Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Kunst und Kunstgewerbe auf der Wiener Weltausstellung 1873
Person:
Lützow, Carl Friedrich Arnold Universal Exhibition <1873, Wien>
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1897234
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1899495
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DIE 
LÄNDER 
UND 
IHRE 
KUNSTARBEITEN. 
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der feinen Reiz und feinen Vorzug in dem schillernden, schimmernden Spiel der 
Farben besitzt, die ihn zusammensetzen. Diese Vertheilung kann in mehr blumis 
ger Art geschehen, wie bei den indischen und pers1schen Teppichen, oder mehr 
geometrisch und ohne bestimmte Zeichnung, wie es denen Vorderas1ens eigens 
thümlich ist. Eine Aus11xsl11ne davon machen fast die Mehrzahl der Smyrnaer 
Teppicl1e, bei denen Roth und Grün, insbesondere das erstere als Grund, in breiten 
Massen auftreten. Die zahlreichen Beispiele aus der Ausstellung in der indischen, 
persischen und türkischen Abtheilung liessen das deutlich erkennen. 
Was bei den Teppichen die Ausnahme, der Gegenfatz der Farben, ist bei 
den Kleiderstofsen des Orients eine sehr häufige Erscheinung. Allerdings folgen 
auch sie zum Theil dem Princip der Teppiche, sogar in noch erhöhtem Masse, 
d. h. in kleinerer Vertheilung, was z. B. von den tibetanifchen und perf1schen 
Shawls gilt; aber dieses Farbenprincip ist durchaus nicht das einzige. Ich erins 
nere hier beispielsweise an ShawlS, Mantel und andere Gegenstände indischer 
Fabrikation, bei denen auf dem Grunde von indisch rothem Kaschmir von vollster 
Gluth der Farbe grossblumige stilis1rte Stickereien in weisser Seide ausgeführt sind. 
Auch viele türkische seidene Prachtstoffe, welche ganze Farben in breiten Streifen 
gegen einander stellen, gehören hierher, namentlich auch die arabischen Burnus 
von Syrien bis nach Marokko. Die AuSstellung zeigte dafür die Beispiele in Fülle. 
Ebenso ist die Art, wie die Indier in den Geweben mit dem Golde umgehen und 
es verwerthen, eine doppelte: entweder vertheilen sie es in kleinen Mustern auf 
einfarbigem Grunde oder mit verschiedenen anderen ungebrochenen, vollfaftigen 
Farben, oder sie lassen es in blanker Fläche wirken, wobei der Faden selbst schon. 
glatt und spiegelnd ist. Dieses Zweite Princip ist wohl dasjenige, Welches den 
Eindruck einer effectv0llen Pracht, die ja auch ihre Berechtigung hat, hervorzus 
bringen geeignet ist, währendxes das erstere, das Teppichprincip, mehr s1UfRUI16 
und Feinheit, jedoch keineswegs auf Farblos1gkeit abgesehen, hat. Wir sehen 
daher jenes zu dem genannten Zweck nicht blofs noch heute im Orient anges 
wendet, sondern wir können es durch alle Zeiten verfolgen, bis es im achtzehnten 
Jahrhundert erstirbt.  
Zwischen beiden Principien liegt eine unerschöpfliche Fülle von Varianten, 
die sich bald der einen, bald der andern Seite mehr zuwenden, so dass das Stus 
dium der orientalischen Gewebe immer neues Vergnügen, neue Belehrung bot. 
sicherlich waren sie auch niemals so umfassend vereinigt wie auf dieser Aus. 
stellung, wenn man auch vielleicht in London mehr Prachtexemplare fah. 
Aber, wie schon oben gefagt, erschöpft sich das Interesse der orientalifchen 
Kunst nicht in der textilen Arbeit. Der Osten ist die urälteste Heimat der Mes 
talltechnik, und alle feinere Kunst in Eisen und Stahl hat sich heute fast allein 
noch in Asien erhalten. Europa hat im Verlauf der letzten Jahrhunderte, im 
Verfall der Kunstindustrie seit der Renaissance, all das verlernt und vergessen, wos 
mit einst seine Waffenfchmiede und Schlosser glänzten, und was uns heute Spanien 
auf der Ausstellung davon vorgeführt hatte, das war eine glückliche Wiederaufs 
nahme alter arabischsmaurifcher Kunst. Zwar hat auch der Orient heute in diesen 
Künsten nachgelassen, und was uns der Norden Afrika7s, Aegypten und die Türkei 
mit allen ihren Provinzen von verzierten Waffen sehen. liessen, das war wohl 
 
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