wunderbarer 
Art, neben Waffen, Bildern, Kirchenparamenten, neben RuPcungen, mit koPclis 
chen Zeichnungen bedeckt, neben Glasmalereien, alten Urkunden und Büchern, 
auch das bunte Ding, die Frauenarbeit, mit einem PlätZchen bedacht hatte. Es 
waren da mehrere Schulen ausgePcellt, darunter das Taubfkummens und Blindens 
infiitut zu Madrid, welches einige fehr hiibfche Leinwebereien, grobe Näharbeis 
ten, Weifsftickereien und bunte Tambourarbeiten brachte, welche letztere auf der 
Wäsche, namentlich auf Hemden Verwendung fanden, und dadurch an die Arbeis 
ten der flavifchen Hausinduftrie gemahnten. Traurig fahen neben diefen einfachen 
Dingen die Luxusexperimente in Farbe, mit Seide, Wolle, Chenille, Atlas und 
Blumen aus, Reliefarbeiten, Kiffen mit dicken rothen Wollblumen, und fonPcige 
häfsliche Erfindungen, neben denen eine in Zeichnung und Ausführung unedle 
Goldfiickerei prangte. 
Beffer fahen sich die Arbeiten des Lehrerinnenfeminars zu Madrid an,.w0runi 
ter jedoch leider auch die Lithograpl1iesImitationen und die grellfarbigen Bunts 
Pcickereien zu b.eklagen waren, in welchen hie und da die Matadore des Regens 
bogens einen unentfcheidbaren Streit um den V0rrang führten. 
Verföhnlich, ernst, gewinnend trat uns dagegen eine alte, herrliche KunPcs 
Ilickerei entgegen, die über einer der Thüren des Haufes hing, ein Kirchenpara. 
ment in Gold und Seide in längftverblichener Pracht, von der noch hie. und da 
der glitzernde Faden erzählte, der in architektonifcher Zeichnung die Figuren 
umrahmte, die eine über der anderen den Rand des fchweren Gewandes ziekten, 
Portugal hatte aufser einer collection ziemlich gewöhnlicher Klöppelspitzen, 
die ein ganz befcheidenes, Plätzchen einnahmen, keine Arbeit von Fkaue11haHd 
ausgestellt. Ein Schrank, der theils mit Kinderfpielzeug, mit alterthümlichem, uns 
förmlichem H0lzgerijmpe1 naiver Art, theils mit Thonf1gürchen, Typen aus dem 
portugiefifchen Volke, gefüllt war, zeigte uns die Frauen in nationaler Tracht, 
mit ;dem breitkrämpigen, runden Filzhute, dem weifsen, fchleierartigen Tuche, 
das über den Rand des Hutes niederfällt, mit dem bunten Mieder, dem weifsen 
0berhemde, dem kleinen Tüchlein, um die Schultern gefchlagen,. und dem dunks 
len, faltigen Rocke, der bis an die Knöchel reicht.4 Die Figurchen, welche die 
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