Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1899600
 
FRAUF.NARBEIT. 
U 
 
I 
durchwegs häfsliche, natura1istifche Blumengewinde und ähnliche Darfte1lungen 
brachte, welche den gefammten Effect verdarben.  Einige Goldftickereien, das 
braf11ianifche Banner, von dem Haufe der Find1inge zu F ernambuco ausgestellt, 
und mehrere Erfindungen und Arbeiten von Dilettantinnen waren theils unfchon, 
theils unbedeutend, und zogen wenig Beachtung auf sich.  Sehr zu bedauern 
ist, dafs Amerika nichts von den weiblichen Hausindustriearbeiten feiner wilden 
und halbwilden Volksftämme brachte; es hätten diefe Dinge gewifs ein inters 
effantes Material zu vergleichenden Studien gegeben, wie es aus Af1en und 
Afrika zur Ausstel1ung gelangt war, wo es f1cher zu den fchwungvol1sten, reizends 
sten Erfcheinungen gehörte, welche in den glänzenden Hallen des Industriepalas 
stes das Auge des Befchauers feffelten. 
England hatte ebenfo wie Amerika nur eine unbedeutende Zahl von Frauens 
arbeiten ausgestellt. Als vielgepriefenes Ausstellungsobject erfchienen die Irlander 
Spitzen, von denen eine reiche collection von George Smith ausgestellt und von 
einer Gefellfchaft zur Unterstützung der hilfsbedürftigen Landbevolkerung ges 
fammelt und eingefandt war. Diefe Spitzen, welche von ganz jungen Mädchen 
zum Verkaufe gearbeitet werden, erfchienen in reizenden Zeichnungen und von 
vortrefflicher Technik, namentlich waren ornamenta1e Bordüren von tadellofer 
Erfindung unter den Hunderten von Deffin5, die da vorlagen. 
Nebst diefen Spitzen hatte England nur einige Kunststickereien und eine Tams 
bourarbeit gebracht. Unter den ersteren präfentirte sich in höchst auffal1ender 
und gr0tesker VVeife ein Wandfchirm, von Lady Carrington gearbeitet, welcher 
auf weifsseidenem Untergrunde ein 0rnament in bunter, 1ofer Häkelarbeit zeigte, 
welche letztere mit Seidenborden eingefasst, uncl hie ünd da durch Stickerei ers 
glänzt war. Die Idee war nicht unglücklich gefafst; es liefse sich mit solcher 
Technik ganz Reizendes Zusammenfügen; leider war hier die Zeichnung eben 
nicht von eminenter Schönheit, und die Ausführung, namentlich in den Contous 
ren, nicht präcis genug, um den Eindruck, welchen die Arbeit machte, nicht in 
ungünstiger VVeife zu beeinträchtigen. Weit tade1lofer in der Ausführung, weit 
zweckmäfsiger zeigte sich die vorerwähnte Tambourarb.eit, welche auf einem 
schweren, fchafwo1lenen Möbelstoffe als bunte Guirlande in Streifen niederlief. 
Die Arbeit war ebenfalls in Wolle durchgeführt und fah durch glückliche Fars 
benwahl, durch Einfachheit des Deff1ns e1egant und anmuthig aus und wies in 
glänzender Weife nach, wie günstig sich die einfache Technik des Kettenstiches 
zu folchem decorativen Zwecke verwenden läfst. 
1n gleicher Weife hatte Spanien diefelbe Arbeit auf Portieren als Schmuck 
gebracht. Es waren das Vorhänge von fchwerem bunten Schafwo1lgewebe, mit 
dicken Kl6ppelfranfen, in den hellen Farben des Südens prangend, Bordüre an 
Bordüre gereiht, in welchen reizende Arabesken erfchienen; zwifchen cliefen ges 
webten Bordüren war hie und da ein matter Streifen deffinlos geblieben, und 
hier war dann mit groben Tambourstichen in dicker Wolle eine Reihe von stilis 
skifchen 0rnamenten, von Blüthen, Vögeln und anderem Zierath angebracht, der 
durch Zeichnung, Farbenwahl und Technik einen glänzenden Effeict erzielte. Der 
f0 verwendete Schmuck fprang, mitten in den glühenden Farben des Stoffes, 
nicht in7s Auge, sondern brachte im Gegentl1eile Ruhe in das bunte Gewimmel, 
I
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.